Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Sprüche in Reime».

Dem klugen WichtMhrt's in's GesichtUnd in die Nase.

Gränzlose LebenspeinFast, fast erdrückt sie mich!Das wollen alle Herren seyn,Und keiner ist Herr von sich.

Und wenn man auch den Tyrannen ersticht,Ist immer noch viel zu verlieren.

Sie gönnten Cäsarn das Reich nicht,

Und wußten's nicht zu regieren.

Warum mir aber in neuster WeltAnarchie gar so wohl gefällt?

Ein jeder lebt nach seinem Sinn,

Das ist nun also auch mein Gewinn.Ich lass' einem jeden sein Bestreben,Um auch nach meinem Sinne zu leben.

Da kann man stank und fröhlich leben:Niemanden wird Recht gegeben,

Dafür giebt man wieder niemand Recht,Macht's eben gut, macht's eben schlecht;Im Ganzen aber, wie man sieht,

Im Weltlauf immer doch etwas geschieht.Was Kluges, Dummes auch je geschah,Das nennt man Welthistoria:

Und die Herrn Bredow's künft'ger ZeitenWerden daraus Tabellen bereiten,

Darin studirt die Jugend mit Fleiß,

Was sie nie zu begreifen weiß.

Wie es in der Welt so gehtWeiß man, was geschah?

Und was auf dem Papiere steht,Das steht eben da.

Das Weltregiment über NachtSeine Formen hab' ich durchgedacht.

Den hehren Despoten lieb' ich im Krieg;Verständigen Monarchen gleich hinter dem Sieg;Dann wünscht' ich jedoch, daß alle die TrautenSich nicht gleich neben und mit ihm erbauten.

Und wie ich das hoffe, so kommt mir die Menge,Nimmt hüben und drüben mich derb in's Gedränge;Von da verlier' ich alle Spur.

Was will mir Gott für Lehre daraus gönnen?

Daß wir uns eben alle nurAuf kurze Zeit regieren können.

Und wenn er ganz gewaltig nies't,

Wer weiß, was dann daher entsprießt,Und was er alles mache;

Besinnung aber hinterdrein,

Verstand, Vernunft, wo möglich rein,Das ist die rechte Sache.

Soll nun euch immer und immer beplappern?Gewinnt ihr nie einen freien Blick?

Sie stieren, daß ihnen die Zähne klappern,Das heißen sie nachher Kritik.

Du sagst gar wunderliche Dinge!"Beschaut sie nur, sie sind geringe;

Wird Vers und Reim denn angeklagt,Wenn Leben und Prosa das Tollste sagt?

Du gehst so freien Angesichts,Mit muntern offnen Augen!"Ihr tauget eben alle nichts,Warum sollt' ich was taugen?

Warum bist du so hochmllthig?

Hast sonst nicht so die Leute gescholten!"Wäre sehr gerne demüthig,

Wenn sie mich nur so lassen wollten.

Wenn ich dumm bin, lassen sie mich gelten;Wenn ich recht hab', wollen sie mich schelten.

Ueberzeugung soll mir niemand rauben;Wer's besser weiß, der mag es glauben.

Dem ist es schlecht in seiner Haut,Der in seinen eignen Busen schaut.

Wohin wir bei unsern GebrestenUns im Augenblick richten sollen?"Denke nur immer an die Besten,Sie mögen stecken, wo sie wollen.

Ich tadl' euch nicht,Ich lob' euch nicht;Aber ich spaße;