Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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Winkelmann.

der Unsrige sich damals befand, war ein solchesAnerbieten nicht wenig anlockend, wenn gleichdie beygefügte Bedingung anfangs noch mehr sei-nem Ehrgefühl als seiner Denkweise entgegenstand.Da er nämlich in der positiven Religion überhauptsehr duldsam war, und die Verschiedenheiten desKultus mehr für eine äußere Einkleidung der in-nern Gesinnung ansah, so mochte der endlicheEntschluß ihn keinen allzuharten Kampf gekostethaben; ja es ist wahrscheinlich, daß der Gedankedaran von selbst schon früher durch seine Seeleging. Desto mehr ängstigte es ihn, diesen Schrittzu thun, wenn er mit seinen Freunden, und be-sonders mit seinem Herrn und Beschützer, demGrafen von Bünau, darüber zerfallen sollte. Diesallein hielt ihn lange in der Unschlüßigkeit, wäh-rend in seiner eignen Ueberzeugung die Sacheschon längst entschieden war. Der Nunzius hattedem P. Rauch, Beichtvater des Königes vonPolen, die nähern Unterhandlungen mit U). auf-getragen, welche anfangs sehr geheim betriebenwurden, und durch mancherlei Umstände verzögertüber zwey Jahre lang (1752 — 54.) fortdauerten.So sehr es dem Nunzius um die Ehre zu thunwar, sich in Rom des Verdienstes zu berühmen,einen neuen Bekenner für die Kirche gewonnen zuhaben, so wollte er ihr doch diesen Proselytengerne so wohlfeil als möglich erwerben; seineVersprechungen waren daher immer aufs Unge-wisse gestellt. Anfangs sollte N). bloß als Bi-bliothekar des Kardinals Passionei nach Rom gehn;aber P. Rauch, der es denn doch redlicher mitihm meinte, leitete in der Folge die Sache so ein,baß der Unsrige mit einem kleinen Jahrgeld in

Winkelmann. ßo9S

Rom leben könnte, ohne sich aN einen dortigenGroßen zu verdingen *). winkelmann trat end-lich im Sommer 1754 förmlich zur RömischenKirche über, und legte sein Glaubensbekenntnißin die Hände des Nuntius nieder. Mit peinlicherUnruhe meldete er sodann den gethanen Schrittdem Grafen Bünau **), der aber die Sache alserfahrener Weltmann nahm, und ihm seine Gunstnicht entzog. Um Michaelis des gedachten Jahrsverließ er des Grafen Dienste, und ging nachDresden, um sich bis zu seiner Abreise ganzdem Studium der Kunst zu widmen, und bezogdaselbst ein Zimmer bey Oesern. Noch ver-wickelte ihn die Bekanntschaft mit Bianconi, demLeibarzte des Churprinzen, der ihn aus kleinlichenegoistischen Absichten langer in Dresden zurück-halten wollte, in mancherlei Unannehmlichkeiten,denen aber der biedere Deutsche geschickt auszu-weichen wußte. Immerhin aber verzögerten dies«und andere neue Schwierigkeiten seine Reise nachItalien noch für ein ganzes Jahr. In dieserZwischenzeit gab er seine: Gedanken über dieNachahmung der Griechischen Werke ***).Seine vornehmste Absicht mit dieser Schrift war,sich im Gebiete der Kunst durch etwas Originellesanzukündigen, und ein ihm günstiges Aufsehenzu erregen. Dieser Zweck gelang ihm über Erwar-ten. Auf ausdrücklichen Rath des Ministers Gra-fen von Brühl wurde folche dem Könige zugeeig-net, der aber davon einsweilen so gut als keineKenntniß nahm >j>-; und damit sie selten bliebe,hatte W. davon nur 5 o Drucke ziehen lassen,welche verschenkt wurden. Eine Dame vonStand erbot sich zur Translation derselben ins

gen. Er sahe meinen ausgezehrten Körper und machte mir keine Hofnung zur Genesung, als durch eineVeränderung der Lebensart und eine Erhohlung von der Arbeit." Mehreres freylich Unzusammenhängendes,aber ungemeiu Naives über diese Unterhandlungen, über rv. Wanken und seinen endlichen Entschluß,in den I. 1752 — 54. in den Briefen an Berendis N? I —10.

*) Seine Dankbarkeit gegen diesen letzter» war unauslöschlich; und besonders lebhaft sprach sie sich öffentlicham Schluße der Vorrede zu den Anmerkungen über die Baukunst der Alten aus.

Untern 17. Sept. 1754. S. den schon oben angeführten, von w in sichtbarer Irre der Gedanken, ober wohl oder übel gehandelt, geschriebenen Brief bey Daßdorf 1. S. -7-23. Da er den Homer indiesem Jahr dreymal gelesen, so war nichts natürlicher, als in diesem Briefe das berühmte HomerischeDictum zu citiren: »Die Götter geben den Sterblichen nur immer auf Einen Tag ihr abgemeßenes Theilvon Vernunft." Dem Allem sey übrigens, wie ihm will, so viel ist gewiß, daß w. den von vielen sohart beurtheilten Schritt aus keinerlei andern Absichten, als aus enthusiastischer Liebe für die Kunst gethan.Da wir eines Tags in den Privatzimmeru der Prinzessin Barberini ein Paar vorzügliche Gemälde zu be-sichtigen die Erlaubniß erhielten, klopfte er mir auf die Achsel: »Freund! Ohne meinen Abfall wärenmir diese und ähnliche Kunstjuweele nie zu Gesicht gekommen!" o->nk. mit dem erwähnten Brief anBünau einen andern vom nämlichen Datum, und noch einen frühern vom 12 Jul. beyde an Seren-isI. <-. S. 42 — 53. Und dann besonders den Brief von Erdmannsdorf an M Hubee, in des letztembiographischen Nachrichten von w- an der Spitze seiner Uebersetzung der Geschichte der Kunst S. exi.il.welcher" (merkwürdig genug) lautet, wie folgt: »Eines Tages, als ich mit ihm allein von Nettuno zurück-kam, und wir uns über den Theil seines Lebens unterhielten, den er in Sachsen zugebracht, sagte er mir:Er schmeichle sich, daß die, so ihn da gekannt hätten, ihn nicht in dem Verdacht haben würden, er habeaus interessirten Absichten die katholische Religion angenommen, wie es allerdings bey den Meisten derFall wäre, die diesen Schritt thäten. Er gestand mir, daß, wenn seine Mutter oder einige seiner näch-sten Verwandten noch gelebt hätten, er sich niemals würde dazu habe» entschließen können, aus Furchtsie zu kränken: Da er aber Niemand mehr gehabt, der sehr lebhaften Antheil an dem, was ihn angehe-genommen, so habe er geglaubt, sich über das hinweg setzen zu müssen, was das Publicum zu seinemNachtheile davon sagen möchte, weil er sich fest überzeugt, daß es das einzige Mittel wäre, zu seinemZweck zu gelangen. Nach Rom zu gehn, und sich ganz dem Studium des Alterthums zu widmen, dahinzielten alle seine Lieblingswünsche. Er war delicat gewesen in Absicht eines Ehrenpuucts. Der CardinalArchinto, als damaliger Nuntius des Pabstes in Dresden, hatte sehr gewünscht, bey der Abreise nachRom Winkelmann mit sich zu nehmen; er wollte aber lieber auf seine Kosten hingehn, um nicht indieser Hauptstadt im Gefolge des Nuntius als Einer seiner Proselyten zu erscheinen. Von aller Heucheley ent-fernt, wollte er nur sein eigner Proselyt seyn." Morgenst. S. 14-15. Was nach diesem der elende paaizon»faselt: »Der Schritt des Uosrigen sey dem Lesen seiner geliebten Heiden oder" (wie der Vorredner derWiener-Ausgabe der Kunstgeschichte nicht viel besser dahlt) ^dem Studium der Kircheuväter zuzuschreiben",ist keiner Widerlegung werth; und selbst wie Gurlitt S. n. und ff. das Räthsel aus w. damaligerKränklichkeit an Leib und Seele lösen will, scheint uns wenigsten- nur halbwahr zu seyn.

Dresd. n. Leipz. 1755. bey Walthev.

f) Doch darüber einmal das, eben nicht vom Geiste der Alten geprägte Wort aussprach:in sein rechtes Wasser" (nach Rom) »kommen!"

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»Dieser Fisch soll