Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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Winkelmann,

AZinkelmann,

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und letzterer zumal suchte ihn mit den eindrin-gendsten Gründen von der Ausführung seines Cnt-schlußes abzuhalten. Allein er beharrte fest aufdemselben; sein ganzes Wesen gerieth in dieheftigste Bewegung; er stand todtenblaß, mit er-stochenem Auge, stumm und zitternd da, so daßniemand weiter in ihn zu dringen wagte; auchwurde er unmittelbar nach diesem Auftritte voneinem heftigen Fieber befallen, und mußte einigeLage lang das Bette hüten *). Er war nochkaum wieder hergestellt, als Cavaceppi ihn verließ,um allein seine Reise fortzusetzen, wmkelmannblieb noch bis zu Anfange des Junius zu Wien,besah die dortigen Bibliotheken, Kirchen, Gale-rien und Kabinette mit seiner gewohnten Aufmerk-samkeit; die Sicherheit, daß hinfüro ihn nie-mand an seiner Rückreise behindern würde, mochteihm noch hinzu die nörhige »Kraft geben. DerBaron von Sperges, der ihm bereits vor einigenJahren die Stelle eines Sekretärs bey der Aka-demie der Künste angetragen hatte, stellte ihn zuWien der Kaiserin Maria Theresia und der Kaiser!.Familie vor, welche ihn mit besonderer Huldempfingen, und reichlich beschenkt entließen, w-meldete dem Kardinal Albani diese ehrenvolle Auf-nahme, nebst den vorlheilhaften Antragen die manihm in Wien gemacht, die er aber aus Liebe fürRom ausgeschlagen habe. Hierauf reiste er inden ersten Tagen des Junchs vergnügt von Wienab nach Triest, um sich dort nach Ankona einzu-schiffen. Nach der bisherigen, fast durchgängigfür richtig angenommenen Meinung, war es schonunweit Lrieste, daß ein Jtalianer sich zu ihm ge-sellte, und mit ihm die Reise bis dorthin zurück-legte. Nach neuern, bewährtem aktenmäßigenNachrichten hingegen **) machte er die Bekannt-schaft mit demselben erst in Lrieste selber, wo sieam i. Jun. zufällig in dem nämlichen Wirths-

hause zusammentrafen. Jener Fremdling hießFrancesco Archangel!; war aus Pistoja gebürtig,hatte bey dem Grafen Cataldi in Wien als Kochgedient, und war schon 1764 eines bey seinemHerrn begangenen Diebstahles wegen zu vierjäh-riger öffentlicher Arbeit verurtheilt, dann aber-767 mit Erlassung eines Theils seiner Strafzeitbegnadigt und des Landes verwiesen worden.Dieser abgefeimte Bösewicht entdeckte, bey desUnsrigen natürlicher Offenheit, bald dessen schwa-che Seite; er heuchelte Wohlgefallen an derKunst***), zeigte eine besondere Anhänglichkeitan seine Person, und erwarb so in kurzer Zeitdessen Vertrauen. Winkelmann erzählte ihmvon seinen Umständen, zeigte ihm die Kostbarkei-ten, die er am Wienerhof erhalten hatte, undvermied nicht, ihn seinen mit Geld wohlgefülltenBeutel sehen zu lassen ^). Nach seiner Ankunftin Triest sah' er sich nämlich genöthigt, einigeTage auf ein nach Ankona gehendes Schiff zuwarten. Da er hier keine Bekanntschaft machenwollte, so blieb er meistens im Wirthshaus allein,während Archangeli es übernahm, die Angelegen-heiten der Reise für ihn besorgen, und sich nachder ersehnten Abfahrt zu erkundigen. Einen Theilseiner müßigen Zeit vertrieb er mit Lesung desHomers, des einzigen Buches das er mitgenom-men, machte einige Notaten, entwarf zum Vor-aus verschiedene Danksagungsschreiben, die ervon Rom aus nach Wien senden wollte, undvertändelte zuweilen eine Stunde mit dem Kindedes Gastwirths, das er liebgewonnen hattet).Am 7. Jun. halte sich Archangeli durch Ankaufeines spannelangen Mordmessers und einer RolleBindfaden, den er zu einem Stricke flocht, zurVerübung seines Verbrechens gerastet, und wollteschon an diesem Tag dasselbe vollziehen; allein nochsiegte auf kurze Zeit das Gewissen über ihn -f-j-f).

«) Besonders naiv, und wohl gewiß nach der Wahrheit, erzählt Lnvaceppi selber in der Vorrede zum zwey-ten Theil seiner: ksccolrs -Urteile srs-1-e ero. kol. kiom. 769. alles Vorerwähnte, von der ersten An-wandlung des Umnuthes an, welchem, beym Eintritt in die Tvrvlergebürge befiel: Wie sich plötzlich seinGesicht veränderte; seine pathetischen Ausrufungen über den Schauer der Gegend, und die abgeschmackteBauart det Wohnungen; seine Zumuthungen an Cavac,'ppi, wieder mit ihm umzukehren, und des letztemsowohl als Anderer Vorstellungen dagegen, bis auf die Scene im Zimmer von Kaunitz; die eigensten Aus-drücke dieses Fürsten: »Wie können Sie das Herz haben, JhrenFreund zu verlassen, der mehr um Sieals um sich selbst in Unruhe ist? Bedenken Sie, daß er nun all-in weitläufrige Länder durchreisen soll,deren Sitten und Sprache ihm unbekannt sind. Ich bitte Sie, so viel ich bitten kann, Ihren Vorsatz zuändern"; den fürchterlichen Eindruck, welche» diese letzte Instanz aufw. machte, und Cavaceppi's Erasbung:»Ich nahm ihn hierauf bey der Hand, und sagte mit gerührter Stimme zu ihm: „Lieber Freund! Sie thunübel; aber weil es Ihnen so gefällt, so tragen Sie nur Sorge für sich selbst; ich empfehle Sie Gott!"Wie er dann w- als ihn das Fieber befiel, in dem Hause des H. Schmidtmeyer's ließ, um ihm nichtlänger mit seiner Gegenwart beschwerlich zu fallen." S. diese Stelle in der Uebersetzung bey D-rßborf ii.S. 364 — 69.

»») In D. von Kosetti's letzter LeLenswoche I. winkelm-rnns s- Dresd. 8-8. und, doch etwasMinder genau, im: LlmsnLcii sus koiu -8-0.

So heißt es in der Biographie vor der neuen Ausgabe von w. Werken, welche bisher zum Tert unsersArt. diente; wir wissen nicht, aus welcher Quelle dieser Zug geschöpft ist. Wir unsers Orts, glauben aus dernähern persönlichen Kenntniß von w. sein Dahingehen an Archangeli uns hauptsächlich aus seinem Hangzur Gesellschaftlichkeit erklären zu müssen, welche sich, ohne langes Ueberlegen, auf den ersten ihm begeg-nenden Gegenstand warf, wenn er nicht gerade zur Seite einen bessern fand.

f) Alle dies — wir dürften darauf schwören! nicht aus Pralerei, sondern aus— Langerweile, die ihn sogarverführte, dem Unholden allerlei vorzufabeln; wie z. B. daß er nach Wien geschickt worden, um der Kai-serin eine — Kabale zu entdecken, u.d.gl. So erzählt es Archangeli in seinen Verhören, was aber kaumglaublich ist; und eben so wenig, daß Winkelmann sich eines Tags gegen ihn geäußert, er wolle näch-stens alle diese Schaumünzen der ganze Wirthstafel zeigen. Der Zug indessen, daß w. dem Pistojeservollends seinen Geldbeutel zeigte, erhellet nicht aus den Akten, sondern eher das Gegentheil.

-j-f) Aus welcher Quelle diese Umstände geschöpft seyen, ist uns unbekannt. Nach den Akten sollte man viel-mehr vermuthen, daß w- den größten Theil seiner Zeit mit Archangeli entweder auf dem Kaffeehaus, oderauf dem Zimmer, im Gedahle mit diesem Nichtswürdigen zugebracht.

f-j-j-) So wurde es nicht nur, nach einem Briefe des H. von Erdnmnnsborf an Michael Huber (s. dessenVorrede zur Franz.Uebersetzung der Kunstgeschichte S.LXOII.) dem erstern (wir wissen nicht aus welcherQuelle) erzählt: winkelmann habe den Archangeli so freundlich zum Dejeun« eingeladen, daß letztrerdarüber für den Augenblick allen Muth verloren, sondern auch die Akten melden dies mit etwas verschiede-nen außerwesentlichen Umständen, nach Archangeli's eigener Aussage. S. Kosetti S. 23 — 24. der über-haupt über das Detail dieser schrecklichen Stunden (S. 27—39.) nachzulesen ist.