Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Sprüche in Reimen.

So ist denn. eh' man sich's versah.

Der Pater Kircher wieder da.

Will mich jedoch des Worts nicht schämen:Wir tasten ewig an Problemen.

Keine Gluthen. keine MeereGeb' ich in dem Innern zu;

Doch allherrschend waltet Schwere,Sticht verdammt zu Tod und Ruh.Vom lebendigen Gott lebendig.Durch den Geist, der alles regt,Wechselt sie. nicht unbeständig,Immer in sich selbst bewegt.

Seht nur hin! Ihr werdet's fassen:Wenn Merkur sich hebt und neigt.Wird im Anziehn, im Entlassen,Atmosphäre schwer und leicht.

Mir genügt nicht eure Lehre:

Ebb' und Fluch der Atmosphäre,Denk' sich's jeder, wie er kann!Will mich nur an Hermes halten;Denn des Barometers WaltenIst der Witterung Tyrann.

Westen mag die Luft regieren,

Sturm und Fluch nach Osten führen,Wenn Mercur sich schläfrig zeigt;Aller Elemente Toben,

Osther ist es aufgehoben,

Wenn er aus dem Schlummer steigt.

Das Leben wohnt in jedem Sterne:Er wandelt mit den andern gerneDie selbsterwählte reine Bahn;

Im innern Erdenball PulsirenDie Kräfte, die zur Nacht uns führenUnd wieder zu dem Tag heran.

Wenn im Unendlichen dasselbeSich wiederholend ewig fließt,

Das tausendfältige GewölbeSich kräftig in einander schließt;Strömt Lebenslust aus allen Dingen,Dem kleinsten wie dem größten Stern,Und alles Drängen, alles RingenIst ewige Ruh' in Gott dem Herrn.

Nachts, wann gute Geister schweifen,Schlaf dir von der Stirne streifen,Mondenlicht und SternenflimmernDich mit ewigem All umschimmern,Scheinst du dir entkörpert schon,Wagest dich an Gottes Thron.

Aber wenn der Tag die WeltWieder auf die Füße stellt,Schwerlich möcht' er dir's erfüllenMit der Frühe bestem Willen;

Zu Mittag schon wandelt sichMorgentraum gar wunderlich.

Sey du im Leben wie im WissenDurchaus der reinen Fahrt beflissen;

Wenn Sturm und Strömung stoßen, zerr'n,Sie werden doch nicht deine Herrn;

Compaß und Polstern, ZeitenmesserUnd Sonn' und Mond verstehst du besser,Vollendest so nach deiner ArtMit stillen Freuden deine Fahrt.

Besonders wenn dich's nicht verdrießt,

Wo sich der Weg im Kreise schließt;

Der Weltumsegler freudig trifftDen Hafen, wo er ausgeschifft.

Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis,Wenn man ihn wohl zu Pflegen weiß!

Wenn Kindesblick begierig schaut,

Er findet des Vaters Haus gebaut;

Und wenn das Ohr sich erst vertraut,

Ihm tönt der Muttersprache Laut;

Gewahrt er dieß und jenes nah,

Man fabelt ihm, was fern geschah,

Umfittigt ihn, wächst er heran;

Er findet eben alles gethan;

Man rühmt ihm dieß, man Preist ihm das:Er wäre gar gern auch etwas;

Wie er soll wirken, schaffen, lieben,

Das steht ja alles schon geschriebenUnd, was noch schlimmer ist, gedruckt.

Da steht der junge Mensch verducktUnd endlich wird ihm offenbar:

Er sey nur, was ein andrer war.

Gern wär' ich Ueberliefrung losUnd ganz original;

Doch ist das Unternehmen großUnd führt in manche Qual.