4Z3 Ghisi.
Lehrer, und bemerkt, er habe den guten Anlaßversäumt, sich den Ruf eines Julius Pipi zu er-werben, da nämlich sein Freund Raphael ihn ein-lud, im Vatikan zu arbeiten, und er es ausschlug.Wie dem immer seyn mag, so wußte Ridolfo'sleichtes, lebhaftes und elegantes Genie die frü-hern Arbeiten von Sanzio, und kurz den perugini-schen Styl sehr glücklich nachzuahmen. So z. B.in seinen ersten Tafeln hey St. Jakob di Ripoliund bey St. Hieronymus zu Florenz; noch besserin zwey andern, von vielen kleinen Figuren, diesich in der Großherzoglichen Galerie befinden,und Geschichten des H. Zenobius vorstellen, derenKomposition, lebhaften Gesichtsausdrnck, und dieKunst, die Wahrheit durch das Ideal zu verschö-nern, so wie ihr auserlesenes Colorit, erwähnterSchriftsteller nicht genug rühmen kann. Daß ernicht noch größere Fortschritte gemacht, wird demUmstände zugeschrieben, daß er späterhin für dieKunst lauer geworden, sich der Handelschaft ge-wiedmet, und somit das Beyspiel von Naphaelsbessern Arbeiten nicht mehr habe befolgen können.
* Ghisi, (Adam), genannt Manruano,jüngerer Sohn von Joh. Baptist, Heb. zu Man-tua um 1550. Er arbeitete in der nämlichen Ma-nier, und, obwohl er jenen nicht erreichte, sozeichnete er doch richtig, und seine Blätter habenimmer viel Verdienst. Rost III. 15s—56. führt14. seiner vorzüglichsten Blätter, meist mythologi-schen Inhalts, theils nach Julius Romanus,theils ohne Namen des Malers an. Dann eineGeburt Christi, ebenfalls nach Pipi; eine MaterDolorosa, nach einem Basrelief des Michael An-gel», auf weissem Grund (der aber in aufgestoche-nen Abdrücken in eine Landschaft verwandelt ist);und endlich eine Vorstellung im Tempel, nachrFiclaus Marrmelli (ein uns unbekannter Name).Geruch dann kennt von ihm eine Folge von Figurenkach Buonarotis Kapelle im Vatikan gestochen,schmale Blatter in die Höhe, die er als ein vor-zügliches Werk von Adam angiebt. Gandellinis. V. Nantnsno hiernächst hat, als eigen, vonihm: Vier mythologische Blatter nach Raphael;eine allegorische Figur der Knechtschaft; eine Geis-selung Christi, nach Sebastian del Piombo, und22. Blatter zu einem Rosenkranz; der winkler-sche Katalog endlich ein sonst nirgends angeführ-tes Blatt: Aeneas und Anchises, ohne Namendes Malers. Seine Blatter, die er entweder mit8onltors, oder mit einem das nämlichedeutende Monogramm bezeichnete, sind von 1566-31datirt. Gandellini bemerkt, daß man von diesemund den übrigen Künstlern seines Geschlechts,neben den gestochenen, auch geätzte Blätter finde.
* — — (Diana), Joh. Baprists Tochter,geb. zu Mantua um 1536. Zeichnen^ und Steche»lernte sie wahrscheinlich von ihrem ältern BruderGeorg, da sie ganz in dessen Manier arbeitete.Ihre Blätter bezeichnete sie gewöhnlich mit dembloßen Namen: Diana. Für ihr Hauptblatt wirddas (vom Lex. uneigentlich Bacchanal genannte)große Götterfest (Hochzeit von Psyche und Amor)nach den Stucco's von Jul. Romano im PallastT- zu Mantua, auf drey Platten gestochen, ge-halten. Ein Dutzend von ihren übrigen beßtenBlättern, nach Campi, Clovio, Correggio, Par-megianino, Primaticcio, Raphael und Salviati,führen Rost VI. 156-53. dann Gandellini undder Winklersche Katalog (letztrer, nach Gewohn-heit- unter ihrem Namen bloß die ohne Namendes Malers und Zeichners) an. Diese Künstlerinlebte noch 1580.
* — — (Georg), Maler, Zeichner und Kup-ferstecher, Joh. Baptist'« älterer Sohn, geb. zuMantua 1524. arbeitete zu Rom bis gegen Endedes XVI Jahrhunderts. Die Anfangsgründrseiner Kunst lernte er im väterlichen Hause. Ermachte schnelle Fortschritte, ahmte nicht sclavischdie Manier seines Vaters nach, und suchte an-genehmere Wirkungen in seine Blätter zu bringen.
Ghislandi.
Die Aussentheile der Figuren wußte er sehr g.,tvorzutragen; die Gliederfugen drückte er mit vielerGenauigkeit aus, und seine Kniee sind vorzüglichschön. Man sollte glauben, er habe immer nachEinem Modell, Mich. Angelo's, studier, nachdem er in der That auch am meisten gearbeitet hat.Daher wohl sind seine Umrisse bisweilen hart undübertrieben, und die Muskeln schwellen zu gewalt-sam auf; daher denn auch die Lichter nicht seltengetheilt und die Massen in Verwirrung, wodurchdie gehörige Abrundung der Gegenstände verlorengeht. Diese Fehler bemerkt man am meisten inseinem, übrigens mit Recht so berühmten Blattedes jüngsten Gerichts auf n. Blättern; da siehtman alle Extremitäten , und vorzüglich die Füße,in jener verkünsteltcn Manier; eben so die Bauch-und Rückenmuskeln schwerfällig und unedel. JeneGebrechen sind indessen nicht vorherrschend in allenWerken dieses treflichen Künstlers , und werdendurch fein sonst so viel Gutes merklich gemildert.Seine Blätter stehen daher bey ächten Kennern iggroßer Achtung, und'sind, zumal die seltenen bes-sern Drücke, sehr gesucht. Waeeler indessen, welcherihn im GanzenMarcAnton vorzuziehen scheint, kön-nen wir nicht beypflichten. Rost lll. 152—54. führt54 - der Vorzüglichsten von ihm nach BrittannoMantuano, (Joh. Bapt. Ghisi), Bronzino, Buornaroki, Lheod. Chigi, Lamb. Lombard, Luc. Penni,Jul Pipi, Polydor, Raph da Reggio, Sanzio,Barth. Sprauger, und Perin del Vaga an; welcheLitteratur dann durch diejenige des genauen Gan,dellini s. v. ILamttEvj und den Gantkatalogvon winkler zu vervollständigen ist. Letztrer setztGeorgs Dlüthezeit in 1546. Seine uns bekann-ten dattrten Arbeiten sind von 1548 —? 6 . und baldmit dem bloßen 6 . bald mit 6 . Ist. andremal abermit Monogrammen bezeichnet, die bey erwähntenSchriftstellern zu finden sind.
* Ghisi, (Johann Baptist). DieserMaler-Bildhauer, Architekt und Kupferstecher, geb. zuMantua um 1500. und das Oberhaupt einer Künstslerfamilie, welche alle den Namen Manruanoannahmen, soll (was wenigstens vom Lex. nichthinlänglich widerlegt wird) auch Brirranno undBriziano heißen, und der nämliche seyn, nach wel-chem sein Sohn Georg das Urtheil des Paris ge-stochen hat, auf welchem der Name lok. Lspr.öritano, lstantuanns steht. Dies sagt Rost III»143.'und (so unzuverlaßig ist Alles) gleich hernach(i 55 ) führt er von Georg dieses und noch vierandre Blatter nach I B-Berrano, einem ganz an-dern , wohl bekannten Künstler an, in welchemFall dann hinwieder das Lex. vollkommen Rechthat. Eben so seltsam verhalt es sich mit einemandern Blatte, dem Brand von Troja, welchesRost (l. c. 150.) Johann Baprist's Hauptblattnennt, mittlerweile-es aus derselben Onelle (dessei Michael Hubers) im winklerschen Katalog,als von Georg Mantuano , nach Joh. Bapti'st'sErfindung gestochen erscheint. Andre Stiche dann,welche zuveclaßig die seinigen, theils nach Jul.Romanus u. a. theils nach eigener Zeichnung sind,finden sich bey Rost I. c. ausführlicher bey Gan-dellini, und einige der letzter» sehr genau beyWinkler verzeichnet und gewürdigt; worunterhauptsächlich die große Seeschlacht, nach Art derAlten, eine ungeheure Komposition (22" breit und15" hoch) mit 6 . VkkmrtnLMW 8 oulptor 1538-bezeichnet, zu bemerken ist. Andremal findet manauf seinen Blättern 6 . N. auf einem Lästigen;noch andremal, Gandellini zufolge, ). II. L. Erscheint bis 1550. gearbeitet zu haben.
Ghislandi, (Dominicus), Maler von Ber-gamo , Vater des im Löx. enthaltenen Victor G.arbeitete um 1662. und soll, Tasfi zufolge, einguter Freskomaler gewesen seyn. La»«/I. 194.
----- (Victor). Lanzi II. 215. zufolge st»er »744. 83 - Jahre alt. Auch dieser Schriftstellersagt von ihm, ungefähr wie das Lex. »GroßeJnventioncn kennt man eben keine von ihm; aber