Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Wer dem Publicum dient, ist ein armes Thier;Er quält sich ab, niemand bedankt sich dafür.

Sprüche in Reimen.

Doch das ist gar kein groß Verdienst;Denn Liebe bleibt der höchste Gewinnst.

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Gleich zu seyn unter Gleichen,

Das läßt sich schwer erreichen:

Du müßtest ohne Verdrießen,

Wie der Schlechteste zu seyn dich entschließen.

Man kann nicht immer zusammen stehn,Am wenigsten mit großen Haufen.

Seine Freunde, die läßt man gehn,

Die Menge läßt man laufen.

Du magst an dir das Falsche nähren,Allein wir lasten uns nicht stören;

Du kannst uns loben, kannst uns schelten,Wir lassen es nicht für das Rechte gelten.

Man soll sich nicht mit Spöttern befassen;Wer will sich für 'neu Narren halten lassen!Darüber muß man sich aber zerreißen,

Daß man Narren nicht darf Narren heißen.

Christkindlein trägt die Sünden der Welt,Sanct Christoph das Kind über Wasser hält;Sie haben es beid' uns angethan,

Es geht mit uns von vornen an.

Epheu und ein zärtlich GemüthHeftet sich an und grünt und blüht.

Kann es weder Stamm noch Mauer finden,Es muß verdorren, es muß verschwinden.

Zierlich Denken und süß ErinnernIst das Leben im tiefsten Innern.

Ich träumt' und liebte sonnenklar;Daß ich lebte, ward ich gewahr.

Wer recht will thun immer und mit Lust,Der hege wahre Lieb' in Sinn und Brust.

Die Zeit sie mäht so Rosen als Dornen,Aber das treibt immer wieder von vornen.

Genieße, was der Schmerz dir hinterließ!Ist Noth vorüber, sind die Nöthe süß.

Glückselig ist, wer Liebe rein genießt,

Weil doch zuletzt das Grab so Lieb' als Haß verschließt.

Viele Lieb' hab' ich erlebet,

Wenn ich liebelos gestrebet;

Und Verdrießliches erworben,Wenn ich fast für Lieb' gestorben.So du es zusammengezogen,Bleibet Suläo dir gewogen.

Thut dir jemand was zu lieb,Nur geschwinde, gieb nur, gieb!Wenige getrost erwartenDankesblume aus stillem Garten.

Doppelt giebt, wer gleich giebt,Hundertfach, der gleich giebtWas man wünscht und liebt.

Warum zauderst du so mit deinen Schritten?"Nur ungern mag ich ruhn;

Will ich aber was Gutes thun,

Muß ich erst um Erlaubniß bitten.

Was willst du lange vigiliren,Dich mit der Welt herumvexiren?Nur Heiterkeit und grader SinnVerschafft dir endlichen Gewinn.

Wenp wohl das Glück die schönste Palme beut?Wer freudig thut, sich des Gethanen freut.

Wann magst du dich am liebsten bücken?Dem Liebchen Frühlingsblume zu Pflücken.

Gleich ist alles versöhnt,

Wer redlich ficht, wird gekrönt.