Band 
Zweyter Jahrgang.
JPEG-Download
 

Schon Montesquieu hat angemerkt, daß die Erzielhung der Welt überall der häuslichen und öffentlichenwiderspreche; daher dann das viele Ungereimte in un-sern Sitten, die Widersprüche in unsrer Denkungsart,und insonderheit die Schlaffheit heutiger Republikanerin Verglcichung mit den Römern und Griechen. DieUrsache davon mag wohl in Bern, wie anderstwo, dieseseyn: Daß alle unsre öffentlichen Erziehungsanstalten wohlmit dem Geiste derjenigen Zeitalter, in denen sie gestiftetworden, übereinstimmend, aber mit den folgenden Zeiteneben deswegen im steten Widerspruch lagen; da hingegenbey den Alten die Republik und das Forum die grosse Schulewar, wo der Jüngling neben dem Greisen lernte. Auchist es eine alte Klage, daß die Hohe Schule von Paris,und die Sorbonne unverbesserlich seyn. Diderot sagtevon ihnen: Sie waren wie die Nachteulen; je naher manihnen das Licht an die Augen halte, je blinder werden sie.Wirklich sind die meisten alten Universitäten so tief in dieFinsterniß versunken , daß Man bald in der Welt kaummehr von ihrem Daseyn weiß; und wenn noch das Werkdes weisen Alfreds blühet, so ist dieses Wunder vielleichtweniger dem Genie des Stifters, als dem Geiste der Eng-lischen Verfassung zuzuschreiben.

Auch in Bern hat sich der Geist des XVI. Jahrhun-derts im Akademischen Rathe nur zu glücklich behauptet.Selbst die Patrizier, welche nicht in die Schulen gehen,werden dennoch von Geistlichen auferzogcn, die ihreGrundsätze in den Schulen geschöpft haben. Daß es bes-ser wäre, wenn dieser Geist der Schulen sich der neuernWissenschaft näherte, ist wohl »«bezweifelt. Dennochwäre es nicht minder ein grosses Uebel wenn das Corpswelches die Religion, wie in einem Heiligthum, aufbe-wahren soll, sich nach jeder vorübergehenden Denkungs-art richten würde. Die heutigen philosophischen Schrift-