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Maximen und Reflexionen.
In sieben Abtheilungen.
Erste Abtheilung.
Alles Gescheidte ist schon gedacht worden, man muß nurversuchen, es noch einmal zu denken.
Wie kann man sich selbst kennen lernen? Durch Betrachtenniemals, wohl aber durch Handeln. Versuche deine Pflicht zuthun, und du weißt gleich, was an dir ist.
Was aber ist deine Pflicht? Die Forderung des Tages.
Die vernünftige Welt ist als ein großes unsterbliches Indi-viduum zu betrachten, das unaufhaltsam das Nothwendige be-wirkt und dadurch sich sogar über das Zufällige zum Herrnmacht.
Mir wird, je länger ich lebe, immer verdrießlicher, wennich den Menschen sehe, der eigentlich auf seiner höchsten Stelle daist, um der Natur zu gebieten, um sich und die Seinigen vonder gewaltthätigen Nothwendigkeit zu befreien; wenn ich sehe,wie er aus irgend einem vorgefaßten falschen Begriff gerade dasGegentheil thut von dem, was er will, und sich alsdann, weildie Anlage im Ganzen verdorben ist, im Einzelnen kümmerlichherum Pfuschet.
Tüchtiger thätiger Mann verdiene dir und erwarte:von den Großen — Gnade,von den Mächtigen — Gunst,von Thätigen und Guten — Förderung,von der Menge — Neigung,von dem Einzelnen — Liebe.
Sage mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer dubist; weiß ich, womit du dich beschäftigst, so weiß ich, was ausdir werden kann.
Jeder Mensch muß nach seiner Weise denken: denn er findetauf seinem Wege immer ein Wahres, oder eine Art von Wahrem,die ihm durch's Leben hilft; nur darf er sich nicht gehen lassen; ermuß sich controliren; der bloße nackte Jnstinct geziemt nicht demMenschen.
Unbedingte Thätigkeit, von welcher Art sie sey, macht zu-letzt bankerott.
In den Werken des Menschen, wie in denen der Natur,sind eigentlich die Absichten vorzüglich der Aufmerksamkeit werth.
Die Menschen werden an sich und andern irre, weil sie dieMittel als Zweck behandeln, da denn vor lauter Thätigkeit garnichts geschieht oder vielleicht gar das Widerwärtige.
Was wir ausdenken, was wir vornehmen, sollte schon voll-kommen so rein und schön seyn, daß die Welt nur daran zu ver-derben hätte; wir blieben dadurch in dem Vortheil, das Verscho-bene zurecht zu rücken, das Zerstörte wieder herzustellen.
Ganze, Halb- und Viertels-Jrrthümer sind gar schwer undmühsam zurecht zu legen, zu sichten und das Wahre daran dahinzu stellen, wohin es gehört.
Es ist nicht immer nöthig, daß das Wahre sich verkörpere;schon genug, wenn es geistig umher schwebt und Uebereinstimmungbewirkt, wenn es wie Glockenton ernst freundlich durch die Lüftewogt.