Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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Zampieri.

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Zampi eri.

er überall anbrachte, es mochte sich reimen odernicht. So war es mehr eine Manier bey ihmals ein Ausdruck, und zwar eine solche, die sichbloß für Kinder schickte, bey welchen man wenigKraft und Mannigfaltigkeit antrift; und in sol-chen Figuren hat Dommichino Verdienste, in denübrigen herrscht Kalte und Monotonie. Dabeysind viele seiner Ideen niedrig und gemein. Nochhatte er Lieblingsgegenstände, die er beständigwiederholte. ... Um eine völlig ausdrucksvolleCompofltion zu erhalten, könnte man sagen, daßRaphael dazu die Figuren, Poussin den Hinter-grund und die Nebenwerke, und Domrnlchl'nodie Kinder hergeben müsse. Somit muß jeder demRaphael den vortrefflichsten Theil der Compositionzustehn." In seinem Schreiben an pons 0rügt er an Zampieri, daß er in seinem berühm-ten St. Gregor (in St. Gregorio) den Henkers-knecht, der den Heiligen geisselt, so schön ge-macht, daß alle (?) Zuschauer seine Figur mehrbewundern, als diejenige des Heiligen selbst.Und endlich noch in einem fünften Aufsätze: jJrak-tischer Unterricht der Malerei ?) (Abschn.von der Grazie im Umrisse) heißt es s):„Hätte Domenichino diesen Theil der Kunst inseiner Gewalt gehabt, so würde er ganz vortref-lich seyn; allein sein Mangel an Eleganz gereichteihm zu großem Nachtheil." — Bey Füßli (II.28t—83.) lesen wir, nach seiner gewohntenschlichten Weise (und zumal besonders in Para-lelle mit dessen berühmtem Zeitgenossen, GuidoReni): „Domenichino hatte keine so heitereund muntere Gemüthsanlage als Guido, unddaher auch keine so schnelle Empfänglichkeit fürdas Anmuthige in der Natur wie dieser; aberdiese Gemüthsanläge, die gemeiniglich bey Leutenvon großen Talenten, anfänglich eine besondreBehutsamkeit in der Wahl ihrer Ideen, und eingewisses Mißtrauen in ihre eigene Fähigkeiten mitsich führt, wird gewöhnlich die Ursache eines ern-sten, soliden und anhaltenden Studiums, wodurchdiese weniger schnelle Empfänglichkeit oft reichlichersetzt wird. Wenn wir einerseits in den Werkendes Guido die holden und anmuthigen Ideen,die anziehend schönen und zarten Formen, unddas Geistige und Leichte seiner Pinselzüge bewun-dern, so finden wir anderseits in den vorzüglichstenWerken Dominichins zwar weniger anmuthige,aber meistens mit mehr Tiefsinn und gründlicherUeberlegung gewählte Ideen; weniger Grazie undLeichtigkeit, aber mehr Wahrheit und Naivetätin den Formen, besonders bey Jünglingen undKindern; eine weniger gefällige Behandlung desPinsels, aber mehr Genauigkeit in der Ausfüh-rung, weniger Feines und Zartes, aber mehrBestimmtes und Festes in den Gesichtern, nebsteinem höchst wahren und eindringenden Ausdruckeder Gemüthsbewegungen, wozu ihn seine ernsthafteGemüthsstimmung vorzüglich geleitet zu habenscheint. Im Ganzen betrachtet ist Domenichino,nach meinem Gefühle, der erste Maler nachRaphael in dem Ausdrucke der Gemüthsbewegun-gen. Seine Erfindungen sind mit tiefsinniger undtreflicher Wahl immer nach diesem Zweck ange-ordnet; seine Figuren sind schön und gelehrtgezeichnet, nur bisweilen etwas zu einförmig inRücksicht auf den Ausdruck; seine Köpfe, beson-ders die weiblichen, sind immer schön von Form,geistvoll im Ausdruck, aber selten von heitererund freyer Miene. Seine Drapperien haben we-niger Geschmack, als jene des Guido und der

1) I. Th. m. S. 66.

2) I. c. S. 279.

5) Wohl etwas abstechend mit einigen der vorstehnden

Carracci. Er pflegte seine Lichter zu sehr zu zer-streuen, daher sein Helldunkel auch wenig Wir-kung macht; und endlich ist seine Färbung wederwahr noch angenehm, stärker und gefälliger je-doch in seinen Fresko-Werken, als in seinenOelmalereyen." — Fiorillo dann schließt seineoben angeführten Nokizzen über den Unsrigen, miteiner allgemeinen Kunstkarakteristik von ihm, wiefolgt: „Ohnstreitig gehört dieser Künstler unterdie gründlichsten Maler, welche aus der Schuleder Carracci hervorgegangen sind. Denn außerdem,daß er die Natur in ihren Werken studierte, bil-dete er sich nach den vollkommenen Mustern dergrößten Künstler, und wußte seine Formen vonden Statuen des Laocoon, des Fechters und an-derer antiken Meisterwerke geschickt zu entlehnen.Es glückte ihm, den Ausdruck in einem so hohenGrade zu erreichen, daß er in diesem Theil derKunst den ersten Platz nach Raphael einnimmt.Bereichert mit diesen außerordentlichen Kenntnissengelang es ihm, ebenfalls seine Werke durch einschönes, kraftvolles und natürliches Kolorit zubeleben. Er pflegte, bevor er arbeitete, seinenGegenstand genau durchzudenken, und wenn ichgleich einräume, daß dadurch ein gewisses Feuerverloren ging, das man größtenteils bey den-jenigen Künstlern die mit vieler Leichtigkeit dieBilder ihrer Phantasie entwerfen, als beymLanfranco und verschiedenen Andern wahrnimmt,so zweifele ich dennoch, ob die Werke dieser Künsteler nach einer strengen Untersuchung die Probe sogut aushalten können, wie die des Dominichino.Ich wundre mich, daß Mengs von ihm nichtmit der Hochachtung spricht, die er doch in derThat verdient; er urtheilt nämlich, daß feineKöpfe gemeiniglich einen Anstrich von Furchtsam-keit hätten, und daß es ihnen an Zierlichkeitmangle. Wenn sich dieses Urtheil auf die Arbei-ten in Neapel gründet, so kann man ihn ent-schuldigen; aber Mengs hatte doch sehr langein Rom Gelegenheit, die Meisterwerke seines Pin-sels, wozu ich auch die Marter der Heil. Agnese,ehemals in Bologna, rechne, genau zu unter-suchen. Daß seine traurige Lage, indem er durchseine Frau und einige Verwandten gedrückt wurde,in den letzten Jahren einen gewissen Einfluß aufdie Richtung seines Geistes und also auch aufseine Arbeiten geäußert haben mag, will ich gerneinräumen; aber wie viele Arbeiten hat er nichthinterlassen, worin man eine Fülle von Grazie,verwebt mit der anmukhigsten Zeichnung und dervollkommensten Farbengebung wahrnehmen kann.Der Ausdruck scheint stets sein vorzüglichstesfestgesetztes Ziel gewesen zu seyn u. s. f. — I. c.588 — 89- — Aus der Schrift: LVmkeimannu. s. Jahrhundert sind ff. Stellen über denUnsrigen zu bemerken, denen wir am liebstenbeypflichten möchten: „Das allgemeine Kunst-verdienst der Carracci, möchte man sagen, habe»ihre großen Schüler gleichsam unter sich getheilt,teilweise gepflegt u.veredelt".... „Domenichino,den man jederzeit seiner Wahrheit und Natürlich-keit wegen studierte, zeigte sich vorzüglich in derOekonomie tiefgedachtecCompositionen, und ahmtemit glücklichem Erfolg schöne sowohl als großeFormen der Natur nach, und den Antiken"....„Ausführlicher, bey zarten Denk- und Empfin-dungskräften, schöner und feiner sogar in denFormen, als die Carracci, war er der edelsteSprößling ihrer Schule; und dennoch erhielte»seine Werke (gewiß eine üble Vorbedeutung für

noch ganz andern Rügen.

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