Sprüche in Prosa.
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Wenn ich mich in einer mittleren oder großen Stadt umseheund bemerke, wo denn die Menschen sich hinwenden, um ihrenAbend zuzubringen, so findet sich immer, daß man dahin geht,wo man grüßend begrüßt wird, wo man gerne hört und gehörtwird, wo man beim geselligen Gespräch und Spiel immer gewißist, seine Partie zu finden.
In diesem Sinne hab' ich mich mit dem literarischenConversationsblatt befreundet, das freilich nur als Con-versationsheft bei mir einzutreten verpflichtet ist. An Zer-streuung läßt es uns die Welt nicht fehlen; wenn ich lese, willich mich sammeln und nicht, wie jener Sultan von Indien, durchabgerupfte Mährchen hingehalten seyn.
Freundschaft kann sich bloß praktisch erzeugen, PraktischDauer gewinnen. Neigung, ja sogar Liebe, hilft alles nichtszur Freundschaft. Die wahre, die thätige, produktive bestehtdarin, daß wir gleichen Schritt im Leben halten, daß der Freundmeine Zwecke billigt, ich die seinigen, und daß wir s o unverrücktzusammen fortgehen, wie auch sonst die Differenz unserer Denk-nnd Lebensweise seyn möge.
Fünfte Abtheilung.
Man nimmt in der Welt jeden, wofür er sich gibt; aber ermuß sich auch für etwas geben. Man erträgt die Unbequemenlieber, als man die Unbedeutenden duldet.
Man kann der Gesellschaft alles aufdringen, nur nicht waseine Folge hat.
Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu unskommen; wir müssen zu ihnen gehen, um zu erfahren, wie es mitihnen steht.
Ich finde es beinahe natürlich, daß wir an Besuchendenmancherlei auszusetzen haben, daß wir sogleich, wenn sie weg sind,über sie nicht zum liebevollsten urtheilen: denn wir haben so zusagen ein Recht, sie nach unserm Maaßstabe zu messen. Selbstverständige und billige Menschen enthalten sich in solchen Fällenkaum einer scharfen Censur.
Wenn man dagegen bei Andern gewesen ist und hat sie mitihren Umgebungen, Gewohnheiten, in ihren nothwendigen, un-ausweichlichen Zuständen gesehen, wie sie um sich wirken, oderwie sie sich fügen; so gehört schon Unverstand und böser Willedazu, um das lächerlich zu finden, was uns in mehr als EinemSinne ehrwürdig scheinen müßte.'
Durch das, was wir Betragen und gute Sitten nennen, solldas erreicht werden, was außerdem nur durch Gewalt, oder auchnicht einmal durch Gewalt zu erreichen ist.
Der Umgang mit Frauen ist das Element guter Sitten.
Wie kann der Charakter, die Eigenthümlichkeit des Menschen,mit der Lebensart bestehen?
Das Eigenthümliche müßte durch die Lebensart erst rechthervorgehoben werden. Das Bedeutende will jedermann, nursoll es nicht unbequem seyn.
Die größten Vortheile im Leben überhaupt wie in der Gesell-schaft hat ein gebildeter Soldat.
Rohe Kriegsleute gehen wenigstens nicht aus ihrem Charak-ter , und weil doch meist hinter der Stärke eine Gutmüthigkeitverborgen liegt, so ist im Nothfall auch mit ihnen auszukommen.
Niemand ist lästiger als ein täppischer Mensch vom Civil-stande. Von ihm konnte man die Feinheit fordern, da er sichmit nichts Rohem zu beschäftigen hat.
Wenn wir mit Menschen leben, die ein zartes Gefühl fürdas Schickliche haben, so wird es uns Angst um ihretwillen,wenn etwas Ungeschicktes begegnet.
Es käme niemand mit der Brille auf der Nase in ein ver-trauliches Gemach, wenn er wüßte, daß den Frauen sogleich dieLust vergeht, ihn anzusehen und sich mit ihm zu unterhalten.
Zutraulichkeit an der Stelle der Ehrfurcht ist immer lächer-lich. Es würde niemand den Hut ablegen, nachdem er kaumdas Compliment gemacht hat, wenn er wüßte, wie komisch dasaussieht.
Es giebt kein äußeres Zeichen der Höflichkeit, das nicht einentiefen sittlichen Grund hätte. Die rechte Erziehung wäre, welchedieses Zeichen und den Grund zugleich überlieferte.
Das Betragen ist ein Spiegel, in welchem jeder sein Bild
zeigt-