Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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SO76 Veneziano.

Palma Vecchio, bald von Tizian, bald vott Gior-gione gemacht, obgleich er es vielleicht von kei-nem derselben war. Wohl dienten die Färbungdes Giorgione, die Zartheit des Palma, und vor-züglich das Natürliche und Großartige des Tizianihm zu Vorbildern; aber er folgte ihnen nicht sklavischnach, sondern machte bloß, an der gehörigen Stellevon Allen Gebrauch, auf eine originelle Weise,die voll Grazie, Gewandtheit und Verstand war.Ein schönes Werk von ihm sieht man in derSchneider-Gilde (8cuola äs' 8artori) bey denJesuiten zu Venedig, welches die Madonna mitden HH. Johannes, Homobonus und Barbaradarstellt, und mit i 535 datirt ist. Auf der Inselder Carthause dann ist von ihm ein schönes Abend-mahl, und ein anderes solches in Maria mag-giore, und endlich Verschiedenes in den Gerichts-häusern auf dem Rialto ersichtlich." Florillo l.c. Auch Lanzi I. c. kann des Lobes dieses sonstwenig bekannten Künstlers nicht satt werden, vonwelchem ZZoschl'ni nicht ohne Grund sagte: Erfolge Tizian, wie der Schatten dem Körper nach;und zu Venedig frage man noch heut zu Tage,bey Betcachcuug mehr als eines Bildes nach: Istes von Tizian oder von Bomfazlo? Am näch-sten aber kam er jenem bey, in dem oberwähntenAbendmahl in der Carthause. »Oefterer aber"(fährt dann Lanzi fort) „erkennt man in ihm einfreyes, schöpferisches Genie, das man zu seinerZeit mit Tizian und Palma die drey ersten Vene-zianischen Kunstlichter nannte. In den Staatsge-bäuden zu Venedig findet man Vieles von ihm;in dem Herzoglichen Pallaste zumal eine Vertrei-bung der Käufer aus dem Tempel, ein Bild, dasdurch die große Menge der Figuren, Geist, Co-lorit und prächtige Perspektive schon allein hinrei-chen würde, seinen Urheber unsterblich zu machen.So bemerke man z. B. das Göttliche in dem Ant-litze des Erlösers, der, ohne irgend JemandesBeystand, mit einer Geißel einen solchen HaufenVolks in Bestürzung setzt; und jenen Krämer,der von dem mit Gold und Silber überdecktenTisch das Seinige angsthaft zusammenrafft, undsich zur Flucht wendet, um den Schlagen zu ent-gegen; und den Schreck der Zuschauer von bey-den Geschlechtern und allen Altern, bey diesemmerkwürdigen Auftritte. Erst vor wenig Jahrenwurde, durch das Haus Contarini, dem Staatvon diesem Stück ein Geschenk gemacht; daherZanetkl dessen noch keine Erwähnung thut. Eben-falls macchinos und zahlreich an Figuren warenseine Triumphe nach Petrarca, die nach Englandgingen. Auch kleine Sraffeleybilder sah man vonihm; doch selten. So besitzt z. B. der Fürst Rez-zonico zu Rom eine H. Familie. Die Scene istin Josephs Werkstätte; mittlerweile derselbe schlaft,und Madonna ihre Hausgeschäfte verrichtet, stehtein Trupp Engelchen um das Christkind, spieltmit dem Zimmermanns-Werkzeug, und eines vonihnen bildet zwey Balken zu einem Kreutze; einEinfall, den späterhin Albano mehrmals nach-geahmt *).

* venezlano oder venetus (B. F ). Sowird bisweilen Baptlfta Francs im Lex. sowohl,als in gegenwärtigen Supplementen genannt.

*— — — — (Dominicus). Don einem ge-wissen Antonello da Messina, welcher eigens nachHolland gegangen war, um sich in der damalsdort neu erfundenen Oelmalerey zu unterrichten,hatte der Unsrige das Geheimniß erfahren, undes sodann auch seinem Schüler Andreas Castagnomitgetheilt, der ihn nachwarts aus Neid ermor-dete. Domlnicus nämlich, nachdem er zuerst

V eneziano.

Vieles in Venedig gearbeitet halte, begab sich spä-terhin in andre Theile Italiens. In i-j 58 befander sich zu Loretto, wo er schon mehrere Jahre mitPeter Francesca gearbeitet hatte, und mittlerweileauch in dem übrigen Kirchenstaat erschien. In 1474wird seiner zu Perugia mit besondern Ehren ge-dacht. Endlich kam er nach nach Florenz, wo ersich besonders großen Ruhm erwarb. Wirklichzählte man ihn zu den ersten Künstlern unter sei-nen Zeitgenossen, wegen der Lebhaftigkeit seinerDarstellungen, der richtigen Zeichnung und schö-nen Perspektive, da er namentlich auch die Kunstzu verkürzen namhaft soll vervollkommnet haben.Sein Beßres ist zu Grund gegangen; doch kenntman noch von ihm eine Tafel in St. Lucia daMagnuoli und einiges Anderes **), das mit vielemvielem Fleiß ausgeführt ist, so wie auch im Mün-ster degli Angeii ein Crucifix zwischen mehrern Hei-ligen, auf eine Wand ***) gemalt. Sein Mörderkonnte seine Missethat, die er, noch abscheulicher,auf ganz Unschuldige zu schieben gewußt, bis aufsein Todbett verhehlen. Lä. ter?. I. 65 .

*venezlano od. venerrrs (Domr'n.), derStempelschneider. In der Schrift: Sammlungberühmter Medailleurs S. 66, wird er »einberühmter Maler zu Venedig" genannt, »der sichaber auch auf das Poußiren und Medaillen-Gie-ßen verstanden." Zur Citation im Lexik, ist z«Böhler l. S. 169 noch: und S. 176 zu setzen.

— — — — (Jacob), ein Architekt, demsein Sohn i 534 zu Padua ein Epitaphium setzte.Zufolge seiner Grabschrift aber machte er sich auchsowohl durch ein künstliches Planetenwerk, alsdurch eine Maschine zum Ausschöpfen des Wassersum fein Vaterland verdient. Ha/omonE: (Ir-bis katavillL inscripticmes p. Zi/.

— — oder da venezla (Jacob und Jo-hann) zwey Söhne des nachfolgenden Paul, de-ren das Lexikon keine Erwähnung thut, s. unter;den Art. des Vaters.

— — — — (Jacometto) ein Maler der al-ten Venezianischen Schule, welcher nicht mit deman seinem Ort, s. v. Flore, erschienenen Jaco-bello del Flore zu verwechseln ist. Der Unsrigeblühete ein halbes Jahrhundert später, um 1472.Morelll in seiner blotisia ä'opers äi äisegnonells prima meta äel secolo XVI. eslstenti in?aäova etc. 8. Lassano 80a. gedenkt seiner zumöfter«, und führt von ihm Staffeleybilder (gua-äretti äi 8tanria) Bildnisse und Miniaturen, mitder Bemerkung an: Man zweifle bisweilen, obeines dieser Bilder dem Johann von Brügges(van Eyck), dem Antonello von Messina, oderdiesem Jacometto zuzuschreiben sey. I-anLr Lä.ter2. III. 2v. blot. a.

— (Johann). Von diesem weißauch der alles Kunstalterthums sonst so kundigeLanzi (Lä. ter2.) III. 6. (gleich dem Lex. nach*Zanettl) nichts als den Namen und das Jahr1227 anzuführen.

* — — — — (Loren;). Auch das HausErcolani zu Bologna besitzt von ihm ein Ge-mälde , das mit: mann Lar-renkn steüH 1Z68 bezeichnet ist. Redendem hält Lanzi(Lä. ters.) III. I2. ihn für denjenigen Frescan-ten, der in der Kirche von Mezzaratta bey Bo-logna in 1870 den Daniel in der Löwengrube ge-malt, und sich p. unterschrieben habe.

Noch an einer andern Stelle (I. c. V. 12.) wird

er denn doch den Memmi, Laurati und Gaddi,

n) Und ftüherhm schon Albert Dürer hatte, ausgenommen, daß der deutsche Joseph nicht schläft, simdern— zimmert.

oei grsäo, was wir nicht verstehen.

»K) D. h. wohl in Fresko.