Weitsch
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Weitsch.
dies that er so oft, als er ein Bild benannte.Nun kam auch ein ausgesuchtes Frühstück herbeiund Braamcamp wandte sich zu weirschen mitder Frage, wo er die Kenntnisse erhalten habe,so richtig die Namen der Meister bestimmen zukönnen. Weitsch antwortete, daß solches ineinem Kabinette wie das seine, in dem lautervorzügliche Gemälde zu sehen wären , etwas leich-tes sei; allein mittelmäßige Bilder und Bilderaus frühern Zeiten ließen sich schwer auslegen.Er sah noch mehrere Zimmer und Braamcampwurde ganz für ihn eingenommen. Leider konnteer dies herrliche Kabinet, was nunmehro zu jederStunde für ihn offen stand, nicht mehr nachWunsch benutzen, da die Zeit seiner Abreise be-reits bestimmt war. weirsch pflegte nachgehendssehr oft von Braacam'ps ganz vortrefflicherSammlung zu sprechen. — Er war so glücklichauf dieser Reife mehrere Meisterstücke an sich zubringen. Unter andern hatte ihm der Prinz Hein-rich von Preußen , Bruder Friedrich des Großen,den Auftrag gegeben irgend ein Gemälde des vander Werf einzuhandeln, als womit er wünschteder Kaiserin Catharina von Rußland ein Geschenkzu machen. Gemälde dieses Meisters sind aberselten zu erhalten, und kommen kaum im Handelvor. In einer ausgezeichneten Sammlung zuBrüssel traf er deren mehrere, und da er auchhier durch seine Kenntniß der Malerhande über-raschte, so wurde der Inhaber derselben, einalter reicher Kaufmann der keines seiner Bilderverkaufte, ihm so zugethan und freute sich soüber feine Bekanntschaft, daß er erklärte, erwolle ihm einen der van der Werf verkaufen.Ungeachtet ihm die freie Auswahl überlassen blieb,so griff Weitsch doch keinesweges nach einemder vorzüglichern; allein der Kaufmann fühltedie zarte Bescheidenheit des Künstlers und ver-tauschte dasselbe sogleich mit einem kostbaren Mei-sterstücke. Hier, sagte der letztere, dies Gemälde sollfür Sie seyn; sein Preis ist 1000 Thaler; ich nehmenur 400 Thaler, das Andre soll Ihnen bleiben,denn mein Wille ist, daß dieses Bild Ihnen dieKosten ihrer Reise ersetze. Der Herzog Carl vonBraunschweig hörte von dem van der Werf, ver-langte ihn zu sehen und er gefiel. Weitsch sollteden Einkaufspreis angeben, uud er bestimmteihn seinem Landesherrn zu 400 Thaler. DerHerzog bezahlte ihm das Geld, und weitschverlohr seine 600 Rthl. Die so eben besprochenevortreffliche Malerei wurde eine Zierde der Ga-lerie zu Salzdahlum. Sie enthält das Bild-nis des van der Werf und seines Freundes Ter-burg in einem schönen Schlafrock von Atlas,großer Perücke und Pantoffeln; er selbst zeigtdem Terburg seine von ihm eigenhändig i» Elfen-bein geschnittenen Schachfiguren (die dermalenim Museum zu München sich befinden sollen. Obdamit das oben unter Werf gedachte Schachspielgemeint wird ?); im Bordergrunde liegt ein schö-ner Hund der auf eine große Fliege lauscht,die ihm entgegen fliegt; alle übrigen Nebensachen,als Tische, Decke, Vorhang rc. sind überausschön behandelt und ausgeführt.
Auch die Liebe zur Plastik erwachte in ihm,nachdem er einem Italiener das Abformen undGießen antiker Köpfe und Figuren abgesehen hatte.Der General Graf Wallmoden erkaufte in Italieneine Sammlung antiker Figuren und ließ sie nachHannover bringe». Weitsch wußte den Gärtnerzu gewinnen, der die Aufsicht hatte über seinSchloß, und formte bei Nacht die vorzüglichstenKöpfe ab. Nicht minder verschrieb er sich dieMasken der vorzüglichsten Köpfe aus Italien,und modellirte sodann die Hinterköpfe daran. Ermalte auch dergleichen Köpfe auf Bronze - Art,erhöhte sie mit Gold, und wußte auf diese Art dieantike Bronze mit einer täuschenden Wahrhaftig-
keit durch den Pinsel nachzuahmen. Benebst dieserErfindung erfand er auch während seines Solda-tenlebens von selbst die Camera-Obscura, wor-über er sich sehr erfreute, bis ihm jemand sagte,dasselbe sei bereits seit langen Zeiten erfunden undbekannt.
Im Jahre 177S mächte er einen Eichenwaldmit sehr schönem Vieh ganz in der Manier vonvan der Velde; etwa 2 Fuß hoch und Z Fußbreit. Dies Gemälde gefiel dem Direktor Krähevon Düsseldorf, der ihn besucht hatte, so gut,daß er ihm anrieth, größere Waldstücke zu ferti-gen. Er that solches, und eines der ersterenStücke dieser Art, was er zur Ausstellung nachDüsseldorf sandte, erhielt großen Beifall undbrachte ihm später das Ehren-Diplom als Pro-fessor und Mitglied der dortigen Akademie.
Im Jahre 1783 starb ihm seine treue Gattin,mit der er 56 Jahre glücklich verlebt hatte. Siehinterließ ihm 4 Kinder, davon das zweite unddritte Söhne waren. Der älteste derselben Frie-drich Georg reiste einige Wochen spater zur Fort-setzung seines Künstler-Studiums nach Düsseldorfab. Im folgenden Jahre besuchte weitsch mitseinem andern Sohne und einigen Freunden Hol-land, beschied den ältesten Sohn nach Amsterdam,um der Kunstreise beizuwohnen und ließ hernachden jünger» Bruder bei ihm in Düsseldorf. Hierlebte der alte weitsch im Kreise seiner Bekanntenmehrere vergnügte Tage. In 1787 verheiratheteer sich wieder mit Sophie Helmkampf, wurde1788 Galerie-Inspektor zu Salzdahlum und bliebhier bis zu seinem Ableben, welches i8oZ den6. August erfolgte. Er war nur wenige Tagebettlägerig, und einige Stunden vor seinem Todeverließ ihn die Sprache; seine Krankheit warenHämorrhoidalische Schmerzen aus der Urinblase.
Er war ein schöner Mann, von Gestalt großund wohl geformt; seine Gesichtsbildung waredel, und es zierte ihn eine hohe offene Stirn,schöne Nase, stark und schön gewölbte Augen-braunen, blaue Augen mit einem muntern Feuer,ein männlich breites Kinn mit einem Grübchenund blauen Bart, ein voller angenehmer Mundund schwarzes Haar. Sein Körper war vonfester Gesundheit und sein Gang gerade undleicht. Einst, noch als Sergeant, wurde ernach Holzminden beordert, während dem seineFrau und sein ältestes Kind an einer schwerenKrankheit Niederlagen. Er ging des Abends10 Uhr ab und war n Uhr des andern Abendsbereits wieder vor seiner Wohnung, wo man ihnnicht einlassen wollte, weil man ihn für einenGeist ansah. Weitsch hatte nämlich in Zeit von25 Stunden, ohne etwas anderes als Schwarz-brod und etwas Bier zu genießen und ohne sichniedergesetzt zu haben, getrieben von der Angstum seine Familie, nicht weniger als 22 Meilenzurückgelegt. Noch in seinem spätesten Alter warer so rüstig, daß ihn der Herzog Carl WilhelmFerdinand, der ihm auf dem Wege von Salz-dahlum bis zur Stadt (Braunschweig) begegnete,verwundert eines Tages fragte, wie es kämedaß er nicht älter würde. Er antwortete: Ich warnie auf — Universitäten , Jhro Durchlaucht; ichhabe mich jung verheiratet, liebte niemals hitzigeGetränke, besaß stets ein frohes Herz, beschäf-tigte mich unaufhörlich mit der Kunst und machtemir fleißig Bewegung.
Sein Geist war immer thätig; besonders liebteer die Naturgeschichte. Er verfaßte auch ver-schiedene Abhandlungen; als: Ueber die Zuberei-tung des Kalkes beim Mauern und Ziegeldecken,über den Nutzen und die Schädlichkeit der Krä-hen , über das Kommen und Gehen der Schmal-