Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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West-östlicher Diran.

Huri.

Ja, reim' auch du nur unverdrossen,

Wie es dir aus der Seele steigt!

Wir paradiesischen Genossen

Sind Wort- und Thaten reinen Sinns geneigt.

Die Thiere, weißt du, sind nicht ausgeschlossen,

Die sich gehorsam, die sich treu erzeigt!

Ein derbes Wort kann Huri nicht verdrießen;

Wir suhlen, was vom Herzen spricht,

Und was aus frischer Quelle bricht,

Das darf im Paradiese fließen.

Nun, immer wedelnd, munter, brav,Mit seinem Herrn, dem braven,

Das Hündlein, das den Siebenschlaf

So treulich mit geschlafen.

Abuherrira's Katze hier

Knurrt um den Herrn und schmeichelt:Denn immer ist's ein heilig Thier,

Das der Prophet gestreichelt.

Huri.

Wieder einen Finger schlägst du mir ein!

Weißt du denn, wie viel Aeonen

Wir vertraut schon zusammen wohnen?

Höheres und Höchstes.

Daß wir solche Dinge lehren,

Möge man uns nicht bestrafen:

Wie das alles zu erklären,

Dürft ihr euer Tiefstes fragen.

Dichter.

Nein! Will's auch nicht wissen. Nein!

Mannichfaltiger frischer Genuß,

Ewig bräutlich keuscher Kuß!

Wenn jeder Augenblick mich durchschauert,

Was soll ich fragen, wie lang' es gedauert!

Und so werdet ihr vernehmen:

Daß der Mensch, mit sich zufrieden,Gern sein Ich gerettet sähe,

So dadroben wie hienieden.

Und mein liebes Ich bedürfteMancherlei Bequemlichkeiten;

Freuden wie ich hier sie schlürfte,

Huri.

Abwesend bist denn doch auch einmal,

Ich merk' es wohl, ohne Maaß und Zahl.

Hast in dem Weltall nicht verzagt,

An Gottes Tiefen dich gewagt;

Nun sey der Liebsten auch gewärtig!

Hast du nicht schon das Liebchen fertig?

Wie klang es draußen an dem Thor?

Wie klingt's? Ich will nicht stärker in dich dringen,

Sing' mir die Lieder an Suleika vor:

Denn weiter wirst dn's doch im Paradies nicht bringen.

Wünscht' ich auch für ew'ge Zeiten.

So gefallen schöne Gärten,

Blum' und Frucht und hübsche Kinder,Die uns allen hier gefielen,

Auch verjüngtem Geist nicht minder.

Und so möcht' ich alle Freunde,

Jung und alt, in Eins versammeln,Gar zu gern in deutscher SpracheParadiesesworte stammeln.

Begünstigte Thiere.

Doch man horcht nun Dialekten,

Wie sich Mensch und Engel kosen,

Der Grammatik, der versteckten,Declinirend Mohn und Rosen.

Vier Thieren auch verheißen war

Jn's Paradies zu kommen,

Dort leben sie das ew'ge Jahr

Mit Heiligen und Frommen.

Mag man ferner auch in Blicken

Sich rhetorisch gern ergehen,

Und zu himmlischem Entzücken

Ohne Klang und Ton erhöhen.

Den Vortritt hier ein Esel hat,

Er kommt mit muntern Schritten:

Denn Jesus zur Prophetenstadt

Auf ihm ist eingeritten.

Ton und Klang jedoch entwindet

Sich dem Worte selbstverständlich,

Und entschiedener empfindet

Der Verklärte sich unendlich.

Halb schüchtern kommt ein Wolf sodann,

Dem Mahomet befohlen:

Laß dieses Schaf dem armen Mann,

Dem Reichen magst dn's holen.

Ist somit dem Fünf der SinneVorgesehn im Paradiese,

Sicher ist es, ich gewinne

Einen Sinn für alle diese.