Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Sprüche in Prosa.

in unserm Spiegel, sie erfahren, daß wir das was sie wollen,auch wollten, ziehen uns in ihre Gemeinschaft und täuschen mitdem Schein einer rückkehrendcn Jugend.

Die Wissenschaft wird dadurch sehr zurückgehalten, daß mansich abgiebt mit dem, was nicht Wissenswerth, und mit dem, wasnicht wißbar ist.

Die höhere Empirie verhält sich zur Natur, wie der Men-schenverstand zum Praktischen Leben.

Vor den Urphänomenen, wenn sie unsern Sinnen enthüllterscheinen, fühlen wir eine Art von Scheu, bis zur Angst. Diesinnlichen Menschen retten sich in's Erstaunen; geschwind aberkommt der thätige Kuppler Verstand, und will auf seine Weisedas Edelste mit dem Gemeinsten vermitteln.

Die wahre Vermittlerin ist die Kunst. Ueber Kunst sprechenheißt die Vermittlerin vermitteln wollen, und doch ist uns daherviel Köstliches erfolgt.

Es ist mit den Ableitungsgründen wie mit den Eintheilungs-gründen: sie müssen durchgehen oder es ist gar nichts dran.

Auch in Wissenschaften kann man eigentlich nichts wissen, eswill immer gethan seyn.

Alles wahre Aperyu kömmt aus einer Folge und bringtFolge. Es ist ein Mittelglied einer großen productiv aufsteigen-den Kette.

Die Wissenschaft hilft uns vor allem, daß sie das Staunen,wozu wir von Natur berufen sind, einigermaßen erleichtere, so-dann aber, daß sie dem immer gesteigerten Leben neue Fertig-keiten erwecke, zu Abwendung des Schädlichen und Einleitungdes Nutzbaren.

Man klagt über wissenschaftliche Academien, daß sie nicht frischgenug in's Leben eingreifen; das liegt aber nicht an ihnen, son-dern an der Art die Wissenschaft zu behandeln überhaupt.