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barsten Künstler in Wien. Er komponirt gut,zeichnet mit Sicherheit, und kolorirt mit gefälli-ger Wahrheit. Nun hat er ein allegorisches Stückfür die KK. Akademie der Künste in Arbeit, wodie Minerva der Kunst die Vereinigung, die durchdie in den Armen haltende Römische Fascen vor-gestellt wird, entgegenführt, und mit der andernHand auf den Tempel der Ehre weiset, welchernur durch den von der Zeit aufgehobenen Vor-hang gesehen wird. In einer Nische stehen diedrey Grazien, die das Bildniß der K. Maria The-resia in die Höhe halten. Dieser sittsame Künst-ler malte zuweilen die niedlichsten Arabesken mitmenschlichen Figuren durchflochken mit Oelfarbenauf weißen oder andern Marmor." Dann wiederl. c. XIII. 40. erzählt uns Herr S. . . . n(wohl der biedere Hüsgen): „Ich sah Unterber-ger im Jahr 1781. an dem Bildniß einer grie-chischen jungen Dame nach dem Leben in ihrerprächtigen Landestracht malen, die ein Englän-der in Smyrna geheirathet hatte, und die in sei-nem starken Kolorit eine besondere Wirkung that.Zugleich aber find' ich hier als noch merkwürdiganzuführen nöthig, daß H. Unterberger selbsteine ausgesuchte Sammlung herrlicher Gemälde,Handzeichnungen, Kupferstiche und Kunstbücherbesitzt, dergleichen bey großen Herren öfters ver-gebens gesucht werden; er ist dabey ein sehr be-reitwilliger und sehr höflicher Mann, der einemLiebhaber seine Kunstschätze gerne sehen läßt." Hier-auf finden wir ihn neuerdings im MeuselschenMuseum (VI. 86.) aus Wiener-Nachrichten vomig.' Nov. 1788. »Seit einigen Tagen stehet indem kleinen Redoutensaale bey Hofe ein Gemäldeöffentlich ausgestellt, daß dem geschickten Ge-fchichtsmaler, Herrn Unterberger, nach demZeugnisse der Kenner viel Ehre macht. Es ist ein12^ hohes Altarblatt, für die Hauptkirche zu KS-nigsgrätz bestimmt, und stellt die Ausgießungdes H. Geistes vor. Herr Unterberger hat andiesem Gemälde einige Jahre zugebracht, und istdafür von der Kirche zu Königsgrätz auf eine wür-dige Art belohnt worden." Dann in Ebend.rll. Miscell. I. 94—97- findet sich die ausführ-liche Beschreibung eines, wie es scheint, in 1794.oder 95. gefertigten Bildes von (hm, welches dieHebe darstellt, wie sie in knieender Stellung demJupiter unter der Gestalt eines Adlers mit eineraus Ehrfurcht und Freundlichkeit gemischten Mieneden Nektar reicht. Dieser drückt selbst durch dasSchlagen mit den Flügeln Majestät und lüsterneGierigkeit aus. Den langen Hals streckt er nachdem Tränke aus; aber nach dem Feuer seinesunverwendeken Blickes scheint er über die Reitzeder schönen Mundschenkin das Getränk der un-sterblichen Götter zu vergessen." Nach (sehr ie-senswerthen) Bemerkungen über die Grundsätze,nach welchen der Künstler dieses Bild bearbeitethat, heißt es dann qm Schlüsse: »H. Unrerber-ger hat für dieses nkit so viel Studium und Fleißverfertigte Meisterstück bereits den verdientestenBeyfalls des Wiener - Publikums eingeärntet.Mehrere Tausende hohe Standespersonen undKenner haben es mit Bewunderung gesehen, undwieder gesehen, und das Geständniß abgelegt,daß sie nie ein Gemälde von ähnlicher Wirkungerblickt haben." Und weiter: „Das Bild ist 6^6 " hoch, und 4/ io" br. *)." Endlich: »H. Un-terberger arbeitet auch nach seinem Bilde aneiner Kupferplatte vermittelst feiner von ihm ganzneu erfundenen Granirmafchine, und wird bisEnde Junius sowohl schwarze als nach Englischer
Unterberger.
Manier kolorirte Abdrücke auf Pränumeration vondiesem Kunstwerke liefern. Von den schwarzenkostet das Stück 2 Dukaten, und von den farbi-gen 6 Dukaten." Dieser geschickte Mann starb(wie wir glauben zu Wien) am 4. Dez. 1797. undhinterließ eine Gattin mit neun unversorgten Kin-dern. »Er verdiente" (heißt es bey Baur) »alsMaler und als Gelehrter gleiche Achtung. Na-mentlich auch in der Mechanik zeichnete sich seinschöpferisches Genie Vortheilhaft aus. So erfander z. B. eine Maschine zur Ausgrabung des neuenKanals in Ungarn. Er besaß eine ausgesuchteSammlung vortrefflicher Gemälde, Handzeich-nungen, Kupferstiche und Kunstbücher." Nebenseinen schon erwähnten Bildern werben dort nochvon ihm genannt, vörderst (wie wir's verstehen,nach feiner Rückkehr von Rom), als erstes Mei-sterstück, der Einzug des Bacchus in dessen Tem-pel, das er, en Camajeu (wie in halberhobenerArbeit aus Elfenbein) malte; ein Altarblatt fürdie Kirche Neudocf bey Wien;^ eine große An-zahl allegorischchistorischer Gemälde; ferner Ara-besken mit Figuren durchffochten, in Oel aufMarmor." Hier erfährt man, daß seine schonoben erwähnte Minerva, ebenfalls en Camajeu(als durchscheinender Marmor) ins Kabinet desRathsherrn Kirchhof zu Hamburg kam, und daßdas Bild der Hebe »welches durch kunstvolleVertheilung des Lichts das einzige Gemald inseiner Art sey", von Kaiser Franz II. fürfeine Privatsammlung im Belvedere um 10,000 fl.(heißt es hier) gekauft wurde. Nach seiner eige-nen Zeichnung soll Ignaz, neben seiner schongedachten Hebe, noch verschiedene andere geschabteBlätter geliefert haben; wie z- B. eine Venus;eine Allegorie zu Ehren des Prinzen von Kau-nitz - Rietberg, Fol u. s. w. Hinwieder kenntman, als nach ihm von Jacobe geschabt: DieBildnisse des Grafen Ueberacker, und der Frauvon Stettner, unter dem Namen Ariadne.
Ehe wir diesen Art. schließen, müßen wir nocheines Anekdotons Erwähnung thun, welches nichtnur für die Geschichte unsers Künstlers, sondernauch für diejenige der Kunst überhaupt wahrhaftaufbehaltenswerth ist. Wir erzählen den Vorfallsummarisch, nach einem sehr ausführlichen Auf-sätze von Hirt im Tübingl scheu Morgen-blatte 1808. X. S. 669. 70. 73. 74. 77—79-8 i— 83 . » Im I. 1786—87. erstand in Rom eingewisser Lovera (der sich mit Ausbessern undHandel alter Gemälde abgab) mehrere Bildervon Jgnazen's Bruder, dem oben erwähntenChristoph Unterberger. Darunter fand sich eineMutter mit drey Lindern. Das Bild warauf einem alten Brette gemalt, beschmutzt, undnicht ganz fertig; die Hauptfigur von ungefähri fr Fuß. Lovera reinigte und ritoccirte dasGemald, gab ihm einen Firniß, und war höch-lich über seinen Fund erfreut, um so viel mehr,da man bald nur Eine Stimme hörte: Es seyein nicht fertig gewordenes Bild von Correggio,und zwar eine der anmuthigsten Erfindungen die-ses großen Kunstlichts. Was geschah? Nun tratder Verkäufer auf, und erklärte das Werk füreine Originalarbeit seines jüngern Bruders Ig-natz. Diese Aussage erregte nicht weniger Aufse-hens, als vorher das unerwartete Auffinden einesso seltenen Kunstschatzes. Christoph war als ei-ner der vorzüglichsten Meister aus der Mengs-schen Schule, und als ein unbescholtener deut-scher Mann bekannt. Indessen machte seine Aeus-
«) Ein ganz anderes Urtheil über dieses Bild findet sich dann freylich l e. VI. 826. in einem Schreiben aus Ol-müz vom 27. Apr- 1797- Dort heißt es: »Die Hebe, ein Bild, das vom Hof für 9000 Gulden gekauftwurde, habe ich ebenfalls gesehn, und obgleich dieses Stück nicht der beßten eines von H. Unterberger,auch meines Crachtens nicht Galleriefähig ist, so ist diesem fleißigen, in allem Betracht erfindsamen Künst-ler , der zugleich Vater vieler Kinder ist, so eine aufmunternde Unterstützung doch herzlich zu gönnen. H.Unterberger, der viel Kenntniß der italienischen Schulen besitzt, würde vielleicht ein sehr guter Gallerie-Aufseher seyn." Fast will es uns (Alles zusammen genommen) scheinen, dieses letztere Urtheil dürfte dasrichtigere seyn. Dieses Bild ward in der Hofburg aufgestellt, und 2020 Dukaten geschätzt.