Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Epigrammatisch,

149

?robstum 6st.

A,

Man sagt: Sie sind ein Misanthrop!

B.

Die Menschen Hass' ich nicht, Gott Lob!Doch Menschenhaß er blies mich an,

Da hab' ich gleich dazu gethan.

A,

Wie hat sich's denn sobald gegeben?

B,

Als Einsiedler beschloß ich zu leben.

Ursprüngliches.

A.

Was widert dir der Trank so schal?

B.

Ich trinke gern aus dem frischen Ouall.

A.

Daraus kam aber das Büchlein her!

B,

Der Unterschied ist bedeutend sehr:

's wird immer mehr fremden Schmack gewinnen;Es mag nur immer weiter rinnen.

Den Originalen.

Ein Quidam sagt: „Ich bin von keiner Schule;Kein Meister lebt, mit dem ich buhle;

Auch bin ich weit davon entfernt,

Daß ich von Todten was gelernt."

Das heißt, wenn ich ihn recht verstand:

„Ich bin ein Narr auf eigne Hand."

Den Zudringlichen.

Was nicht zusammen geht, das soll sich meiden!

Ich hindr' euch nicht, wo's euch beliebt, zu weiden:Denn ihr seyd neu und ich bin alt geboren.

Macht, was ihr wollt; nur laßt mich ungeschoren!

Den Guten.

Laßt euch einen Gott begeisten,

Euch beschränket nur mein Sagen.Was ihr könnt, ihr werdet's leisten,Aber müßt mich nur nicht fragen.

Den Selten.

Die Abgeschiednen bewacht' ich gern,Stiind' ihr Verdienst auch noch so fern;Doch mit den edlen lebendigen NeuenMag ich wetteifernd mich lieber freuen.

Lähmung.

Was Gutes zu denken wäre gut,

Fänd' sich nur immer das gleiche Blut;Dein Gutgedachtes, in fremden Adern,Wird sogleich mit dir selber hadern.

Ich wär' noch gern ein thätig Mann,Will aber ruhn:

Denn ich soll ja noch immer thun,

Was immer ungern ich gethan.

Trüge gern noch länger des Lehrers Bürden,Wenn Schüler nur nicht gleich Lehrer würden.

Spruch, Widerspruch.

Ihr müßt mich nicht durch Widerspruch verwirren!Sobald man spricht, beginnt man schon zu irren.

Demuth.

Seh' ich die Werke der Meister an,

So seh' ich das, was sie gethan;

Betracht' ich meine Siebensachen,

Seh' ich, was ich hätt' sollen machen.

Seins von allen.

Wenn du dich selber machst zum Knecht,Bedauert dich niemand, geht's dir schlecht;Machst du dich aber selbst zum Herrn,

Die Leute sehn es auch nicht gern;

Und bleibst du endlich wie du bist,

So sagen sie, daß nichts an dir ist.

Lebensart.

Ueber Wetter- und HerrenlaunenRunzle niemals die Augenbrannen;

Und bei den Grillen der hübschen FrauenMußt du immer vergnüglich schauen.