Vorrede.
Theorie verstosse — Mag seyn! — denn auch ichbin ein Deutscher, allem selten wird man finden,daß die Moral meiner Fabeln fich über sechs, oderhöchstens acht Zeilen ausdehnt — und hier kommtauf das mehr oder weniger sehr viel an — Ue-brigens werde ich mich wol hüten , meine Fabelnjemandem als Muster aufzudringen.
Uebcrbaupt gefallen mir unsere deutschenDichter bester in eignen Erfindungen, als in Ue-bersezungen und Nachahmungen — Dort erhebenfie sich auf ihren eignen Schwingen, und über-lassen sich ganz dem Genie, das ihnen Akuter Na-tur gab. Hier schleppt sie ein anderer bei den Haa-ren nach , bald müssen sie, um ihm zu folgen,rascher gehen als es ihnen ihre Schenkel erlauben,bald Soldatenmaßig nur die Füsse aufheben,und absczen, um ihm nicht vorzucilen. Diese ge-zwungene Lage drükt sie, sie fallen darauf, umauch ihre eignen Kräfte zu üben, ihr Originalverschönern zu wollen, und übertünken und ent-stellen es. Sie strengen sich an, um sich in dasGenie eines andern hinein zu denken, und entner-ven ihr eigenthümliches. Es bleibt ihnen nichtsmehr zu schaffen übrig, also legen sie sich aufsfeilen und glätten, und feilen und glätten so langebis sie das ursprüngliche Gepräge ihres Autors,
und