166
Eliinesisch. Deutsche Jahres- und Tageszeiten.
VIII.
Dämmnmg senkte sich von oben,Schon ist alle Nähe fern;
Doch zuerst emporgehobenHolden Lichts der Abendstern!
Alles schwankt in's Ungewisse,
Nebel schleichen in die Höh';Schwarzvertiefte FinsternisseWiderspiegelnd ruht der See.
Nun am östlichen BereicheAhn' ich Mondenglanz und Gluth,Schlanker Weiden HaargczweigeScherzen auf der nächsten Fluth.Durch bewegter Schatten SpieleZittert Luna's Zauberschein,
Und durch's Auge schleicht die KühleSänftigend in's Herz hinein.
IX.
Nun weiß man erst, was Rosenknospe sey,Jetzt da die Rosenzeit vorbei;
Ein Spätling noch am Stocke glänztUnd ganz allein die Blumenwelt ergänzt.
X.
Als Allerschönste bist du anerkannt,
Bist Königin des Blumenreichs genannt;Unwidersprechlich allgemeines Zeugniß,
Streitsucht verbannend, wundersam Ereigniß!
Du bist es also, bist kein bloßer Schein,
In dir trifft Schau'n und Glauben überein;
Durch Forschung strebt und ringt, ermüdend nie,Nach dem Gesetz, dem Grund, Warum und Wie.
XI.
Mich ängstigt das VerfänglicheIm widrigen Geschwätz,
Wo nichts verharret, alles flieht,
Wo schon verschwunden, was man sieht;Und mich umfängt das bängliche,
Das graugestrickte Netz. —
„Getrost! Das Unvergängliche,
Es ist das ewige Gesetz,
Wonach die Ros' und Lilie blüht."
XII.
Hingesunken alten TräumenBuhlst mit Rosen, sprichst mit Bäumen,Statt der Mädchen, statt der Weisen;Können das nicht löblich preisen,Kommen deßhalb die Gesellen,
Sich zur Seite dir zu stellen,
Finden, dir und uns zu dienen,
Pinsel, Farbe, Wein im Grünen.
XIII.
Die stille Freude wollt ihr stören?Laßt mich bei meinem Becher Wein:Mit andern kann man sich belehren,Begeistert wird man nur allein.
XIV.
„Nun denn! Eh' wir von hinnen eilen,
Hast noch was Kluges mitzutheilen?"
Sehnsucht in's Ferne, Künftige zu beschwichtigen,Beschäftige dich hier und heut im Tüchtigen.