Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Sprüche in Reimen.

199

Zahme Xenien.in.

Gönnet immer fort und fortBakis eure Gnade:

Des Propheten tiefstes Wort,Oft ist's nur Charade.

Willst du dich als Dichter beweisen,

So mußt du nicht Helden noch Hirten Preisen.Hier ist Rhodus! Tanze, du Wicht,

Und der Gelegenheit schaff' ein Gedicht!

Man mäkelt an der Persönlichkeit,Vernünftig, ohne Scheu;

Was habt ihr denn aber, was euch erfreut,Als eure liebe Persönlichkeit?

Sie sey auch, wie sie sey.

Wer etwas taugt, der schweige still,

Im Stillen giebt sich's schon;

Es gilt, man stelle sich, wie man will,Doch endlich die Person.

„Was heißt du denn Sünde?" —Wie jedermann,

Wo ich finde,

Daß man's nicht lassen kann.

Hätte Gott mich anders gewollt,

So hätt' er mich anders gebaut;

Da er mir aber Talent gezollt,

Hat er mir viel vertraut.

Ich brauch' es zur Rechten und Linken,Weiß nicht, was daraus kommt;Wenn's nicht mehr frommt,

Wird er schon winken.

An unsers himmlischen Vaters TischGreift wacker zu und bechert frisch:Denn Gut' und Böse sind abgespeist,Wenn's: äsest eees DiduUns! heißt.

Sage mir keiner:

Hier soll ich Hausen!Hier, mehr als draußen,Bin ich alleiner.

Die ächte ConversationHält weder früh noch Abend Stich;In der Jugend sind wir monoton,Im Alter wiederholt man sich.

„Alter Mond, in deinen PhasenBist du sehr zurückgesetzt."Freunde, Liebchen auch zuletzt,Haben nichts als Phrasen.

„Du hast dich dem allerverdrießlichsten TriebIn deinen Lenien übergeben."

Wer mit XXII den Werther schrieb.

Wie will der mit bXXII leben!

Erst singen wir: der Hirsch so freiFährt durch die Wälder — Lalla bei —Mit vollem Wohlbehagen;

Doch sieht es schon bedenklich aus,

Wird aus dem Hirsch ein Hirsche I,,Hat viel mehr Enden zu tragen!

In Lebenswald und DickichtgrausEr weiß nicht da noch dort hinaus,

Das geht auf einen Hirsche hinaus.Heil unsern alten Tagen!!!

Habt ihr das alles recht bedacht?

So wie der Tag ist wohl vollbracht,Ist keiner überzählig;

Verstand und Sinn ist hehr und weit,Doch wird euch, zu gelegner Zeit,

Auch das Absurde fröhlich.

Fehlst du, laß dich's nicht betrüben;Denn der Mangel führt zum Lieben:Kannst dich nicht vom Fehl befrein,Wirst du andern gern verzechn.

Die Jugend verwundert sich sehr,

Wenn Fehler zum Nachtheil gedeihen;

Sie faßt sich, sie denkt zu bereuen!

Im Alter erstaunt und bereut man nicht mehr.

„Wie mag ich gern und lange leben?"Mußt immer nach dem Trefflichsten streben:Des unerkannt Trefflichen wirket so viel,Und Zeit und Ewigkeit legt ihm kein Ziel.