Band 
Fünfter Jahrgang, 1748.
Entstehung
Seite
115
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nunft nicht. Unbedachtem ist es gehan-delt , wann jemand das Schicksal und dieGemüths. Beschaffenheit eines Kindes erken-nen wilt aus der L-teüung der Sterne , diezur Zeit seiner Geburt gewesen. Vergeblichwird es seyn den Grund zu suchen/ warum,wie die Abergläubigen vorgeben , ein Kindnicht bald und nicht gut reden lernet, wennsein Pathe, wenn er den Gewalt- Brief be-kommt , denselben nicht augenblicklich auf-bricht. Wenn ein paar Ehe - Leute getrauetwerden, so müssen sie ganz genau zusammenrretten, daß niemand zwischen beyden durch-sehen kan, wollen sie anders eine vergnügteEhe haben. Wenn jemand eines Kinderoder Vieh lobet, z. Er. daß es wohl aus-sehe und fein sey , so muß er sich dennochwohl in acht nehmen , daß er die Worte :GOtt bewahre es! nicht auslaste. Dannsonst bekam man in Sachsen von den Ader-gläubigen zur Danksagung und Antwort:Wenns dein grosses Maul und bösesAuge nicht thäte, so wäre es noch eins1ö schön. Will ein Gewmnfichtigcr gernGlück haben , so siehet er sich nach einemvjcrblätterichten Klee-Blatt um. Zu glei-chem Zweck soll auch das Blut von einerFledermauß dienen. Wenn er des Mor-gens messet, so ist er vergnügt, weil er mey-net, er bekomme diesen Tag was geschenket.Und wer ist im Stande , alle die abergläu-bische Meynungen zu erzehlen. Wir müssenvielmehr darauf bedacht seyn, wie dem Ue-bel des Aberglaubens abgebolffen werde.Stellet sich der Abcrgläubige vor, daß GOtteinem jeden Zauberer erlaubet habe, ihmnach Belieben zu schaden; so hat er noth-wendig von der Güte und Treue, ja auchDon der Vorsorge GOttes einen schlechtenBegriff. Hält er ferner dafür, daß er durchso mancherley geringe Dinge sein Glück be-fördern , seine Güter vermehren, und denSchaden selbst abwenden könne, so wird erbochmüthig , und achtet GOtt wenig ; Ei-nige Gelehrte haben daher die Frage aufge-worffen: Ob der Aberglaube nicht ärgerund gefährlicher sey, als die.Atheiste-

rey oder Unglaube ? Doch der hochbe,rühmte Goltesgelehrte, Hcrr Abt Moßheim,hält eine mühsame Untersuchung diefer Fra-ge vor unnötbig, und erweiset, daß eineArt der Irrthümer, wo sie recht eingewur-zelt ist, der wahren Gottseligkeit so schädlichsey als die andere. Manche Irrthümer sindnoch aus dem blinden Heydenthum, einigesind Ueberbleibst! aus dem finstern Pabst-thum , alle zusammen aber aus der Unver-nunft hergesiossen. Möchten doch diejenigen,die damit behaftet sind, einmal anfangen,die Vernunft behörig zu Rathe zu ziehen,so würden sie nicht zu leicht- und abergläu-bisch seyn. Möchten doch die Eltern ihreKinder von den thörichten Fabeln ab - undzum HErrn weifen. Wie wohl würde esgethan seyn , wann Junge und Alte dasWort der Wahrheit als ein allgemeines Mit-tel wider alles Unheil annähmen , und das-selbe zur Richtschnur ihres Thun und Lassensgebrauchten nach dem nyten Psalm v. io;.AIs die Ephefer sich vorn Aberglauben zumwahren Glauben wendeten , so brachten die-jenige , die da vorwitzige Kunst getrieben hat-ten , die Bücher zusammen, und verbrann-ten sie , Apost. Gesch. XIX. Der Un-glaube ist ein Laster derer, die zu wenigglauben ; der Aberglaube aber ist ein Ab-weg derer, die zu viel glauben. Beyde müffsen wir also meiden. Die wahre Gottselig-keit hingegen ist die Mittel-Strasse, die dabeiffet die Richtige. Wer darauf gehet,wird nicht irren.

(Die Fortsetzung folget nächstens.)

Leipzig. Nachdem der berühmte HerrRath lteinecciux, dessen LibliL sZuLärilin-»uia dsovi Testament! grossen Beyfall ge-funden , um dieses Weck vollständig zu ma-chen , auch von dem Alten Testamente der,gleichen auszufertigen bißher bemühet gewesen,und die Lankische» Erben solches auf eineleichte Weise denen Liebhabern in die Händezu bringen sich entschlossen haben: So ma-chen diese hierdurch bekannt, daß diejenigen,die von jetzo biß zur nächsten Ostermeffe ge«P » dach-