1996 Vanloo.
„alcharakters dann und sein« Rechtschaffenheitzogen ihm nach seinem Hinscheiden, eben so vielBedauern als seine Talente zu" *).
Schon etwas lauer heißt es bey Lands»(Annal. II. 22.): »Vanloo's Bilder empfehlensich durch die Blüthe und Milde (suavite) seinesColorits, und durch die Freyheit seiner Tocci-rung. Wenn dann der. Styl seiner Cvmpositionund seiner Zeichnung überhaupt zu wenig ernstscheinen, so muß man darüber weniger den be-sondern Geschmack des Künstlers, der sich vonNatur aufs Edle und Graziöse lenkte, als dendamals allgemein herrschenden Geschmack unsererSchule beschuldigen. Denn, was hätte mannicht von einem so arbeitsamen, und mit so vielLeichtigkeit in der Ausführung begabten Manne,wie Carl vanloo war, zu erwarten gehabt,wenn er ein halbes Jahrhundert spater in dieLaufbahn der Künste getreten wäre" **).
Noch strenger lesen wir, aus leicht zu begrei-fenden Gründen, bey einem Lobredner der neue-sten Französischen Schule, Gaulr de Sr. Ger-main***): »Es geht den Gemälden, wie denTheaterstücken; es erscheinen so viele; aber nurwenige bleiben auf der Bühne. Selbst die,welche die allgemeinste Bewunderung erhaltenhatten, werden mit der Zeit vergessen. Dies wardas Schicksal Carl vanloo's, der im XVIII.Jahrhunderte ganz Frankreich mit feinem Ruferfüllte. Seine Werke waren ein Bild des Ver-falls der Italienischen Schulen. Mehr überlegtals gefühlt, fehlt ihnen am Technischen nicht dasGeringste; man bemerkt sogar darin große Ef-fekte, die bisweilen gut gedacht, und immergründlich ausgeführt sind; aber vergebens wünschtman sich mit seinen Personen zu unterhalten —siehaben weder Charakter noch Sprache (Ausdruck).Die freye und leichte Praktik dieses Meisters, dersich in Allem von der Einfalt des allgemeinenSchönen entfernte, auf welchem doch das Wesender ächten Kunst beruht, gewann einen solchenEinfluß auf die Französische Schule, daß diesePraktik späterhin ganz systematisch und conven-tionel wurde! Kurz, die Malerey gerieth unterseinen Auspizien in einen solchen Zustand, daßFrankreich sich genöthigt sah, ihn für seinen erstenMaler zu erklären; seinem Ruhm ward ein Gerüst
Vanloo.
auf die Ruinen des guten Geschmackes gebaut,und seiner Fehler ungeachtet, welche man miteben so viel Recht -j-) seinem Jahrhundert, alsihm, beymessen kann, lassen seine Talente sichnicht verkennen. Die eigentlich auszeichnendeCharakteristik seiner Kunst war demnach folgende:Schwache Erfindung, keine Gelehrsamkeit, matterAusdruck, Unübereinstimmung in der Verspendungseiner Gruppen sowohl als im Ganzen, weich-liche charakterlose Zeichnung, breit gefaltete aberschlecht stylisirte Drapperie, dem Auge schmei-chelndes Colorit, ein vertriebener markigter Pin-sel, wenig Nachahmung (?), plumpe und lang-weilige (kastläieuse) Ausführung". So ziehtgedachter Kunstrichter freylich den Unsrigen fastarger als nackt aus.
Wie dem nun allem (wir fürchten, dasAergsteam Gründlichsten) immer seyn mag, so wird ge-wöhnlich für vanloo's Beßtes gezählt.
1. Sein schon erwähntes Aufnahmsbild in derAkademie (17Z5.) Apollo und Marsias ^).
s. Die Geschichte St. Augustins, im Chöreder Kirche aux petits Peres (1748—53.)
3 . Die Geschichte der H. Jungfrau in der Ka-pelle derselben zu St. Sulpice (1746.) *)-
4. Noch nennt Fiorillo im Allgemeinen, waser zuBellevüe, in den Zimmern zu Versailles**),und in der sogenannten Galerie des petits Apar-tements ***) gemalt.
5 . Diderot, was wir schon vernommen, wo-von auch Gaule de Sr. Germain die siebenSkizzen aus dem Leben St. Gregors^) nennt,welche vanloo (1764.) für eine Kapelle in derJnvaliden-Kirche entworfen, die aber wie es scheintniemals ausgeführt wurden, und in der Hand sei-nes Neffen Ludwigs geblieben sind -j"j>).
6. Landon vörderst noch im Allgemeinen, was
er auf dem Rathhause zu Paris in der
Kirche St. Mederic*), und inderKapelle zu GrandCommun zu Choisy **) gemalt. Dann^aber im Be-sondern :
7. Ein ganz kleines, nicht über 2^ hohes, aberfür Frische der Farben und Feinheit der Ausfüh-
2) Landon (Annal. ll. - 2 .) sagt: »Auch seine interessante Figur, sein anfgewekter Humor, und seine Na-türlichkeit"; und setzt dann hinzu: »Mit seinen Schülern lebte er, wie mit seinen Kindern, und mit die-sen wie mit Freunden."
ns) Noch erzählt Landon (l- c. VII. 115.) Als der Marquis von Martigny unsern Künstler eines Tags demKönige vorstellte, und der gegenwärtige Dauphin, der den Marquis um die Veranlaßung befragte, vondiesem zur Antwort erhielt: »Um Sr. M>ij. zu danken, daß Sie ihn zu ihrem Ersten Maler ernannte, soversetzte der einsichtige, und im Loben eher karge Prinz: »Das ist Herr Vanloo schon lange."
ÄNK) trois sieclsZ äs la kelliturs en Vrance, p. 2Z4- et Slllv.
's) Die oben angeführten ältern Kunstrichter sagten noch: » Mit mehr Recht."
44) Fiorillo. Watetet.
444) Seine Taufe, seine Predigt, seine Einweihung, sein Disput mit den Donatisten, sein Tod, die Einbrin-gung seiner Reliquien. Fiorillo. watetet. Landon. Ueber das erste dieser Bilder (St. AugustinsTaufe) führt einer unserer Freunde, von Lart Andreas den rühmlichen Zug an, daß er solches (unent-geldlich) zum zweytem»«! fertigte, als Kenner das allzu moderne Costum an demselben begründet tadelten.
-9 Ihre Geburt, die Verkündigung, die Heimsuchung, die Darstellung im Tempel. Fiorillo. Landon.Auch Gautt de St. Germain nennt solche für das Colorit als sein Beßres.
»v) Die Bildnisse des Königes und der Königin, in ganzer Statur (-747. und - 75 -.)
«»») Die Bären- und die Straußenjagd (- 736 .
4) Er theilt sein Gut den Armen aus; auf seine Fürbitte weicht die Pest; ein anderes Wunderwerk; erwirbzum Papst erwählt, und verbirgt sich in einer Höhle; er erhält die Anbetung der Kardinäle und übrigenGeistlichkeit; er diktirt seinem Geheimschreiber Homelien; seine Apotheose.
44) Gegenwärtig sollen sie sich in Rußland befinden.
444) Die Friedens-Publikation von - 739 . (-74»-)
6) Wahrscheinlich dasselbe was bey Gautt de St. Germain zu St. Merry heißt; nämlich einen St. Borro-mau« (-75z.).
«») Eine St. Clotilde, Königinn von Frankreich (-733.)