Band 
Fünfter Jahrgang, 1748.
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Herrn Professors gegen ihn. Allein, unge-achtet dieser Liede , würde gleichwohl diesergeschickte Mann das ganze Schreiben gewißnur unter die mittelmäßigen Poesien rech-nen , wenn er davon auf sein critischcs undpoetisches Gewissen urtheilen solle. Wir se-hen unterdessen sehr gerne daraus , daß derHerr Camcrer entschlossen ist, sich künftigmit den höher« Wissenschaften bekannt zumachen, denn wir hoffen deßwegen, erwerde sich nicht wieder mit der Verfertigungeines Trauer-Spiels beschäftigen. Zu die-ser wichtigsten Art der Dicht- Kunst gehöretweit mehr, als man gemeiniglich glaubt.Die Regeln der deutschen Prvsodre zu wissen;Hallern auswendig hersagen , und ihn beydem Nachahmen abschreiben zu können;viele traurige und blutige Historien gelesenzu haben, und endlich einen artigen Vers zumache« ; sind alles Sachen , welche nichtsvon dem Wesentlichen eines tragischen Dich-ters zeigen. Hiezu wird nicht bloß eineKänntniß der Bücher, Andern vielmehr eineBekanntschaft mit der grossen Welt, einetreffe Einsicht in das menschliche Hertz, eineFähigkeit, dre Leidenscvaftcn zu erregen undzu besänftigen, und ein Geist erfordert, derdasjenige empfindet, was er schreibet. Wirwollen dem Herrn Camerer nicht alle Ge-schicklichkcit absprechen ; allein, ob wir gleichhoffen, daß er mit Fleiß und Zeit noch einguter Dichter werde» kan , so können wiruns doch nicht damit schmeicheln, daß wirjemahls einen deutschen Corneille, Racineund Voltaire an ihm haben werden. Sol-len wir dieses glauben , A hätte er aus sei-ner Octavia noch erst eine ganz andere Octa-dia mache» müssen, ehe er st, drucken lassen.Er hätte die Eharacters seiner Personen we-nigstens in etwas ausdrücken, und den Ne-ro wie -.ine» Tyrannen, nicht aber wie ei-nen Pedanten reden lassen müssen; er hättedie Auftritte doch nur hie m d da verbinden,und mindstens die Haupt- Regeln der thea-tralische« Dicht - Kunst beobachten sollen;und er hätte das Feurige, Erhabene undRührende gewiß nicht m der beständigen

Wiederholung eines Ha! He! Ach und Oksuchen müssen. Ist für 1»kr. zu habe»

Leipzig. Jacob Schuster hat in der vo-rigen Mette geliefert: Ludwig Anton Mu-rarori Geschichte von Italien, nachOrdnung der Jahre, vom Anfangeder Christlichen Zeit-Rechnung , biß aufdas Jahr aus dem Italiänischenübersetzt, und hin und wieder mit An-merkungen , insonderheit zur Erläute-rung der deutschen Historie , versehe«.Nebst einer Vorrede, den Innhalt die.ses Theils betreffend. Sechster Theil.Vom Jahr Christi ivor. hiß 1124.z Alphabet und 1 1 Bogen in groß Quart.Aus dem lestnswürbigen Vorberichte diesessechsten Theils wird sich der Leser d en Jnn»halt desselben näher bekannt machen können.So wie überhaupt dieses Werk < worander Verleger keine Kosten sparet, einen garbeträchtlichen Einfluß in die deutsche Ge-schichte hat, so hat es dieser Theil insbe-sondere. Der Herr Doctor Baudiß fährethicbey mit möglichstem Fleiße fort, diefedeutsche Ausgabe durch seine gelehrte Anmer-kungen zu erläutern, und niemand, der nureinige Känntniß von der Historie bat, wirdsagen, daß sie überflüßig sind. Er müssetin denselben aufs genaueste die Muratori-schen Erzählungen und ihre Beweise. Auchhat er die von dem Herrn Murakori allzukurz gefaßten Umstände, in so ferne diesel-be das deutsche Reich betreffen , weitläuftr,ger ausgeführet; wobey er zugleich unzäh-ligen Irrungen, so sich st> wohl bey den al-ten Annalisten, als auch bey verschiedenenneuern Gelehrten gefunden, abgehvlffen.Durch die Menge der beygebrachten , zumTheil ungedruckien Urkunden, deren Chro.nologische Merkmahle fleißig anbey mit ver-bessert worden, ist der Herr Doctor bemü-het gewesen, denen Muratorischen Bewei-st« entweder zu statten zu kommen, oderdenenienigen historischen Wahrheiten, welchenicht kamst versehen waren, das rechte Le-ben zu geben » auch über dieses alles eine