Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Sprüche ln Reimen.

Der Ost hat sie schon längst verschlungen:Kalidas und andere sind durchgerungen;

Sie haben mit Dichterzierlichkeit'

Bon Pfaffen und Fratzen uns befreit.

In Indien möcht' ich selber leben,

Hätt' es nur keine Steinhauer gegeben.

Was will man denn vergnüglicher wissen!Sakontala, Nala, die muß man küssen;

Und Mega-Dhuta, den Wolkengesandten,

Wer schickt ihn nicht gerne zu Seelenverwandten!

Willst du, was doch Genesene preisen,Das Eisen und handhabende WeisenSo ganz entschieden fliehen und hassen?"Da Gott mir höhere Menschheit gönnte,Mag ich die täppischen ElementeNicht verkehrt auf mich wirken lassen.

Als hätte, da wär' ich sehr erstaunt,

Der Nabel mir was in's Ohr geraunt,

Ein Rad zu schlagen, auf'm Kopf zu stehn,Das mag für lustige Jungen gehn;

Wir aber lassen es wohl beim Alten:

Den Kopf wo möglich oben zu halten.

Die Deutschen sind ein gut Geschlecht,Ein jeder sagt, will nur, was recht;Recht aber soll vorzüglich heißen,

Was ich und meine Gevattern preisen;Das übrige ist ein weitläufig Ding,Das schätz' ich lieber gleich gering.

Ich habe gar nichts gegen die Menge;Doch kommt sie einmal in's Gedränge,So ruft sie, um den Teufel zu bannen,Gewiß die Schelme, die Tyrannen.

Seit sechzig Jahren seh' ich gröblich irren,Und irre derb mit drein;

Da Labyrinthe nun das Labyrinth verwirren,Wo soll euch Ariadne seyn?

Wie weit soll das noch gehn!Du fällst gar oft in's Abstruse,Wir können dich nicht verstehn."Deßhalb thu' ich Buße!

Das gehört zu den Sünden.Seht mich an als Propheten!Viel Denken, mehr EmpfindenUnd wenig Reden.

Was ich sagen wollt',

Verbietet mir keine Censur!

Sagt verständig immer nur,

Was jedem frommt,

Was ihr und andere sollt;

Da kommt,

Ich versichr' euch, so viel zur Sprache,Was uns beschäftigt auf lange Tage.

O Freiheit süß der Presse!

Nun sind wir endlich froh;

Sie pocht von Messe zu MesseIn äuloi jnlnlo.

Kommt, laßt uns alles drucken,Und walten für und für;

Nur sollte keiner mucken,

Der nicht so denkt wie wir.

Was euch die heilige Preßfreiheit

Für Frommen, Vortheil und Früchte beut?

Davon habt ihr gewisse Erscheinung:

Tiefe Verachtung öffentlicher Meinung.

Nicht jeder kann alles ertragen:

Der weicht diesem, der jenem aus;

Warum soll ich nicht sagen:

Die Indischen Götzen, die sind mir ein Graus.

Nichts schrecklicher kann den Menschen geschehn,Als das Absurde verkörpert zu sehn.

Dummes Zeug kann man viel reden,Kann es auch schreiben,

Wird weder Leib noch Seele tödten,Es wird alles beim Alten bleiben;Dummes aber, vor's Auge gestellt,Hat ein magisches Recht:

Weil es die Sinne gefesselt hält,Bleibt der Geist ein Knecht.

Auch diese will ich nicht verschonen,

Die tollen Höhlexcavationen,

Das düstre Troglodytengewühl,

Mit Schnauz' und Rüssel ein albern Spiel;Verrückte Zierrathbrauerei,

Es ist eine saubre Bauerei.

Nehme sie niemand zum Exempel,

Die Elephanten- und Fratzentempel!

Mit heiligen Grillen trieben sie Spott,

Man fühlt weder Natur noch Gott.