Verriet. Verriet. 20g?
mancherley Völkerstimmung dargestellt findet: Der ein Anderer das Gestad zu erreichen/ das ihn zer-Franzose in Norden ist nicht einer in Süden; und schmettern wird. Eben diese Mannigfaltigkeit vonein Matrose aus Bretagne benimmt sich anders als Characktern, Handlung und Ausdrucke herrschteiner aus der Provence. Der Himmel ist eben so bey den Zuschauern; die Einen, voll Angst undwenig einerley, und selbst die Wogen des Mittel- Schrecken, wenden das Gesicht ab; Andre eilenmeers brechen sich anders als die des Südens*)", zu Hülfe; die Dritten schauen unbeweglich zu.Alle diese Bilder wurden an Ort und Stelle ent- Etliche haben ein Feuer unter einem Felsen ange-worfen, und in diesen Entwürfen, mit gewissen zündet, wo sie eine in Ohnmacht gesunkene Frau-ihm eigenen Zeichen, auch Ton und Farbe bedeu- ensperson wieder ins Leben zu bringen suchen, undtet, welche jeder Gegenstand zur Zeit der Darsiel- — ich hoffe, es wird ihnen gelingen! Wendenlung hatte, so daß er alsdann zu Paris, oder wo wir unser Aug' auf ein anderes dieser Bilder, under immer an die Ausarbeitung ging, auf seiner wir erblicken die Meeresstille mit allen ihren ReisPalette die Uebersetzung jener Hieroglyphen leicht zen; ruhiges, ebenes, lachendes Wasser dehnt sichwiederfand. Daher die unnachahmliche Wahrheit aus, verliert sich unvermerkt in seiner Dnrchsich-seiner Bilder. Auch erzählt man sich: Daß, als tigkeit, und erhellt sich eben so unvermerkt aufsein Seehafen von Marseille dort anlangte, und seiner Oberfläche, vom Gestad' an, bis wo derunter den zugedrungenen Neugierigen sich auch ein Horizont an den Himmel stößt. Die Schiffe stehnMatrose befand, derselbe, beym Weggehen sein unbeweglich. Matrosen und Reisende überlassenUrtheil mit dem naiven Wort ausdrückte: »Es sich jeder Belustigung, die ihre Ungeduld, anlohnte sich wohl der Mühe hieher zu laufen; konnt' ihrem Bestimmungsort anzulangen, täuschen kann.ich doch nur im Hafen bleiben; dort sieht man Ist es ein Morgen, so erheben sich leichte Dünste,völlig dasselbe **). Zwey Marinen mit Nebel, welche die Vegetation erfrischen und beleben; ist'Sebenfalls im Französischen Museum, sollen diese ein Abend, wie vergolden sich da die Gipfel derNaturerscheinung sehr gut darstellen, und doch Berge! Wie rothen sich die Himmel mannigfaltig,nicht einmal die gelungensten dieser Gattung seyn. wie wandeln die Wolken, und lassen auf demDann werden, neben seinen Seestücken, noch andre Wasser ihre Gestalten und Farben Widerscheinen!seiner Bilder gepriesen. So z. B. seine Baden- Gehen Sie auf's Land hinaus, und beobachtenden, dieß namentlich auch wegen dem schönen, irgend eine Naturerscheinung des Augenblicks,und doch so anständig dargestellten Nackten***); und Sie werden schwören, man habe ein Stückdann ein Waldwasser, das sich in einer steilen der vor ihnen liegenden Landschaf, abgeschnitten,Felsgegend durchdrängt. Jtzt wieder Anderes und es auf verners Staffelei übergetragen;minder Gelobtes, wo die Laune oder der unachte oder machen Sie aus Ihrer hohlen Hand einenGeschmack der Besteller den Künstler irre machen Tubus, und sehen dadurch ein Stück der Land-mächte, der denndoch das poetische seines Pinsels schaft an, so werden Sie wieder schwören, manin Stürmen, Schiffbrüchen u. d. gl. vornämlich, habe ein Bild von vernet ab der Staffelei gr-ünd dort wahrhaft, dramatisch entwickeln konnte, nommen, und hinauf an den Himmel getragen.In dieser Gattung steht man bald ein Schiff, das Seine Nächte dann sind so rührend, als seinean einem einzeln stehenden Felsen scheitert (wahr- Tage schön sind. Gleich bewundernswürdig wennscheinlich in der Seegegend bey Frejus); bald den er sich sclavlsch treu an die Natur hält, wie wennbloßen Anfang, ein andermal das End eines sein Pinsel fesselos sich selbst überläßt; unberSturmes, wo einer auf den Knieen Gott für die greiflich, wenn er sich der Sonne oder des Monds,Rettung dankt; meist Alles mit unnachahmlicher des natürlichen oder des künstlichen Lichts bedient,Wahrheit, nur selten etwas übertrieben". Der Sa- seine Bilder zu beleuchten; immer harmonisch,Ion von 176h. war besonders reich an verner'schen kräftig, und doch nüchtern, jenen großen seltenenBildern. Man höre nun, wie Diderot (der Dichtern ähnlich, deren poetische Ader mit ihrernoch dazu kein besonderer Freund des Künstlers Urtheilskraft im Gleichgewichte steht, so daß siewar, und sich wohl von abstrackten Ideen und nie weder übertrieben noch kalt sind. Was Staf-Meinungen, aber selten so von materiellen Dingen firung heißt: Bauten , Kleidung, Handlung,enthusiasmieren ließ) gegen Grimm über jene Menschen, Thiere, Alles ist bey ihm wahr. ManBilder sich vernehmen laßt:»Zwanzig Gemälde von möchte sagen, daß er zuerst die Landschaft er-vernet, oder gar fünf und zwanzig — und welche schafft, und dann Männer, Weiber, Kinder imGemälde! Ein Schöpfer für Schnelligkeit, für die Hinterhalt hat, womit er jene, wie eine ColonieNatur, selbst für die Wahrheit. Diezwey Jahre, bevölkert, und ihnen, gleich Lueians Jupiter,welche er mit allen diesen Bildern zubrachte, hätte Witterung, Glück und Unglück zusendet, wie esein Anderer auf ein einziges derselben verwenden ihm gefällt. Dieß heißt Jupiter: Die Welt re-müssen. Was für unglaubliche Lichteffecte, welch gieren, und hat Unrecht; Verner aber nennt es:schöne Himmel, welche Wasser, welche Ordonnaz, Malen, und hat RechtNun folgt über diewas für wunderbare Abwechslung der Scene! Mondscheine unsers Künstlers allerlei Lesenswer-Hier trägt ein Vater sein dpm Schiffbruch entron- khes, hauptsächlich darüber, wie weit schwererneues Kind auf der Achsel; dort liegt eine Frau todt es bey denselben (wo man das erleuchtende Gestirnam Gestad, neben ihr der untröstliche Mann. Das selber sieht) sey, Licht und Schatten gehörig ab-Meer braust, die Winde heulen, der Donner zustuffen, als bey den Gegenständen die von derschallt, ein Hlasser Blitzesschimmer bricht durch Sonne beleuchtet sind. Das Französische MuseumLas Gewölk, zeigt und birgt wieder die Scene, besitzt dreye dergleichen vortreffliche. Nun kömmtEin Lerm erschallt aus einem sich öffnenden Schiffe; unser Verfasser auch auf Verner den Menschen sehrseine Masten sind im Sinken, und die Segel zer- ausführlich zu sprechen. Hier das Wesentliche:reißen; auf der Schiffbrücke Einige, die Arme »Er war gefühlvoll, und darum auch liebenswür-zum Himmel erhoben; andre haben sich ms Wasser dig. Alle jene sanstern Leidenschaften, die dasgestürzt; das Wasser hat sie gegen die nahen Leben theils quälen, theils verschönern, kannteFelsen gefluthet, wo ihr Blut sich mit dem Schau- und wußte er einzuflößen; auch die Freundschaftme der «„prellenden Wellen mischt. Hier wird kannte er — wo nicht jene ausschließende romanreiner in den Abgrund versinken, dort mühet sich tische, doch jene wohlwollende gesellschaftliche,
») Gestochen sind diese Seehase» von C. N. Cochin und I. Ph. le Bas gemeinschaftlich.
«») Dieß ist dasselbe Bild, wo man des Künstlers Gattin (eine junge und schöne Engelländerin, die er zuRom geheurathet hatte) erblickt, wie er ihr den hundertjährigen Hannibnl vorstellt, der nichts als Brannt-wein trank, und, indem er einen andern Hundertjährigen überlebte, der sich mit lauter Milch nährte, vondiesem letztem sagte: »Das dacht' ich immer, daß man bey solcher Nahrung nicht leben kann"!
Man kennt davon den berühmten Stich von Valecho».
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