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Weitsch.
Weitsch.
rich kopierte mehrere Bildnisse aus der dortig»«,Sammlung von Malerbildnissen und besah Nach-mittags Handzeichnungen, oder geschnittene Steine,wenn der Direktor Pitti (dem er, so wie früherdem Bildhauer Trippel in Rom, viele Belehrungenzu danken hat) eben Zeit dazu fand. In demPallaste Pitti kopierte er die Madonna della Se-dia von Raphael. Der Großherzog, nachherigerKaiser Leopold, sah ihn oftmals im Vorbeigehenbei dieser Arbeit, ohne ihn je zu stören. Waraber Weitsch nicht zugegen, so betrachtete er dieKopie sehr aufmerksam; auch ließ er ihm durchden Grafen Dury sagen, daß er ihm die Kopiezeigen solle, wenn sie fertig sei, und ertheilte ihmdabei den Auftrag eine Skizze zu entwerfen zuseinem lebensgroßen Bildniß, was er für denAudienzsaal in Pisa bestimmt hatte. Als beidesvollbracht war, nahm ihn der Großherzog sehrgnädig auf und er mußte die Kopie auf einenStuhl stellen, wahrend er sich selbst einen andernStuhl davor rückte, seine Brille abrieb und die-selbe bedächtig aufsetzte. Nun durchging er dasBild allen seinen Theilen nach und betrachtete esin der Nähe und in der Ferne, ohne deswegenein Wort zu verlieren, weitsch trat bald aufdas eine, bald auf das andere Bein; denn dieUntersuchung dauerte lange. Er war ein Vier-theil auf it eingetreten und erst wie die Glockeii Uhr schlug, wandte sich der Herzog zu ihm.Es ist wahr, sprach er, Ihre Kopie Herr weitsch,ist die schönste die seit den langen Jahren, die ichhier zubrachte, gefertigt worden ist. Ich macheIhnen mein Kompliment darüber, Sie haben con»mors gemalt. Mengs und Zossani haben auchals große Maler die Madonna kopiert, aber nichtcon rrmore wie Sie, sondern um Geld und inihrer Manier. Das eine war ein Mengs unddas andere ein Zossani. An Ihrer Kopie habe ichgelernt, wie man ein Bild betrachten und wieman es bearbeiten muß; ich habe täglich Ihre Ar-beit besehen. Nun frage ich Sie, wollen Sie mirdie Kopie überlassen, ich wünschte sie meinerSchwester nach Spanien zu überfchicken? Weitsch,dem dies Lob unendlich schmeichelte, bath nurum die Erlaubniß die Madonna nochmals für sichkopieren zu dürfen. Allerdings, sagte der Groß-herzog , und zwar recht bequem. Sie sollen nichtwieder durch das Spiegelglas malen, sondern essoll Ihnen der Schlüssel dazu verabfolgt werden;auch lassen Sie sich dasselbe von der Wand Herab-nehmen u. s f. Die Skizze gefiel ihrer Anord-nung wegen nicht minder. Sie zeigte den Groß-herzog stehend, an einen Sphinx von schwarzemBasalt gelehnt. Im Hintergründe sah man dasInnere eines Saales, in dem hinten eine großeDecke von Goldstoff mit den darein gestickten kai-serlichen Adlern angebracht war. Daneben befan-den sich einige Säulen die auf einen Altan führ-ten , von welchem herab man unten den PallastPitti im Garten sehen konnte und über demselbendie schöne Ansicht von Florenz und ihren Bergen.Links im Vordergründe lag über einem Globus,neben welchem man allerhand Attribute auf Kunstund Wissenschaft erblickte, der Fürstenmantelausgebreitet. — Der Großherzog bestimmte seineSitzungen nach der etwa in vier Monaten zu er-wartenden Rückkehr von einer Reise, so er itztdurch Toscana zu machen habe, und so lange sollteer auch die schöne Kopie für ihn aufbewahren.Indessen erfuhr weitsch, daß Petrini, damalsDirektor und Mae8tro llsI Loloriro bei der Aka-demie, ein Freund des Grafen Dury, sich eben-fallö mit Entwürfen zu dem großen Bilde beschäf-tige , was dem Unsern bereits aufgetragen wor-den war. Er sah Kabalen heran wachsen undihm fiel der alte Oeding bei, der ihn stets vortzofchikanen gewarnt und auf manche Belehrun-gen verwiesen hatte, die die Känstlergeschichre indieser Rücksicht giebt- Daher verließ er Florenz
während der Abwesenheit des Großherzogs undging über München, Wien, Prag und Dresdenm sei" L^terland zurück.
^ A Braunschwttg^sch<,ftigte er sich großten-thetlls mit dem Bildniß. So fertigte er z. B.unter andern das des würdigen Mts Jerusalem,und dann 1790 das seineß eigenen Vaters. Der-selbe war in einem brauuen Schlafrock dargestelltund seitwärts über die rechte Schulter sehend;in der linken hielt er die Palette und die Rechtelegte er auf einen weißen Pudel, den GeorgFriedrich seinem Vater aus Rom mitbrachte undder hier seitwärts im Vordergründe angebrachtwar, unter der Pfote einen kleinen Eichenzweigmit Früchten haltend; daneben lag eine Reißfedermit Kreide und eine Brille, und im Hintergründestand eine Staffele! mit einem Tuche, auf derman einen Wald gezeichnet sah; die Beleuchtungwar von oben her genommen, das Kolorit kräf-tig, die Färbung warm, und die edle Haltung derFigur glich dem würdevollen Anstand, der demalten Weitsch zu eigen war. Der letztere schiengleichsam als ein Musterbild für den Dildniß-maler gebohren zu seyn, und Georg Friedrichgestand, daß er außer ihm nur noch zwey Per-sonen abgemalt hat, die ebenfalls unter dieseCategorien gehörten. Die eine war der russischeGeneral von Meyerndorf; diesem gab er ganzeFigur in einer Batterie von 90 Kanonen, die erwährend der Belagerung von Otschakow kom-mandirte, bei Wintcrzeit in einem Pelzrocke vordem Zelte stehend; die andere der Marschall Soult(zu Stettin 1808). Noch in 1790 reiste weitschnach Hamburg, wo er innerhalb neun Monaten meh-rere Bildnisse lieferte, jedoch im Jahr 1791 nachBraunschweig zurückkehrte, da ihn der Herzogbeschäftigen wollte. Er sollte nämlich in demneuen Corps de Logis ein Zimmer mit italieni-schen Ansichten mahlen. Weitsch entwarf beidieser Gelegenheit Ideen zu einer besonders ge-schmackvollen Zimmerverzierung; sie kamen nichtzur Ausführung, da man glaubte, daß sie zukostbar ausfallen dürften. Damals schilderte erdie zu Braunschweig anwesenden beiden Prin-zen von Oranien ab; den Erbprinzen an eineKanone gelehnt und den Prinzen Friedrich inder preußischen Kavalerie - Uniform. Dann auchden Erbprinzen von Braunschweig auf einembraunen Engländer sitzend; und denselben noch-mals nebst seiner Gemahlin, und zwar wie letzter«an der Staffelei sitzt und das Bildniß ihrer FrauMutter der Erbstatthalterin von Holland in Pa-stell malt. Alles lebensgroße Bilder. Obwohlihm keine Zeit zur Landschaft übrig blieb, sokitzelten ihn seine Finger doch so hiernach, daßer eine solche mahlte, auf welcher man einenWasserfall und eine Mühle sah. Der Abbe De-nis fand viel Vergnügen an diesem Stücke undmachte gleich einige artige Verse zu dessen Lobe,und sagte davon: «Diese Bild ist ganz in meineGenro ermghl"!
Sein zu Berlin befindlicher Bruder schrieb1794 dem Bruder und dem Vater, wie der Mi-nister von Heynitz, Curator der Kunstakademie,wünschte, von ihren Arbeiten auf der Berliner-Ausstellung zu sehen. Und dies geschah auch indem nämlichen Jahre; der Vater sandte einengroßen schönen Wald und der Sohn das Bildnißdes Vaters mit dem Pudel, benebst der Kopieder Madonna della Sedia. Ihre Stücke erwarbensich allgemeinen Beifall und die Akademie nahmsie zu wirklichen mit Sitz und Stimme begabtenMitgliedern auf. Auch wurde Friedrich Georgvon dem Minister von Heynitz aufgefordert, Der-lin zu besuchen. In 1794 heirathete er ChristianeElisabeth Schröder, Tochter des braunscbweigi-schen Schloßverwalters. Sie war die jüngste von