Vorrede»
haß ich nicht vieler ältere Ueberfezungen oder Nach-ahmungen viele dieser Sammlung eingecükter Fä-deln kannte, und gleichwol für meinen Endzwekeine neue Uebersezuug derselben, wenn auch vongeringerm ästhetischem Werthe nicht für überffü-ßig hielt. Gerade ihr höheres poetisches Verdienstmachte, daß sie mir für meine Absichten untaug.lich schienen. Ich mußte die Götteriprache derDichter um einige Oktaven herunter stimmen, da-mit sie meinen kleinen Menschen desto verständli-cher würde. Ferner wird man bemerken, daßich mich immer enger an meine Originale anschloß?als meine Vorgänger. O hne Beleidigung iey. esgesagt! Meistens gefielen mir Lofontainens lau-mgte Naivetät, und treuherzige Schwazhaftigkeit;Richers einfaltsvoller Vortrag, und glüklicheDarstellungskraft , La Mottms scharfsinnigerWiz und Zierlichkeit, besser als die Verstümm-lungen, Zusäze, oder vorgegebenen Verschöne-rungen der deutschen Dichter, die so selten zumTone des Ganzen paßten, die mir oft, wie einLäppgen neuer Stoffauf einem alten Kleide zuglänzen schienen.
Em wesentlicher Fehler vieler unserer, undglich sogar guter deutscher Dichter ist, daß sie ih-rem Leser zu wenig Wiz und Einbildungskraft zu-kam