Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Gesellige Lieder.

25

Wer schaffte wohl da drübenSich diesen frohen Sitz?

Ist es mit seiner LiebenNicht unser braver Fritz?

Und wo im FelsengrundeDer eingeklemmte FlußSich schäumend aus dem SchlundeAuf Räder stürzen muß:

Man spricht von MüllerinnenUnd wie so schön sie sind;

Doch immer wird gewinnenDort hinten unser Kind.

Doch wo das Grün so dichteUm Kirch' und Rasen steht,

Da wo die alte FichteAllein zum Himmel weht;

Da ruhet unsrer TodtenFrühzeitiges Geschick,

Und leitet von dem BodenZum Himmel unsern Blick.

Es blitzen WaffenwogenDen Hügel schwankend ab;

Das Heer es kommt gezogen,

Das uns den Frieden gab.

Wer, mit der Ehrenbinde,

Bewegt sich stolz voraus?

Es gleichet unserm Kinde!

So kommt der Carl nach Haus;

Den liebsten aller GästeBewirthet nun die Braut;

Sie wird am FriedensfesteDem Treuen angetraut;

Und zu den FeiertänzenDrängt jeder sich herbei;

Da schmückest du mit KränzenDer jüngsten Kinder drei.

Bei Flöten und SchalmeienErneuert sich die Zeit,

Da wir uns einst im ReihenAls junges Paar gefreut,

Und in des Jahres Laufe,

Die Wonne fühl' ich schon!Begleiten wir zur TaufeDen Enkel und den Sohn.

Lundeslird.

In allen guten Stunden,Erhöht von Lieb' und Wein,Soll dieses Lied verbundenVon uns gesungen seyn!

Uns hält der Gott zusammen,Der uns hierher gebracht;Erneuert unsre Flammen,

Er hat sie angefacht.

So glühet fröhlich heute,

Seyd recht von Herzen eins!Auf, trinkt erneuter FreudeDieß Glas des ächten Weins!Auf, in der holden StundeStoßt an, und küsset treu,

Bei jedem neuen Bunde,

Die alten wieder neu!

Wer lebt in unserm Kreise,Und lebt nicht selig drin?Genießt die freie WeiseUnd treuen Brndersinn!

So bleibt durch alle ZeitenHerz Herzen zugekehrt;

Von keinen KleinigkeitenWird unser Bund gestört.

Uns hat ein Gott gesegnetMit freiem Lebensblick,

Und alles was begegnet,Erneuert unser Glück.

Durch Grillen nicht gedränget,Verknickt sich keine Lust;

Durch Zieren nicht geenget,Schlägt freier unsre Brust.

Mit jedem Schritt wird weiterDie rasche Lebensbahn,

Und heiter, immer heiterSteigt unser Blick hinan.

Uns wird es nimmer bange,Wenn alles steigt und fällt,Und bleiben lange, lange!

Auf ewig so gesellt.

Dauer im Wechsel.

Hielte diesen frühen SegenAch nur Eine Stunde fest!

Aber vollen BlüthenregenSchüttelt schon der laue West.

Soll ich mich des Grünen freuen?Dem ich Schatten erst verdankt;

Bald wird Sturm auch das zerstreuen,Wenn es falb iin Herbst geschwankt.

Willst du nach den Früchten greifen,Eilig nimm dein Theil davon!

Diese fangen an zu reifenUnd die andern keimen schon;

Gleich, mit jedem Regengüsse,

Aendert sich dein holdes Thal,

Ach, und in demselben FlusseSchwimmst du nicht zum zweitenmal.

Du nun selbst! Was felsenfesteSich vor dir hervorgethan,

Mauern siehst du, siehst PalästeStets mit andern Augen an.