IV.
Man hat kein Bildniß von ihm. Wie natürlich unddoch zu spa^ erneute sich bey diesem denkwürdigen Manne(der mir oft den Bildnissen nach viel ähnliches mit demNefo mator Arvmgll zu haben schien, wie vägell mitFriedrich dem Grossen,) der Gedanke und Wunsch,für jeden vormglichen Freund sollten Freunde, wie fürein Famihenhanpl die Glieder der Familie, wo möglichzu rechter Zeit drauf denken, ihn zeichnen und mahlen zulassen. Wie leer an Delikatesse ist der gemeine Brauch,da man es jedem überläßt, ob er selbst nicht nur den Ko-sten haben will portraitirt zu seyn, und sich dann in ei-nem Z mmer selbst zu doppelter Ansicht des lebendigenund des gemahlten Gesichtes aufzustellen Lust habe, wozusich jeder Bescheidne nur etwan aus Liebe zu Kindern, diees verlangen, entschließt — und baß man hingegen vonwürdigen Männern ein würdiges Abbild nicht durch Ver-abredung guter Freunde und Gönner von einem Meisterin der Mahlerey bestellt. So hätte ein DrogA, derAasen so wohl kannte, ihn gewrß con smore gemahlt.Uebngens hat meine Einbildungskraft, so lange michGott bey meinen innern Sinnen erhalt, ein tief eingebik«deteg Abbild: Wie er in der Kirche in seinem langenKai zelrock nnb ein wenig schlaffen Kragen zur Predigtund zum Gebet eine Ehrfurcht erregende Stellung hatte;mit welcher Vecbiegung er an Leichbegangnisscn und auSOrationen neben angesehenen weltlichen und geistlichenHerren vorübergieng; wie er aus Orationen und Dispu-tationen so liebreich und wissenschastiiebend gewöhnlichnoch auf mein Studierzimmer kam, mit ein Paar Freun-den noch Bemerkungen über das Angehörte zusammenzu-tragen; wo wir alle fühlten, wie er sich mit seinem Bey-trag so wenig wußte, und doch im Grunde der reichlichsteCvntribuent war. — Und wie er auf feinem eigenen Zim.