Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Gesellige Lieder.

Ich habe getrunken; nun trink' ich erst gern!

Der Wein er erhöht uns, er macht uns zum HerrnUnd löset die sklavischen Zungen.

Ja schonet nur nicht das erquickende Naß:

Denn schwindet der älteste Wein aus dem Faß,

So altern dagegen die Jungen.

Ich habe getanzt und dem Tanze gelobt!

Und wird auch kein Schleifer, kein Walzer getobt,So drehn wir ein sittiges Tänzchen.

Und wer sich der Blumen recht viele verflichtUnd hält auch die ein' und die andere nicht,

Ihm bleibet ein munteres Kränzchen.

Drum frisch nur aufs neue! Bedenke dich nicht:Denn wer sich die Rosen, die blühenden, bricht,Den kitzeln fürwahr nur die Domen.

So heute wie gestern, es flimmert der Stem;

Nur halte von hängenden Köpfen dich fernUnd lebe dir immer von vomen.

Generalbeichte.

Lasset heut im edeln KreisMeine Warnung gelten!

Nehmt die ernste Stimmung wahr,Denn sie kommt so selten.

Manches habt ihr vorgenommen,Manches ist euch schlecht bekommen,Und ich muß euch schelten.

Reue soll man doch einmalIn der Welt empfinden!

So bekennt, vertraut und fromm,Eure größten Sünden!

Aus des Irrthums falschen WeitenSammelt euch und sucht bei ZeitenEuch zurechtzufinden.

Ja, wir haben, sey's bekannt,Wachend oft geträumet,

Nicht geleert das frische Glas,

Wenn der Wein geschäumet;Manche rasche Schäferstunde,Flücht'gen Kuß vom lieben Munde,Haben wir versäumet.

Still und maulfaul saßen wir,Wenn Philister schwätzten,

Ueber göttlichen GesangIhr Geklatsche schätzten;

Wegen glücklicher Momente,

Deren man sich rühmen könnte,

Uns zur Rede setzten.

Willst du AbsolutionDeinen Treuen geben,

Wollen wir nach deinem WinkUnabläßlich streben,

Uns vom Halben zu entwöhnen,Und im Ganzen, Guten, Schönen,Resolut zu leben.

Den Philistern allzumalWohlgemuth zu schnippen,

Jenen Perlenschaum des WeinsNicht nur flach zu nippen,

Nicht zu liebeln leis mit Augen,Sondern fest uns anzusaugenAn geliebte Lippen.

Lophtisches Lird.

Lasset Gelehrte sich zanken und streiten,Streng und bedächtig die Lehrer auch sehn!Alle die Weisesten aller der ZeitenLächeln und winken und stimmen mit ein:Thöricht auf Beßrung der Thoren zu harren!Kinder der Klugheit, o habet die NarrenEben zum Narren auch, wie sich's gehört!

Merlin der Alte, im leuchtenden Grabe,

Wo ich als Jüngling gesprochen ihn habe,Hat mich mit ähnlicher Antwort belehrt:Thöricht auf Beßrung der Thoren zu harren!Kinder der Klugheit, o habet die NarrenEben zum Narren auch, wie sich's gehört!

Und auf den Höhen der Indischen LüfteUnd in den Tiefen Aeghptischer GrüfteHab' ich das heilige Wort nur gehört:Thöricht auf Beßrung der Thoren zu harren!Kinder der Klugheit, o habet die NarrenEben zum Narren auch, wie sich's gehört!

Liu anderes.

Geh! gehorche meinen Winken,Nutze deine jungen Tage,

Lerne zeitig klüger seyn:

Auf des Glückes großer WageSteht die Zunge selten ein;

Du mußt steigen oder sinken,

Du mußt herrschen und gewinnen,Oder dienen und verlieren,

Leiden oder triumphiren,

Amboß oder Hammer seyn.

Vanitgg! vsnitAtuin vanitg,«!

Ich hab' mein Sach auf Nichts gestellt,Juchhe!

Drum ist's so Wohl mir in der Welt;Juchhe!