Iv^6 Vince.
* vince (Pierl'no, d. k. Nachkömmling vonPeter) Bildhauer, ein Sohn von Lionacdo'sjüngstem Bruder, Bartholomaus, den diesernoch in seinem Alter mit einer jungen Frau er-zeugt, welcher er oft von den großen Verdienstenseines Bruders erzählt, und (wie uns vasariberichtet) Gott oft inbrünstig gebeten hatte, sie derEhre zu würdigen, ihm einen zweyten Lionardozu geben. Sein Wunsch wurde erfüllt; sie gebarihm den schönsten Knaben von der Welt, und einPaar Astrologen weissagten dem Kinde schon früheaus der Stirne und Hand, daß etwas Vorzügli-ches aus ihm werden sollte. Von seinem erstenLehrer B- Bandinelli wurde er ziemlich vernachläs-sigt; ein zweyter, N. Tribolo, that dann Besseresan ihm; das Beßte aber des Jünglings eigenesGenie, und sein »«gemeiner Fleiß, vasari er-zählt uns ausführlich seine frühen gelungenenVersuche, hauptsächlich im Fache von Brunnen-verzierungen und Röhren; wie er das erstemal nach
Vince.
Rom ging , bald aber fand, daß einsweilen diedortigen Knnstschätze für ihn noch zu tief liegen,und somit in Kurzem nach Floren; zurückkehrte.Von seinen ersten ernsternArbeiten nenntvafarieinenBacchus mit einem Satyr zu dessen Füssen, undeine Geißelung Christi (wahrscheinlich in Basre-lief). Jtzt führte ihn ein Gönner, Franz Bandi-ni, zum zweytenmal nach Rom, und verschaffteihm die Bekanntschaft von M. Angelo, dessenFreundschaft der Jüngling sich nun vollends durchmehrere Proben seiner nugemeinen Talente erwarb.Hieher gehören: Ein sterbender Heiland am Kreuze;eine kleine Copie von Buonaroti's berühmtem Mo-ses; dann aber (warum nicht?) auch eine Venus.Hierauf zu Pisa, wohin er von einem andern sei-ner Gönner, Lucas Martini, berufen ward, einjunger Flußgott, der zuerst in Besitz der damali-gen Großherzogin, und durch sie in den Gartenihres Bruders*) alla Chiaja zu Neapel kam;hauptsächlich aber das wunderschöne Basrelief
Neben ander», wenig bedeutenden Bildnissen des Künstlers selber, die sich als Titelblätter vor den ver-schiedenen Ausgaben seines: ItEs-o -leit» t>Ukurs und den Uebersetzungen desselben befinden, werden dortnoch zweye von St. Lochen, ein anderes von Jos. Cador (?) auderwerrs noch eines von I. Lapi gestochen— dann eine Schaumünze bey Köhler, und eine Paste von Wedgwevd genannt. Hiernächst von andern Bildnissennach ihm: Diejenigen des Hieronim. Savanarola, von einem Ungenannten in Helldunkel, und eines GuidoVisconti, von G- B- Bonati gestochen, in Prioratd's: Vile e sriooi cli persollSgßi milirsri kot. Vieun.674. — Weiter von Geschichtlichem: Maria am Fuß eines Berges sitzend, bey ihr das Christuskind und Jo-hannes (16" br. 12" 9^" hoch) von B. Dolendo, was aber nicht das Gepräg von d« vince'« Geist tragensoll; diejenige H. Familie im Königl. Franz, Kabinett, wo St. Michael dem Kind eine Waage darbietet, umdie Handlungen der Menschen darauf zu wägen (6" 8'" hoch, 4" 7'" br.), mit v. L. als Stecher, dasUrbild aber irrig als von Raphael bezeichnet; die St. Anna, und das Jesuskind welches ein Lamm besteigenwill, von Saldi nach da Vince gemalt, und von einem Anonymus (ig" hoch, -5" br.), in Helldun-kel gestochen; das Abendmal von A. Regner (ksris cbcs dioel), und zweymal von le Beau, das größere punk-tirt, das kleinere, besser, geetzt, bevde jedoch mittelmäßig; das über den Tod triumphirende Jesuskind, inMcchel's Düsseldorfer - Gallerie. Weiter: Jenen berühmten Schild la Rotella von einem Ungenannten mitder (Jesus-) Chiffer l. u. 8.; einen nackten, an einem Felsen liegenden Mann, den eine Löwin und eineSchlange zerfleischen, dabey sein fliehender Sohn (ein schönes Blatt) mit o. o. V. I. Ven. bezeichnet, beySalamanca verlegt, und dieser Stich von Einigen M. A. Buonaroti zugeschrieben; einen andern nacktenMann an einem Hügel, der den rechten Arm gegen einen Baum ausstreckt (4" z", hoch, 5" 8'" br.) voneinem Anonymus, und von Einigen Marc Anton zugeeignet; eine alte häßliche Frau, der eine Mannspersondie Börse anbietet, hinter ihnen ein anderes lachendes altes Weib, Halbfiguren (von Mariette wenigstens daVince zugeschrieben) von L- V. (Aug. Veneziano) gestochen 1516. Aus neuern Tagen einen jugendlichmännlichen Kopf, schön punktirt, von Bartolozzi (wahrscheinlich denjenigen, der sich in dem PrachtwerkeHarrison's: Liogrspkiesl lVlsgsrille (Heft X. Nro. 6) befindet; und einen großen Frauenkopf, in Nvth-kreidemanier, von St. Mulinari. — Von allerlei Folgen, meist von Carrikaturen werden hier, theils neu,theils abweichend von den schon ertheilten Nvtitzen genannt: Fünf Folgen von W- Hvllar, zusammen 75 Bl.von 164z—66 gefertigt, und vollständig äußerst selten; die Sammlung von Gerli, 61 Bl., von Nicl. Lanier,einem großen Kunstdilettanten, 6 Vl. (ausjedem eine männliche und eine weibliche Carrikatur, 4" hoch, 6"br.) ohne Laniers Namen. Die Zeichnungen besaß er selbst. Dann Cooper's: Keneisl-lnsri-ucrion kor-lis-
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Vince (9 männliche und 9 weibliche Figuren) mit Engl. und Jtal. Terte; ein Zeichenbuch von 57 Bl.von Sochon gestochen, aus da Vince's Traktats gezogen; eine Folge von 10 monströsen Figuren, von I.von Sandrart. Endlich zwey Blätter, mit dem oben auch schon einmal genannten verschlungenen Knotteu(einer unverständlichen Akademischen Chiffer). Indem itecucil-i--s ei-ivu-es->u rrs-r, psr le L-un "L. i.xr. 8- kocis 1809. findet sich, abgebildet nach da Vince: Ein Heiland mit der Weltkugel, den das Cabl-net Angstönne (?) in Pall-Maü zu London besitzen soll, und ein (wahrscheinlich Christus -) Kopf, welcher( -5 1/2" hoch, 12 1/2" br.) auf Holz gemalt, le Brun ftlbst in Mailand gekauft, und um 2/4 habe — be-schneiden lassen, um ihn vor dem Holzwurm zu verwahren; mit der beygefügten erbaulichen Bemerkung:Des Gleiche habe er mit Raphacls Verklärung vorzunehmen gerathen, sey aber mit einem Votum überstimmtivorden, daher er itzt diesem klassischen Bilde den Untergang prophezeye!
Auch flössen wir so eben noch auf eine Stelle in der Giunra zu du vince's Leben, - in der Sieneftr-Aus-gabe des Vaiari, nach welcher einst der Maler Ignatz Hugford von dem Unsrigen ein Hautrelicf ingebrannter Erde: Hieronymus in der Höhle, soll besessen haben, welches von des Künstlers großenanatomischen Kenntnisse» zeugte, und daher auch in ältern Tagen (ftbon zur Zeit der Pontormo und Rosso)vielfältig stndirt und, theils plastisch, theils in Zeichnungen und Gemälden, copirt worden sey. . . .
Endlich theilt uns ein gefälliger Kunstfreund, gerade während dem Abdrucke unserer Arbeit über da Vince,einen Aufsatz von Goethe mit, welcher dem dritten Hefte seiner neuesten verdienstvollen Schrift: UeberNunst und Alterthum S. -iz—88 einverleibt ist, und hauptsächlich eine raisonnirende Uebersicht desuns schon bekannten Werkes von Joseph Bossi über das Nbendmal, — so wie eine unpartheyische Würdi-gung der Verdienste seiner jüngsten Copie desselben zum Gegenstand hat. Aus diesem Aufsätze entnehmen wirindessen hier einzig, als .zu unserm Zwecke dienlich, die wichtige Kunde: Daß sich zu Weimar gegenwärtig(als Gewinn der letzten Reise des dortigen Herrn Großherzogs in die Lombardie), die sämmtlichen Durch-zeichnungen befinden, welche Sofft zum Behufe seiner mühevollen Arbeit, von den Köpfen (zum Theilauch von den Händen) in den ältern Copieen von Oggk'ono, Lovino und Vespino, gefertigt hatte; dann dieVerweisung auf eine andere gute Beurtheilung von Bossi's Werke, die sich in den Heidelbergischen Jahr-büchern (Dec. ,8>6.) vom Maler Müller befindet, und am Schlüsse die Nachricht von einer zu Rom(18-7.) erschienene» vorzüglichen Ausgabe von Lionardo's i'-s-caro -teils nach einem Coder der
Vaticaua, welche viele bisher unbekannte Capitel enthalten soll, und von einer Beygäbe von 22 Kupfer-tafeln begleitet ist, die in Nachbildungen bedeutender Federzüge, völlig nach Sinn und Art derjenigen bestehen,womit da vince gewöhnlich die Hauptgedanken seiner schriftlichen Aufsätze (für die Verständigen) zu vcr-sinnliche» pflegte. - . . vlxü
--:-) Don Garria d: Toledo.