Tischbein.
teil *). Hier arbeitete er in friedlicher Rübe nochmehrere schöne Gemälde und vortreffliche Zeichnunggen aus. Unter jene gehört (i 8 o 5 .) ein Ajax, derdie Cassandra von der Statue der Pallas wegreißt,in drey Figuren übermenschlicher Größe, für die Gal-lone des Herzogs von Oldenburg zu Eutin**). Einekleine, auserlesene Sammlung alter (?) Gemäldehatte er um diesclbeZeit an den gedachten Fürsten um/,0,000 Mark Lüb. abgetreten. AIS er in 1806. vonder St.AngarüKirche zu Bremen den Auftrag erhielt,auf einer Altartaftl für sie das: Lasset die Kinder zumir kommen! darzustellen, riefer freudig aus: „Rechtschön will ich's malen, auf daß die Bremer mit vol-len Freuden in die Kirche gehn"! Eine Beurtheilungdieses Bildes in der A. L- Z.1810. NN 3 g. nenntdasselbe: »Eine Welt voll Schönheit, Andacht,Mutterliebe und kindlicher Unschuld, die manStunden lang betrachten muß, um jeden einzel-nen Zug des Genies seines Schöpfers aus ihinherauszufühlen. Ueber allen Ausdruck bezauberndist besonders auch, das, ungeachtet der großenMannigfaltigkeit der Gegenstände, kunstvollenPerspektiven und Verkürzungen, durchaus hellgehaltene Perspektiv desselben". Eine andere aus-führliche Beschreibung desselben findet sich in demseiner Zeit bey Perthes in Hamburg erschienenenvaterländischen Museum***), und ein (mitwackerbarrh unterzeichnetes) unbeschranktes Lobdavon noch weit früher in dem Intell. Bl. derJen. A. L- Z. von 1807. N°. 76., worinn es,neben Anderm, von der Figur des Christus (nachneuester Art und Kunst — abscheulich) heißt:» Seine himmlischönen blauen Augen durchbohrendie Herzen, und müßen die Treue jedes Weibeswanken machen ****)". Wieder für den H. Herzogvon Oldenburg vollendete er 1810. Hektors Ab-schied von Andromache. Auch von diesem Bilde,so wie von seinem Raube der Cassandra lesenwir die Beschreibungen in der Hallischen A-L- Z.(!. c.) und dem vaterl. Museum. Neuere Vild-niße vou ihm, wie z,B. Klopstocks und Heyne's,dann des General Blücher's , führt Mensel III.44 /. an. Auch das das Tübing. Morgenbl.1807. S- 5 g 5 . spricht von denselben; aber"(Hey-
Tisch beirr. 190z
ne's ausgenommen) eben nicht mit Ruhm; Klop-stock's seines sey flach und nichtssagend, Blücher's»mit seinem seitwärts aus den Augenwinkeln un-ter buschigtem , braunem, blitzausschleuderndemBlick", sehe dem Herzoge von Alba gleich, wassich doch in der Natur nicht finde, u. s. f. Vor-theilhafrer wird in ermeldtem Blatte 1808. S. 292.einiger seiner, in Stunden der Muße, bloß zucLust gefertigten Arbeiten, von Italiänischen Volks-szenen erwähnt; dann (heißt es hier) von EinemMädchen, das eine wilde Gazelle mit Nosenfutterzähmt, und von Anakreon, dem Amor, als Din-tenhändler, das Fäßgen füllt, gesprochen. Da-mals hieß es, T- gehe, als Professor undHofmaler an Böttners Stelle, nach Dresden ,was aber nicht erfolgte, da er (wie wir schonvernommen) lieber den Ruf zu dem vortrefli-chen Fürsten von Oldenburg annahm. Aus frü-hern Lagen dann nennt von ihm ebenfalls Men-sel 's. 1789. Kopie von einer H. Familie vonRaphael; Christus mit der Dornenkrone nachGuercino; Herkules zwischen der Tugend und derWollust, ein Original; eine kleine historische Land-schaft; viele Zeichnungen nach Raphael, Dome-nichino und da Vinci. Dann heißt Gerning,neben einem Hektor der dem Paris seine Weich-lichkeit vorwirft (ein 12^ hohes und i/ss breitesBild von neun Figuren, welches ihn 1799. zuNeapel vor der Kriegswuth schützte, und als-dann mit ihm nach Deutschland ging)^), alssein berühmtestes seine Jphigenia, welche den vonFurien verfolgten Orcst tröstet, nach Goelhe'sTrauerspiel, welches derselbe seiner Zeit inRom bey Tischbein ausführte, wodurch dennauch der Künstler zu seiner Arbeit verleitetward-sch)". Als ein anderes seiner Lieblingsbilderwird auch hier sein Conradin von Schwaben ge-nannt. Aus der Schrift: winkelinann u. s.Jahrh. S. 007. erfahren wir, daß dieses letztrsBild, in Halbfiguren von natürlicher Größe, zuRom im Herbst 180 j. vollendet wurde, und wirddort darüber gcurtheilt, wie folgt: »Der Künst-ler war ein Paar Jahre vorher in der Schweißgewesen, wo er mit Bodmcc und Lavaker Um-
'^) Im N. Deutsche» Merkur 1800. IX. 61-76. findet ficb ein äusserst lesenswertber Aufsatz von H. ZZöt-trger über Tischbeins letzte Tage in Neapel, seine Rückreise nach Deutschland, seine manigjältigen Arbei-ten, so wie überhaupt seinen ausgezeichneten Werth als Mensch nnd als Künstler.
«!') Irgendwo heißt es um > 8 io. „daß er unter dem besondern Schutze (?) dieses Kunst, liebenden Fürsten lebe".(In 1808, wenigstens lebte er wirklich zu Cutin, und, wie wir so eben hören, noch zu Ende von -8-5. nndwar daselbst, aus Auftrag der Stadt Hamburg, mit einem sehr großen Bilde beschäftigt, woran er wob!sehr lange noch zu arbeiten haben dürfte; welches den Einzug des Rußischen Generals Bcnigftn zu gedach-tem Hamburg darstellen soll.
n!-u-) Dann allerley dasselbe Betreffendes, im Tübing. Morgenbl. , 8 >o. S. 58«. wie z. B. der Künstler seydurch den aufgegebenen Raum sehr beschränkt worden, um einen Gegenstand von solchem Umfange ganzglücklich darzustellen. Daher erscheinen die vielen Figuren desselben zu gedrängt und gehäuft. Sehr glück-lich gedacht und vollendet sey übrigens die Darstellung selbst; und beredt der Ausdruck der verschiedenenFiguren und ihr Charakter. Dann aber besonders: „Zu den idealinrten Köpfen und Korperformen mehre-rer Weiber, und zumal der Kinder, hatte sich Tischbein verschiedene schöne Frauen nnd Kinder in Ham-burg zu Modellen gestellt, und zu den Aposteln schwebten ihm manche Raxhaelische Erinnerungen vor, oderihm dienten hiezu plastische Köpfe griechischer Philosophen und Dichter. „So nahm er »(lustig genug!)" einendieser Köpfe nach der trefflichen Büste — Anakreons, in Dr. Meyers Sammlung". Dann wieder: »Indem Ausdrucke des sonst schönen Christnskopfes, der nur der des unwilligen Ernstes gegen die, die Kinderzurückweisende» Jünger ist, hätte man mehr gewünscht, den der innigen Milde für die Unschuldigen, denener das Reich der Himmel verspricht, gemischt (?) zu erblicken", u. s. f. Hierauf Preiß des Ausdruckseiner der Mutter, die sich nicht von den Aposteln abhalten ließ, und des Kontrastes eines resignirten Mäd-chens, und hinwieder eines kühnen Knaben. Und endlich: »Gerade durch den vorhin bemerkten engen Raum,wofür T. dieses Bild malen mußte, ist er bestimmt worden, diesen seinen Lieblingsgegenstand noch einmalin einem grvßern Gemälde zu behandeln, das in Cutin unter seinen Händen nnd für den Herzog bestimmtist. Außerdem bearbeitet er noch immer aus der Fülle seiner reichen Phantasie anakreonttsche Ideen, alle-gorische Darstellungen u. s. w. in Wasserfarbe. Bon den letzter» r. B. zwey köstliche Entwürfe: Die Kraftdes Mannes, m der Herrschaft über die Thiere, und die Zartheit des Weibes, durch zwey Mädchen ver-sinnlicht, die ein Reh (0 Jemineh!) mir Rose» füttern.
Auch in der Zeit. f. d. Elegante tvelt 1808. Nro. 8Z. wurde dieß Lob nach verdienen gerüget. Men-sel Avch. II- (4.) i 58 . u. ff. giebt den wackerbarchschen Aufsatz, mit der Milderung: »Durchbohrendie Herzen, und verfehle» selbst auf das kälteste Gemüth ihre» Eindruck nickt". Anderwerts (Tübing.Morgenbl. 1809. S. 270.) liest man, leider! daß der Künstler mit dem Wackerbarthschen Panegyrikussehr zufrieden war.
In dK Allg. Runstz. 8. (180Z.) S> 2Z7. heißt es davon: »Dieses ganz IN reinem homerischen Charakterausgeführte Gemald wird nach Rußland verlangt; aber die jungen Künstler wollen dagegen mit Bittschriftenemkommen, damit es der Akademie einverleibt werde". Einer spärhern (l. c. beygefügten) Bemerkung zu-folge, blieb es zwar zu Caffel, aber als eine Zierde seiner (eigenen) Kunstsachen.
's?) Wo dieses Bild hingekommen, ist uns bisher unbekannt.