Sxriiche in Prosa.
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Dieser Wirkung nach Außen folgt unmittelbar eine Rückwir-kung, es sey nun, daß Liebe uns zu fördern suche, oder Haß unszu hindern wisse. Dieser Conflict bleibt sich im Leben ziemlichgleich, indem ja der Mensch sich gleich bleibt und eben so allesdasjenige, was Zuneigung oder Abneigung an seiner Art zu seynempfinden muß.
Was Freunde mit und für uns thun, ist auch ein Erlebtes;denn es stärkt und fördert unsere Persönlichkeit. Was Feindegegen uns unternehmen, erleben wir nicht, wir ersahren's nur,lehnen'« ab und schützen uns dagegen, wie gegen Frost, Sturm,Regen und Schloßenwetter, oder sonst äußere Uebel, die zu er-warten sind.
Man mag nicht mit jedem leben, und so kann man auchnicht für jeden leben; wer das recht einsieht, wird seine Freundehöchlich zu schätzen wissen, seine Feinde nicht hassen noch verfol-gen, vielmehr erlangt der Mensch nicht leicht einen größeren Vor-theil, als wenn er die Vorzüge seiner Widersacher gewahr werdenkann; dieß giebt ihm ein entschiedenes Uebergewicht über sie.
Gehen wir in die Geschichte zurück, so finden wir überallPersönlichkeiten, mit denen wir uns vertrügen, andere, mit denenwir uns gewiß in Widerstreit befänden.
Das Wichtigste bleibt jedoch das Gleichzeitige, weil es sich inuns am reinsten abspiegelt, wir uns in ihm.
Cato ward in seinöm Alter gerichtlich angeklagt, da er dennin seiner Vertheidigungsrede hauptsächlich hervorhob, man könnesich vor niemand vertheidigen, als vor denen, mit denen mangelebt habe. Und er hat vollkommen Recht; wie will eine Juryaus Prämissen urtheilen, die ihr ganz abgehen? wie will sie sichüber Motive berathen, die längst schon hinter ihr liegen?
Das Erlebte weiß jeder zu schätzen, am meisten der Denkendeund Nachsinnende im Alter; er fühlt, mit Zuversicht und Be-haglichkeit, daß ihm das niemand rauben kann.
So ruhen meine Naturstudien auf der reinen Basis desErlebten; wer kann mir nehmen, daß ich 1749 geboren bin, daßich (um vieles zu überspringen) mich aus Erxleben's Natur-lehre erster Ausgabe treulich unterrichtet, daß ich den Zuwachsder übrigen Editionen, die sich durch Lichtenberg's Aufmerksam-keit gränzenlos anhäuften, nicht etwa im Druck zuerst gesehen,sondern jede neue Entdeckung im Fortschreiten sogleich vernommenund erfahren; daß ich Schritt vor Schritt folgend, die großenEntdeckungen der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhundertsbis auf den heutigen Tag, wie einen Wunderstern nach dem an-dern vor mir aufgehen sehe. Wer kann mir die heimliche Freudenehmen, wenn ich mir bewußt bin, durch fortwährendes, auf-
merksames Bestreben, mancher großen, weltüberraschenden Ent-deckung selbst so nahe gekommen zu seyn, daß ihre Erscheinunggleichsam aus meinem eignen Innern hervorbrach, und ich nundie wenigen Schritte klar vor mir liegen sah, welche zu wagenich in düsterer Forschung versäumt hatte.
Wer die Entdeckung der Luftballone mit erlebt hat, wirdein Zeugniß geben, welche Weltbewegung daraus entstand,welcher Antheil die Luftschiffer begleitete, welche Sehnsucht inso viel tausend Gemüthern hervordrang, an solchen längst voraus-gesetzten, vorausgesagten, immer geglaubten und immer un-glaublichen, gefahrvollen Wanderungen Theil zu nehmen; wiefrisch und umständlich jeder einzelne glückliche Versuch die Zei-tungen füllte, zu Tagesheften und Kupfern Anlaß gab; welchenzarten Antheil man an den unglücklichen Opfern solcher Versuchegenommen. Dieß ist unmöglich selbst in der Erinnerung wiederherzustellen, so wenig als wie lebhaft man sich für einen vordreißig Jahren ausgebrochenen höchst bedeutenden Krieg in-tereffirte.
Die schönste Metempsychose ist die, wenn wir uns im Anden:wieder auftreten sehn.
Professor Zauper's deutsche Poetik aus Goethe, sowie der Nachtrag zu derselben, Wien 1822, darf dem Dichterwohl einen angenehmen Eindruck machen; es ist ihm, als wenner an Spiegeln vorbeiginge und sich im günstigsten Lichte darge-stellt erblickte.
Und wäre es denn anders? Was der junge Freund an unserlebt, ist ja gerade Handlung und That, Wort und Schrift, dievon uns in glücklichen Momenten ausgegangen sind, zu denenwir uns immer gern bekennen.
Gar selten thun wir uns selbst genug, desto tröstender ist esAndern genug gethan zu haben.
Wir sehen in unser Leben doch nur als ein zerstückelteszurück, weil das Versäumte, Mißlungene uns immer zuerst ent-gegentritt und das Geleistete, Erreichte in der Einbildungskraftüberwiegt.
Davon kommt dem teilnehmenden Jüngling nichts zur Er-scheinung; er sieht, genießt, benutzt die Jugend eines Vorfahrenund erbaut sich selbst daran aus dem Innersten heraus, als wenner schon einmal gewesen wäre, was er ist.
Auf ähnliche, ja gleiche Weise erfreuen mich die mannichfalti-gen Anklänge, die aus fremden Ländern an mich gelangen. FremdeNationen lernen erst später unsere Jugendarbeiten kennen; ihreJünglinge, ihre Männer, strebend und thätig, sehen ihr Bild