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und wohl verstandenen Lobspruche verdanken vieleLeute allen Verstand , den sie je zeigten; und wenngleich die Lobeserhebungen viele Menschen verdar-ben , so haben sie gewifs noch weit mehrere gebildetDenn es giebt gar Viele , welche , trotz der Eigenliebe , die man den Mehresten vorwirft , nicht denVerstand haben, den sie würden haben können ;und das blos deswegen , weil man sie auf das MaasWelches sie wirklich hatten nicht aufmerksam ge-macht hat. Allein, von wem und für wen sollteman doch wohl die schöne Kunst zu loben lernen,wenn es nicht von den Weibern , durch sie und fürsie, geschieht?
Nichts belebt das Interesse einer mehr oder we-niger zahlreichen Gesellschaft stärker , als die Man-nigfaltigkeit der Gedanken, der Charaktere, undder Meinungen, die man in derselben antrift. Undkönnte wohl der Widerstand , der zwischen denGedanken, Charakteren und Meinungen durchausentstehen mufs, wenn er anders nicht zu lebhaftund zu auffallend werden soll , geschickter gemäs-sigt und glücklicher gemildert werden , als durchdie Gegenwart einer Frau , deren Grazie uns ein-nimmt, deren Geschmack und Empfindlichkeit manzu beleidigen fürchtet, und w'elche wenigstens die