Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Spräche In Reimen.

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Sie sagen: Das muthet mich nicht an!Und meinen, sie hätten'« abgethan.

In meinem RevierSind Gelehrte gewesen;Außer ihrem eignen BrevierKonnten sie keines lesen.

Viel Rettungsmittel bietest du! was heißt's?Die beste Rettung, Gegenwart des Geist's!

Laß nur die Sorge sehn.

Das giebt sich alles schon,

Und fällt der Himmel ein,Kommt doch eine Lerche davon.

Dann ist einer durchaus verarmt,

Wenn die Scham den Schaden umarmt.

Du treibst mir's gar zu toll.Ich fürcht', es breche!

Nicht jeden WochenschlußMacht Gott die Zeche.

Du bist sehr eilig, meiner Treu!

Du suchst die Thür' und läufst vorbei.

Sie glauben mit einander zu streiten,

Und fühlen das Unrecht von beiden Seiten.

Haben's gekauft, es freut sie baß;Eh man's denkt, so betrübt sie das.

Willst du nichts Unnützes kaufen,

Mußt du nicht auf den Jahrmarkt laufen.

Langeweile ist ein böses Kraut,

Aber auch eine Würze, die viel verdaut.

Wird uns eine rechte Qual zu Theil,Dann wünschen wir uns Langcweil.

Daß sie die Kinder erziehen könnten,Müßten die Mütter seyn wie Enten:Sie schwämmen mit ihrer Brüt in Ruh,Da gehört aber freilich Wasser dazu.

Das junge Volk, es bildet sich ein,

Sein Tauftag sollte der Schöpsungstag seyn.Möchten sie doch zugleich bedenken,

Was wir ihnen als Eingebinde schenken.

Nein, heut' ist mir das Glück erbost!"Du, sattle gut und reite getrost!

Ueber ein Ding wird viel geplaudert,Viel berathen und lange gezaudert,Und endlich giebt ein böses MußDer Sache widrig den Beschluß.

Eine Bresche ist jeder Tag,

Die viele Menschen erstürmen.Wer auch in die Lücke fallen mag,Die Todten sich niemals thürmen.

Wenn einer schiftet und reiset,

Sammelt er nach und nach immer ein,Was sich am Leben, mit mancher Pein,Wieder ausschälet und weiset.

Der Mensch erfährt, er sey auch, wer er mag,Ein letztes Glück und einen letzten Tag.

Das Glück deiner TageWäge nicht mit der Goldwage.

Wirst du die Krämerwage nehmen,

So wirst du dich schämen und dich bequemen.

Hast du einmal das Rechte gethan,

Und sieht ein Feind nur Scheeles daran,So wird er gelegentlich, spät oder früh,Dasselbe thun, er weiß nicht wie.

Willst du das Gute thun, mein Sohn,So lebe nur lange, da giebt sich's schon;Solltest du aber zu früh ersterben,

Wirst du von Künftigen Dank erwerben.