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gieng; und dieser Anblick war mir zehnmahl ehrwürdiger,als wenn ich ihn im Gefolge einer Meute Jagdhunde oderbeym Cartenfpiel erblickt hätte. Das reichste und schönsteMädchen des Dorfs ist meistentheils für ihn bestimmt;und jedes hält es für die größte Ehre des Predigers Frauzu werden. Im Ganzen schienen sie mir zufrieden, undihr Loos nicht verächtlich zu seyn, besonders wenn ste stchdie Liebe ihrer Collatoren, der Bauern, zu versichern wis-sen. Zu dem Ende hin müssen sie sich in keinerlcy Regie-rungsgeschäsle mischen, nicht zu sehr gegen die Trunkenheiteifern, hingegen desto öftrer gegen den Diebstal, und ineinigen sehr einöden abergläubischen Thälern gegen die Zau,derer predigen. Besitzen sie überdas noch etwas medizini«sehe Kenntnisse, so sind sie allgemein geliebt und geehrt.Es ist keine Feyerlichkeit, keine Hochzeit oder Taufmahl,zu welchen sie nicht eingeladen werden, und wobey sienicht wirklich zu erscheinen verbunden sind. Hier haben sieden Vorsitz; und auf ste folgt der Dorfgeiger, eine Art vonSpaßmacher und Troubadour von ganz besondrer Gat.tung. Bey diesem finden sich mehrere alte Gebräuche auf.bewahrt, von welchen ich anderswo mehr sagen werde.
Die Prediger jeden Bundes halten jährlich eine allge.meine Versammlung oder sogenannte Synode. Sie gehenbeynahe alle zu Fuß an den dazu bestimmten Ort, miteinem Stock in der Hand und einem kleinen Gepäck aufdem Rücken. Die Gemeine in der sie zusammentreffen,hält sie, so lange die Synode dauert, kostfrcy; aus Ge«wohnheit nämlich, nicht aus Verpflichtung; und weil dießeine ziemlich drückende Last ist, so schreibt der Dekan dieseVersammlungen der Reihe nach auf die reichsten Gemei-nen des Bunds aus. Dieß gleicht in vielen Stücken denGewohnheiten der ersten Jahrhunderte der Kirche, undmuß wohl unsern reich besoldeten Domherrn und Preben.darren sehr armselig vorkommen.