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Wcst-östlicher Diva«.
Er stieg zurück, nahm's wieder mit;
Sie aber hatten'« gut gefühlt,
Und jeder schrieb, so Schritt vor Schritt,Wie er's in seinem Sinn behielt,Verschieden. Es hat nichts zu bedeuten:Sie hatten nicht gleiche Fähigkeiten;
Doch damit können sich die ChristenBis zu dem jüngsten Tage fristen.
Es ist gut.
Bei Mondeschein im ParadeisFand Jehovah im Schlafe tief
Adam versunken, legte leisZur Seit' ein Evchen, das auch entschlief.Da lagen nun, in Erdeschranken,
Gottes zwei lieblichste Gedanken. —
Gut!!! rief er sich zum Meisterlohn,
Er ging sogar nicht gern davon.
Kein Wunder, daß es uns berückt,
Wenn Auge frisch in Auge blickt,
Als hätten wir's so weit gebracht,
Bei dem zu seyn, der uns gedacht.
Und ruft er uns, wohlan es sey!
Nur, das beding' ich, alle zwei.
Dich halten dieser Arme Schranken,Liebster von allen Gottesgedanken.
Parsi Nameh.
Buch des Parsen.
Vermächtniß altperstsches Glaubens.
Welch Vermächtniß, Brüder, sollt' euch kommenVon dem Scheidenden, dem armen Frommen,Den ihr Jüngeren geduldig nährtet,
Seine letzten Tage pflegend ehrtet?
Wenn wir oft gesehn den König reiten,
Gold an ihm und Gold an allen Seiten,Edelstein' auf ihn und seine GroßenAusgcsä't wie dichte Hagelschloßen,
Habt ihr jemals ihn darum beneidet?
Und nicht herrlicher den Blick geweidet,
Wenn die Sonne sich auf MorgenflügelnDarnawend's unzähligen Gipfelhügeln
Bogenhaft hervorhob? Wer enthielteSich des Blicks dahin? Ich fühlte, fühlteTausendmal, in so viel Lebenstagen,
Mich mit ihr, der kommenden, getragen.
Gott auf seinem Throne zu erkennen,
Ihn den Herrn des Lebensquells zu nennen,Jenes hohen Anblicks werth zu handelnUnd in seinem Lichte fortzuwandeln.
Aber stieg der Feuerkreis vollendet,
Stand ich als in Finsterniß geblendet,
Schlug den Busen, die erfrischten GliederWarf ich, Stirn voran, zur Erde nieder.
Und nun sey ein heiliges VermächtnißBrüderlichem Wollen und Gedächtniß;Schwerer Dien sie tägliche Bewahrung,Sonst bedarf er keiner Offenbarung.
Regt ein Neugeborner fromme Hände,
Daß man ihn sogleich zur Sonne wende,Tauche Leib und Geist im Feuerbade!
Fühlen wird er jedes Morgens Gnade.
Dem Lebendigen übergebt die Todten,
Selbst die Thiere deckt mit Schutt und Boden,Und, so weit sich eure Kraft erstrecket,
Was euch unrein dünkt, es sey bedecket.
Grabet euer Feld in's zierlich Reine,
Daß die Sonne gern den Fleiß bescheine;Wenn ihr Bäume Pflanzt, so sey's in Reihen,Denn sie läßt Geordnetes gedeihen.
Auch dem Wasser darf es in CanälenNie am Laufe, nie an Reine fehlen;
Wie euch Senderud aus BergreviercnRein entspringt, soll er sich rein verlieren.
Sanften Fall des Wassers nicht zu schwächen,Sorgt, die Gräben fleißig auszufischen;
Rohr und Binse, Molch und Salamander,Ungeschöpfe, tilgt sie mit einander!
Habt ihr Erd' und Wasser so im Reinen,
Wird die Sonne gern durch Lüste scheinen,
Wo sie, ihrer würdig aufgenommen,
Leben wirkt, dem Leben Heil und Frommen.
Ihr, von Müh' zu Mühe so gepeinigt,
Seyd getrost, nun ist das All gereinigt,
Und nun darf der Mensch als Priester wagen,Gottes Gleichniß aus dem Stein zu schlagen.