West-östlicher Divcm.
Nun fühlt sie tief des Blicks GewaltenUnd unverwandt schaut sie hinauf;
Die Perlen wollen sich gestalten:
Denn jede nahm sein Bildniß auf.
Und so, umkränzt von Färb' und Bogen,Erheitert leuchtet ihr Gesicht,
Entgegen kommt er ihr gezogen;
Doch er, doch ach! erreicht sie nicht.
So, nach des Schicksals hartem Loose,Weichst du mir, Lieblichste, davon;
Und wär' ich Helios, der Große,
Was nützte mir der Wagenthron?
tlachklang.
Es klingt so Prächtig, wenn der DichterDer Sonne, bald dem Kaiser sich vergleicht;Doch er verbirgt die traurigen Gesichter,
Wenn er in düstern Nächten schleicht.
Von Wolken streifenhaft befangen,
Versank zu Nacht des Himmels reinstes Blau;Vermagert bleich sind meine WangenUnd meine Herzensthränen grau.
Laß mich nicht so der Nacht, dem Schmerze,Du Allerliebstes, du mein Mondgesicht,
O du mein Phosphor, meine Kerze,
Du meine Sonne, du mein Licht!
Suleika.
Ach, um deine feuchten Schwingen,West, wie sehr ich dich beneide:
Denn du kannst die Kunde bringen,Was ich in der Trennung leide!
Die Bewegung deiner FlügelWeckt im Busen stilles Sehnen; -Blumen, Auen, Wald und HügelStehn bei deinem Hauch in Thränen.
Doch dein mildes, sanftes WehenKühlt die wunden Augenlieder;
Ach, für Leid müßt' ich vergehen,Hofft' ich nicht zu sehn ihn wieder.
Eile denn zu meinem Lieben,
Spreche sanft zu seinem Herzen;Doch vermeid' ihn zu betrübenUnd verbirg ihm meine Schmerzen.
Sag' ihm, aber sag's bescheiden!Seine Liebe sey mein Leben;Freudiges Gefühl von beidenWird mir seine Nähe geben.
Wiederfinden.
Ist es möglich! Stern der Sterne,Drück' ich wieder dich an's Herz!
Ach, was ist die Nacht der FerneFür ein Abgrund, für ein Schmerz!Ja du bist es, meiner FreudenSüßer, lieber Widerpart!
Eingedenk vergangner Leiden,Schaudr' ich vor der Gegenwart.
Als die Welt im tiefsten GrundeLag an Gottes ew'ger Brust,
Ordnet' er die erste StundeMit erhab'ner Schöpfungslust.
Und er sprach das Wort: Es werde!Da erklang ein schmerzlich Ach!
Als das All mit MachtgeberdeIn die Wirklichkeiten brach.
Auf that sich das Licht: so trennteScheu sich Finsterniß von ihm,
Und sogleich die ElementeScheidend aus einander fliehn.
Rasch, in wilden, wüsten TräumenJedes nach der Weite rang,
Starr, in ungemeßnen Räumen,Ohne Sehnsucht, ohne Klang.
Stumm war alles, still und öde, ^Einsam Gott zum erstenmal!
Da erschuf er Morgenröthe,
Die erbarmte sich der Qual;
Sie entwickelte dem TrübenEin erklingend Farbenspiel,
Und nun konnte wieder lieben,
Was erst aus einander fiel.
Und mit eiligem BestrebenSucht sich, was sich angehört;
Und zu uugemeßnem LebenIst Gefühl und Blick gekehrt.
Sey's Ergreifen, sey es Raffen,Wenn es nur sich faßt und hält!Allah braucht nicht mehr zu schaffen?.Wir erschaffen seine Welt.
So mit morgenrothen Flügeln,
Riß es mich an deinen Mund,
Und die Nacht mit tausend SiegelnKräftigt sternenhell den Bund.