Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Antiker Form Sich nähernd.

Stehn uns diese weiten FaltenZu Gesichte, wie den Alten?

Herzog Leopold von Lraunschwrig.

178Z.

Dich ergriff mit Gewalt der alte Herrscher des FluffeS,

Hält dich und theilet mit dir ewig sein strömendes Reich.Ruhig schlummerst du nun beim stilleren Rauschen der Urne,Bis dich stürmende Fluth wieder zu Thaten erweckt;Hülfrcich werde dem Volke! so wie du ein Sterblicher wolltest,Und vollend' als ein Gott, was dir als Menschen mißlang.

Dem Äckermann.

Flach bedecket und leicht den goldenen Samen die Furche,Guter! die tiefere deckt endlich dein ruhend Gebein.Fröhlich gepflügt und gesä't! Hier keiinct lebendige Nahrung,Und die Hoffnung entfernt selbst von dem Grabe sich nicht.

Änakrcon's Grab.

Wo die Rose hier blüht, wo Reben um Lorbeer sich schlingen,Wo das Turtelchen lockt, wo sich das Grillchen ergötzt,Welch ein Grab ist hier, das alle Götter mit LebenSchön bepflanzt und geziert? Es ist Anakreon's Ruh.Frühling, Sommer und Herbst genoß der glückliche Dichter;Vor dem Winter hat ihn endlich der Hügel geschützt.

Die Geschwister.

Schlummer und Schlaf, zwei Brüder, zum Dienste der Götterberufen,

Bat sich Prometheus herab seinem Geschlechte zum Trost;Aber den Göttern so leicht, doch schwer zu ertragen den Menschen,Ward nun ihr Schlummer uns Schlaf, ward nun ihr Schlafuns zum Tod.

Zeitmaast.

Eros, wie seh' ich dich hier! In jeglichem Händchen die Sanduhr!

Wie? Leichtsinniger Gott, missest du doppelt die Zeit?Langsam rinnen aus einer die Stunden entfernter Geliebten;Gegenwärtigen fließt eilig die zweite herab."

Warnung.

Wecke den Amor nicht auf! Noch schläft der liebliche Knabe;

Geh, vollbring dein Geschäft, wie es der Tag dir gebeut!So der Zeit bedienet sich klug die sorgliche Mutter,

Wenn ihr Knäbchen entschläft; denn es erwacht nur zu bald.

Züße Sorgen.

Weichet, Sorgen, von mir! Doch ach! den sterblichen MenschenLasset die Sorge nicht los, eh' ihn das Leben verläßt.

Soll es einmal denn seyn, so kommt ihr, Sorgen der Liebe,Treibt die Geschwister hinaus, nehmt und behauptet mein Herz!

Einsamkeit.

'

Die ihr Felsen und Bäume bewohnt, o heilsame Nymphen,Gebet Jeglichem gern, was er im Stillen begehrt!

Schaffet dem Traurigen Trost, dem Zweifelhaften Belehrung,Und dem Liebenden gönnt, daß ihm begegne sein Glück!Denn euch gaben die Götter, was sie den Menschen versagten,Jeglichem, der euch vertraut, tröstlich und hülflich zu seyn.

Erkanntes Glück.

Was bedächtlich Natur sonst unter Viele vertheilet,

Gab sie niit reichlicher Hand alles der Einzigen, ihr.

Und die so herrlich Begabte, von vielen so innig Verehrte,Gab ein liebend Geschick freundlich dem Glücklichen, mir.