erstes RapLter. 8z
botanischen Augen ansieht. Nichts.bestimmet denUnterschied zwischen dem unflätigen Auge ernes Neu-gierigen und dem starren Blicke eines prüfendenBeobachters - so sehr als die Aufmerksamkeit.
Sie wird durch die Vortheile vermehrt, die manim Beobachten findt. Dieser staunende Anblick derin währender Vorstellung unsere ganze Seele ein-nimmt, muß durch das unsichtbare Feuer einer ver-deckten Leidenschaft unterhalten seyn. Die unwider-stehliche Sehnsucht nach seiner Vervollkommnung,die Liebe zur Wahrheit und zum einzigen Guten, istdie beseelende Leidenschaft - durch die allein der Menschzu dieser Vervollkommnung gelanget. Wer diesenVortheil allein sucht , ist in seiner Aufmerksamkeituttgemein gestärket. Unverdrossen merkt er aufalles,was ihn umgiebt, er ist voll Gefühl für alles, waser seiner Aufmerksamkeit würdig glaubt, feurig inder Empfindung und in der Anordnung kalt; dieLiebe zur Wahrheit ist die einzige unpartheylsche Lei-denschaft. Wer das unselige Schicksal hat, untervielen schlechten Köpfen zu leben, gewöhnt sich zwaran die Empfindung des schlechten sowohl, daß eres allerorten sieht, wo es ist; aber eben diese Liebezur Wahrheit macht, daß er auch das Gute sieht,wo es niemand vermuthet. Die Weiber sehen sehrviele Dinge - die wir nicht sehen, weil sie einen weitgrösser« Vortheil haben, sie zu sehen ; seine Beobach-tungen sind darum nur insofern die Wissenschaft derWeiber, als ihnen unendlich an dem Herzen liegt,diese Beobachtungen besser zu machen als wir. Ichkenne Leute, die m ihrer Kunst alles sehr wohl sehen,und in allen übrigen menschlichen Dingen nichts; siefinden in der Erkenntniß von allem,-was ausser ih-rer Kunst ist, keinen Vortheil, und darum sehen sieausser derselben nichts. Ein guter Kopf sieht nur