8o Drittes Buch,
Unter dem Beobachten bringt man die besondernWahrheiten in einen gewissen Zusammenhang. Wirfinden diesen Zusammenhang/ wenn wir ihre Ueber-einstimmung sehen ; wir sehen diese Uebereinstimmun-gen/ wenn wir uns von jeder einzelen Sache zuerstdasjenige vorstellen / wodurch ste erkennt und vonandern unterschieden wird. Nun muß man alle Be-ziehungen / die zu der Kenntniß dieser Uebereinstim-mungen nöthig sind / vergleichen können. Auch ver-gleicht der Geist / indem er sieht.
Die Empfindungen der Sinne wären beynahe un-nütz , wenn der Verstand dabey unwirksam blieb.Der Geist wäre reich an Bildern/ und leer von Be-griffen / unsere ganze Wissenschaft bestünde in derKenntniß einzeler Dinge, die nichts als sich selbst zumGrunde haben. Wir müssen bey dem Sehen immerwirksam seyn, nicht nur sorgfältig das einzele unter-scheiden , und dabey anmerken, warum wir es alsetwas einzeles betrachten, sondern auch jeden einzeslen Gegenstand , mit jedem andern einzelen Gegen-stände, der ihm ähnlich ist, vergleichen, und alle ih-re Aehnlichkeiten in der Geschwindigkeit bemerken kön-nen. Diese Aehnlichkeiten werden bemerket, wenn mansich nicht begnügt, alles wohl zu untersuchen, wasman empfindt, und also nur dummer Weise jedereinzelen Empfindung nachzuhangen, sondern vielmehrsich gewöhnet, auf einmal viele zu vergleichen, aufihre Ordnung und Verknüpfung sorgfältig zu mer-ken, und also das Mannigfaltige zu übersehen, dasZerworfene zu sammeln, das Unterschiedene zu son-dern , und das Abgesonderte so lange gegen einan-der zu halten, bis sich über ihre Aehnlichkeit oderUnähnlichkeit ein deutliches Urtheil fällen läßt. Aufdiesen Wegen allein entstehen die verschiedenen Sta-
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