Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Svrüche in Reimen.

191

Daß Gliick ihm günstig sey,Was hilst's dem Stoffel?Denn regnet's Brei,

Fehlt ihm der Löffel.

Dichter gleichen Bären,

Die immer an eignen Pfoten zehren.

Die Welt ist nicht aus Brei und Mus geschaffen,Deßwegen haltet euch nicht wie Schlaraffen;Harte Bissen giebt es zu kauen:

Wir müssen erwürgen oder sie verdauen.

Ein kluges Volk wohnt nah dabei,

Das immerfort sein Bestes wollte;

Es gab dem niedrigen Kirchthurm Brei,Damit er größer werden sollte.

Sechs und zwanzig Groschen gilt mein Thaler!Was heißt ihr mich denn einen Prahler?

Habt ihr doch andre nicht gescholten,

Deren Groschen einen Thaler gegolten.

Niederträchtigers wird nichts gereicht,Als wenn der Tag den Tag erzeugt.

Was hat dir das arme Glas gethan?Sieh deinen Spiegel nicht so häßlich an.

Liebesbücher und JahrgedichteMachen bleich und hager;

Frösche Plagten, sagt die Geschichte,Pharaonen! auf seinem Lager.

So schließen wir, daß in die Läng'Euch nicht die Ohren gellen,

Vernunft ist hoch, Verstand ist streng,Wir rasseln drein mit Schellen.

Diese Worte sind nicht alle in Sachsen,Noch auf meinem eignen Mist gewachsen,Doch, was für Samen die Fremde bringt,Erzog ich im Lande gut gedüngt.

Und selbst den Leuten än bon tonIst dieses Büchlein lustig erschienen:Es ist kein 6Iobs cke Loinpression,Sind lauter Flatterminen.

Zahme Feinen.

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HORXF. 8erm. II, I. V. 30. 6te.

I.

Ich rufe dich, verrufnes Wort,

Zur Ordnung auf des Tags:

Denn Wichte, Schelme solchen Schlags,

Die wirken immer fort.

Warum willst du dich von uns allenUnd unsrer Meinung entfernen?"

Ich schreibe nicht euch zu gefallen,

Ihr sollt was lernen!

Ist denn das klug und wohlgethan?

Was willst du Freund und Feinde kränken!"Erwachsne gehn mich nichts mehr an,

Ich muß nun an die Enkel denken.

Und sollst auch du und du und duNicht gleich mit mir zerfallen;Was ich dem Enkel zu Liebe thu',Thu' ich euch allen.

Verzeiht einmal dem raschen WortUnd so verzeiht dem Plaudern;Denn setz» wär's nicht ganz am OrtWie bis hieher zu zaudern.

Wer in der Weltgeschichte lebt,

Dem Augenblick sollt' er sich richten?

Wer in die Zeiten schaut und strebt,

Nur der ist werth zu sprechen und zu dichten.

Sag' mir, worauf die Bösen sinnen?"Andern den Tag zu verderben,

Sich den Tag zu gewinnen:

Das, rneinen sie, heiße erwerben.