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Meine letzte Reise nach Paris / [von Jakob Heinrich Meister]
Entstehung
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Wülsten Sie , werlhester Freund ! welches Interessein meinen Augen die ländlichen Plätze meines Va-terlandes wieder gewonnen haben , so würden Siemir die siifse Ueberraschung, beim Anblicke dieserGegend, die ich vorher nie gesehen hatte, gern ver-zeihen; sie weckte in meiner Einbildungskraft eineMenge zärtlicher und melancholischer Erinnerungen ;und ein schöner Mondschein erhühete in diesem Augen-blicke noch den Reiz und die Täuschung derselben.Allein ich sehe gar wohl ein, dafs es nicht IhrWunsch ist , von mir mit Eindrücken dieser Artunterhalten zu Werden. Vielleicht werden Sie michentschuldigen , wenn ich Ihnen etwas von meinerVerwunderung über die künstlichen Krümmungender prächtigen Chaussee und der herrlichen Brücken,durch deren Hülfe man den Weg über eine Kette sohoher, steiler, mit Ungeheuern Felsenmasseu be-deckter Berge, die noch überall von jähen Abgrün-den, von Giefsbächen und tiefen Hohlwegen durch-schnitten werden, so leicht gemacht hat, sage.Warum läfst man es sich nicht angelegen seyn , mitgleicher Kunst, mit gleicher Geduld, mit gleichemGeiste die Hindernisse zu besiegen, die sich zu allenZeiten nützlichen Revolutionen entgegen stellen?Diese so bedeutende Strafse ist nicht neu; aber sie