West-östlicher Diva».
Uebermacht, ihr könnt es spüren,Ist nicht aus der Welt zu bannen;Mir gefällt zu conversirenMit Gescheidten, mit Tyrannen.
Da die dummen EingeengtenImmerfort am stärksten pochten,Und die Halben, die BeschränktenGar zu gern uns unterjochten;
Hab' ich mich für frei erkläretVon den Narren, von den Weisen,Diese bleiben ungestärkt,
Jene möchten sich zerreißen.
Denken, in Gewalt und Liebs,Müßten wir zuletzt uns galten,Machen wir die Sonne trübeUnd erhitzen mir den Schatten.
Hafis auch und Ulrich HüttenMußten ganz bestimmt sich rüstenGegen braun' und blaue Kutten;Meine gehn wie andre Christen.
„Aber nenn' uns doch die Feinde!"Niemand soll sie unterscheiden:Denn ich hab' in der GemeindeSchon genug daran zu leiden.
Mich nach- und umzubilden, mißzubildenVersuchten sie seit vollen fünfzig Jahren;
Ich dächte doch, da konntest du erfahren,Was an dir sey in Vaterlandsgefilden.
Du hast getollt zu deiner Zeit mit wildenDämonisch genialen jungen Schaaren,
Dann sachte schloffest du von Jahr zu JahrenDich näher an die Weisen, göttlich-milden.
Wenn du auf dem Guten ruhst,Nimmer werd' ich's tadeln;Wenn du gar das Gute thust,Sieh, das soll dich adeln!
Hast du aber deinen ZaunUm dein Gut gezogen,
Leb' ich frei und lebe traunKeineswegs betrogen.
Denn die Menschen, sie sind gut,Würden besser bleiben,
Sollte nicht, wie's einer thut,Auch der andre treiben.
Auf dem Weg da ist's ein Wort,Niemand wird's verdammen:Wollen wir an Einen Ort,
Nun, wir gehn zusammen.
Vieles wird sich da und hieUns entgegen stellen.
In der Liebe mag man nieHelfer und Gesellen;
Geld und Ehre hätte manGern allein zur Spende;
Und der Wein, der treue Mann,
Der entzweit am Ende.
Hat doch über solches ZeugHafis auch gesprochen,
Ueber manchen dummen StreichSich den Kopf zerbrochen,
Und ich seh' nicht, was es frommtAus der Welt zu laufen,
Magst du, wenn's zum Schlimmsten kommt,Aus einmal dich raufen.
Als wenn das auf Namen ruhte,
Was sich schweigend nur entfaltet!
Lieb' ich doch das schöne Gute,
Wie es sich aus Gott gestaltet.
Jemand lieb' ich, das ist nöthig;
Niemand Hass' ich; soll ich hassen,
Auch dazu bin ich erbötig,
Hasse gleich in ganzen Massen.
Willst sie aber näher kennen?
Sieh' aus's Rechte, fleh' auf's Schlechte;Was sie ganz fürtrefflich nennen,
Ist wahrscheinlich nicht das Rechte.
Denn das Rechte zu ergreifenMuß man aus dem Grunde leben,
Und salbadrisch auszuschweifenDünket mich ein seicht Bestreben.
Wohl, Herr Knitterer, er kann sichMit Zersplittere! vereinen,
Und Verwittere! alsdann sichAllenfalls der Beste scheinen!
Daß nur immer in ErneuungJeder täglich Neues höre,
Und zugleich auch die ZerstreuungJeden in sich selbst zerstöre.
Dieß der Landsmann wünscht und liebet,Mag er Deutsch, mag Teutsch sich schreiben,Und das Lied nur heimlich piepet:
Also war es und wird bleiben.