Band 
Zweyter Jahrgang.
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säst möchte man sagen aller Monarchien ? Matt darf nichtlange die Jahrbücher der Nationen aufschlagen, um zubeweisen , daß die Anzahl der schlechten Fürsten die Zahlder guten weit übertreffe, und daß hingegen die meistenRepublickcn eine lange Reihe von Jahren durch der größt-möglichen Glückseligkeit eines Volkes genossen, und diesegerade darum zuweilen eingebüßt haben, weil sie inOligarchien und zuletzt in Monarchien unvermerkt ausar-teten. Alles dies laßt sich kürzer und bündiger aus derBeschaffenheit der menschlichen Seele und ihren Neigun-gen herleiten , denen die Geschichte so oft bloß zum Kom-mentar dienet. Gewalt und Ansetzn erzeugen nicht nurüberhaupt immer Mißbrauch, sondern sind auch gewöhn-lich mit diesem im genauesten Verhältniß der Grösse. Jeweniger ein Mensch von seinen Nebcngeschöpfen abhängt,j« mehr er hingegen auf ihre Handlungen nicht durchseine Einsichten, sondern durch willkührliches Anschn Ein-fluß hat, desto grösser» Spielraum haben auch seine Lei-denschaften , desto weniger Bcwegungsgründe halten ihnvom Mißbrauch seiner Talente und Neigungen ab. Wiegefährlich ist also nicht die unumschränkte Gewalt einesMonarchen ! Giebt schon die Natur ihm ein gutes Herzund einen richtigen Verstand , so wird doch seine Erzie-hung , weil er von Jugend auf mit den stolzen Begriffenkünftiger Herrschaft von Schmeichlern gewiegt wird, undihm alles oft blindlings gehorcht ehe er Recht und ^Un-recht unterscheiden kann , die Empfindungen der Men-schenliebe sehr oft abstumpfen, und die Einsicht des Wah-ren , Guten und Edcln verdunkeln , deren er in jedemandern Stande fähig geworden wäre. Die Erfahrungbeweist zum Unglücke des Menschengeschlechts, daß dieJugendjahre der meisten Prinzen so angewendet werden,daß unter zehn Thronfolgern kaum einer besser als seinVorgänger 'zu werden , und den Fallstricken der Schmei-Gchw. Mus. r. Iahrg.' r. Heft. Ttt