Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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Winkelmann,

WinkelmariNi

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heil den alten Lehrer befiel, war der Jüngling seinFührer und Vorleser, dem zugleich die Aufsichtüber die kleine Schulbibliotheck anvertraut wurde;durch diese seinen Fleiß begünstigende Vortheilemachte er besonders in der lateinischen und griechi-schen Sprache ungemeine Fortschritte. Aus einerin gedachter Bibliotheck befindlicher Schartccke,dem hJeueröfneren Adelrchen Rirrerplatz, lernteer zuerst (denn Alles muß doch seinen Anfang neh-men) etwas von Kunstgeschichte kennen. In sei-nem Achtzehnten (1755 s. K. 17Z3.) ging er nachBerlin *) auf das Kölnische Gymnasium, wo erein Jahr blieb, und während der Zeit eine Fuß-reise nach Hamburg machte, um auf einer Ver-steigerung einige der beßten Ausgaben alter Klassi-ker zu kaufen, wozu er sich unterwegs bey Än-lichen, Beamten und Pfarrern eine Beysteuer er-bat **). In 1707 kehrte er auf eine Weile nachseinem Geburtsort zurück, wo er sich als Präfckteines Corps von Chorsängern durch die Stadteinigen Unterhalt verschaffte, und mit diesem klei-nen Verdienst noch seine armen Eltern unterstützenkonnte- In i /38 begab er sich nach der UniversitätHalle, wo er, neben dem Genuß eines kleinenStipendiums, von Unterstützungen seiner Land-leute lebte. Das Studium der Gottesgclehrcheit,dem er sich widmen sollte, gefiel ihm nicht;desto mehr dasjenige der alten Litteratur und derschönen Wissenschaften. Durch dieses vornehmlichnährte er seinen Geist, und besuchte zn dem Endnoch fleißiger die Bücher- als die Hörsäle. Nachzwey Jahren dortigen Aufenthalts bekam er da-selbst die Bibliotheck des Kanzlers von Ludewig zuordnen, dem er sich auch dadurch gefällig machte,daß er aus dessen Umgang die Anfangsgründe desFeudalrechts erlernte. Jtzt erwachte bey ihm aufsneue eine schon frühe genährte Begierde, fremdeLänder zu sehen, und er entschloß sich 1740 zueiner Wanderung nach Paris ***) und Rom. DieMittel zu dieser Reise hofke er, sobald er in ka-tholischen Ländern anlangen würde, allenfalls in

den Klöster» zu finden, unter der Versicherung,daß er die — Religion ändern, und in Romsein katholisches Elaubensbekenntniß ablegen wolle.Aber er kam für diesmal nur bis nach — Geüen-hausen in der Gegend von Frankfurt, wo er we-gen des ausbrechenden Kriegs, der die Straßenunsicher machte, wieder umkehrte und nach Hallezurückging ^). Nachdem er sich einigemal ver-gebens an Geßner in Göttingen gewandt hatte,um dort durch dessen Fürsprache zu einem Amtezu gelangen, bekleidete er in den I. 1741—42.zwey Hauslehrerstellen zu Osterburg und Hei-mersleben bey Halberstadt Zwischen diesen

beyden Anstellungen ging er auf kurze Zeit nach Jena,wo er anfangs Medizin und Mathematik siudirenwollte, dann aber, weil er, um zu leben, Privat-unterricht ertheilen mußte, diesen Vorsatz aufgab,und dafür in freyen Stunden Englisch und Italiä-nisch lernte. Zu Heimersleben gab die Benutzungder Büchersammlung eines ehemaligen Gesandt-schafts-Sekretairs am Französischen Hof*) ihmdie Veranlassung sich auf das Studium der Ge-schichte zu werfen; und eben daselbst war es,wo er zweymal Bayle's Wörterbuch las und ex-zerpirle. — In 1743 erhielt er, durch seines Vor-gängers, Boysens, Vermittelung das Conrekto-rat an der Schule zu Seehausen in der Altmark.Diese Lehrstelle war aber so karg an Einkünften-daß er genöthigt war **), bey den Einwohnernsich Freytische auszumitteln, und dabey so nie-derschlagend sein Pflichtgeschäft, rohe schmutzigeBuben in den Rudimenten des Lesens und Schrei-bens zu unterrichten ***). Dennoch verlor er denMuth nicht, und setzte feine Privatstuoien (welchedamals, neben den griechischen Classikern undGeschichte, noch die vorzüglichsten Dichter undProsaisten der Franzosen, Brillen und Jtaliänecwaren) mit solchem Eifer fort, daß er selbst inkalten Winternächten nicht zu Bette ging, sondernvon Mitternacht an, in feinen Pelz gehüllt-j-),auf einem Lehnstuhle nicht über vier Stunden schlief,

*) Ob w. noch früher, oder dann etwas späther (sicher einmal) eine Zeitlang auch auf der Schule zu Salz-wedel fteqnentirt habe, laßt Gurlitt (Notiz S 5) unbestimmt-

*») Dreyßig Jahre späther ließ er aus Rom, durch einen seiner Freunde in der Schweiz, Sulzern in Berlinbitten, ihm den dortigen Pastor Kuhze und Rector Damm zu grüßen, mit dem Anhange: Nur die Furchtungünstiger Aufnahme, wegen seiner Rebgivnsänderung, hindern ihn, dem erstem selbst zn schreiben, undfür von ihm empfangene Gutthaten zu danken. Br. <r. d. Schweizer S. 97.

KK») Seinen Gelüst nach Frankreich zu gehen, sollen Cäsars Commentare zuerst in ihm erweckt haben.

4 ) Was ihm auf der Brücke zu Fulda begegnete, war lustig genug, wo er sich den Bart machte, und einigevvrbepreisende Damen ein großes Geschrey erhoben, weil sie glaubten, daß er sich die Gurgel abzuschneidenim Begriffe stühnde.

44 ) Bey dem Rittmeister von Grollmann.

444 ) Bey dem Oberamtmann Lamprecht, für dessen Sohn er die zärtlichste Liebe faßte, die aber dieser mit Un-dank belohnte, worüber w- sich bis an seinen Tod beschwerte, ohne jedoch über die Natur dieses Undankssich vollständig auszudrücken!

2) H. von Hanfes.

6 '"') Nach Gurlitt S- 8 . hätte er denn doch sei» geringes Einkommen dadurch verbessert, daß er einige jungeAdeliche, wie z. B. seinen geliebten Lamprecht und den Sohn des H. von Hanfes in Pension nahm, unddadurch in Stand gesetzt wurde, sich sogar große historische Werke, wie Daniel und R. Thovras anzukau-fen. Höchst sonderbar ist, was ebenfalls l. erzählt wird, daß er. um diese Herren neuere Geschichtezu lehren, alle Lage 5 Jahre vornahm, und so drey Jahrhunderte in einem jährlichen Cursus mir ihnendurchging.

«-») Aug einem Schreiben von Bvyftn an Gleim erhellet, daß er zu Seehausen anfänglich eben nicht in günstigemRuf stand, theils weil es ihm an der äußern Gabe des Unterrichts gebrach, theils weil er nicht predige»konnte. Dennoch ging er spätherhin von Seehausen mit guten Attestaten des dortigen Magistrats, des Supe-rintendenten Noltenius und des Schulinspektors Schnackenbnrg nach Nöthenitz ab. Dr. an Dünau vom28. Jul. 1748.

4 ) Dieser diente ihm auch in Rom, immer noch als Mittel, ohne Feuer,Denn auch freye Heitzung hatte er von der Eminenz Albaui nicht erhalten.

sich vor Frost zu verwahren.Q 14