Band 
Sechster Jahrgang.
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Im Sommer 1729. machte er mit seinem Freund Jo-hann Geßner von Zärch eine Reise in die schwerer-scheu Gebürge, die merkwürdig ist, weil sie den Plan zueiner veranlaßte, und ihn zu dem Gedicht

über die Alpen begeisterte, das er im ein und zwanzigstenJahr seines Alters verfertigte; ein Stück, das so erhabenund unsterblich ist, als die Berge, welche darinn besungenwerden. Um diese biographischen Anekdoten nicht durchein chronlogischcs Verzeichniß seiner poetischen Produkte un-lerdrechen zu müssen, will ich gleich itzt anfuhren, daß ernicht laNge nach dem Gedicht über die Alpen seine mora-lischen Episteln: Ueber die Falschheit menschlicher Tugen-den , über Vernunft, Aberglauben und Unglauben, überden Ursprung des Uebels; die Eitelkeit der Ehre; verschie-dene Satyren; Doris, ein verliebtes Gedicht auf seineerste Gattin; und seine Elegie auf ihren Tod, die so sehrbewundert worden ist, schrieb. Es ist ein überzeugenderB weis von dem gewandten Genie und den aussrordent-lichen Geisteskräften Halters, daß er sich in der Poesie sovorzüglich hervorthat, obschon er sie, seine frühen Jugend-jahre ausgenommen, nie anders als wie eine Erholung be-trachtete , um sich in Leiden oder auf dem Krankenbett z«beruhigen, und über den Neid und die Vernachläßigungseiner Zeitgenossen zu trösten. Die bcßten deutschen Kunst-richter setzen Hallern neben die vorzüglichsten ihrer Dich-ter, und sehen das Erhabene als den Hauvtcharakter seinerSchriften an. Sie geben zu, daß er seine Muttersprachebereicherte, und sie harmonischer machte; baß er die höchsteErfindungsgabe und lebhafte Einbildungskraft, und sowohlin seinen Ideen als in seiner Sprache grosse Originalitätbesaß; baß er das Colorit der Natur sehr genau darstellte;die Tiefen der Methaphysik und Moral ergründete; unddaß er in Rücksicht auf mahlersche Beschreibungen, aufsanfte , liebliche Bilder, auf erhabene Gedanken, und phi-