Sprüche in Reimen.
Alt-Thümer fmd ein böses Ding,
Ich schätze sie aber nicht gering;
Wenn nur Neu-Thümer, in allen Ehren,Auch um so vieles besser wären.
„Jrr-Thümer sollen uns plagen?
Ist nicht an unser Heil gedacht?"Halb-Thümer solltet ihr sagen,
Wo halb und halb kein Ganzes macht.
Auf Pergament Lieb' und Haß geschrieben,Ist was wir heute hassen und lieben;
Wo käme Lieb' und Haß denn her,
Wenn er nicht schon von Alters wär' I
Sagt nur nichts halb:Ergänzen, welche Pein!Sagt nur nichts grob:
Das Wahre spricht sich rein.
„Entferne dich nicht ganz und gar,Beruhige dich in unserm Orden!"Es ist alles noch, wie es war,
Nur ist es verworrner geworden.Und was man für bedeutend hält,Ist alles auf schwache Füße gestellt.
Was mich tröstet in solcher Noth:Gescheidte Leute sie finden ihr Brod,Tüchtige Männer erhalten das Land,Hübsche Mädchen verschlingen das Band;Wird dergleichen noch ferner geschehn,
So kann die Welt nicht untergehn.
„Wie hast du an der Welt noch Lust,
Da alles schon dir ist bewußt?"
Gar wohl! das Dümmste was geschicht,Weil ich es weiß, verdrießt mich nicht.
Mich könnte dieß und das betrüben,
Hätt' ich's nicht schon in Bersen geschrieben.
Zum starren Brei erweitertSah ich den See gar eben:
Ein Stein hineingeschleudertKonnte keine Ringe geben.
Ein Wuthmeer sah ich: schwellend,Gischend zum Strand es fuhr!
Der Fels, hinab zerschellend,
Ließ eben auch keine Spur.
Dreihundert Jahre sind vorbei,Werden auch nicht wieder kommen,Sie haben Böses, frank und frei,Auch Gutes mitgenommen;lind doch von beiden ist auch euchDer Fülle g'nug geblieben:
Entzieht euch dem verstorbnen Zeug,Lebend'ges laßt uns lieben!
Nichts ist zarter als die Vergangenheit;Rühre sie an wie ein glühend Eisen:Denn sie wird dir sogleich beweisen,Du lebest auch in heißer Zeit.
Dreihundert Jahre sind vor der Thüre,Und wenn man das alles mit erführe,Erführe man nur in solchen JahrenWie wir zusammen in dreißig erfahren.
Lieb' und Leidenschaft können verfliegen,Wohlwollen aber wird ewig siegen.
„Entfernst du dich, du liebe Seele,Wie viel ist uns entrissen!"
Wenn ich euch auch nicht fehle,Werdet ihr mich immer vermissen.
Ein Mann, der Thränen streng entwöhnt,Mag sich ein Held erscheinen;
Doch wenn's im Innern sehnt und dröhnt,Geb' ihm ein Gott — zu weinen.
„Du hast Unsterblichkeit im Sinn;Kannst du uns deine Gründe nennen?"Gar wohl! Der Hauptgrund liegt darin,Daß wir sie nicht entbehren können.
Der Sinn ergreift und denkt sich was,Die Feder eilt hiernach zu walten:
Ein flüchtig Bild, es ist gefaßt,
Allein es läßt sich nicht erhalten.
All unser redlichstes BemühnGlückt nur im unbewußten Momente;Wie möchte denn die Rose blühn,
Wenn sie der Sonne Herrlichkeit erkennte!