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Rciiiekc Fuchs.
Hörte beider Gesang, der, kaum begonnen, schon wiederEndete. Horchend wundert' ich mich, doch als ich hinzukam,Kannt' ich Reineken stracks, er hatte Lampen beim Kragen;
9a er hätt' ihm gewiß das Leben genommen, wofern ichNicht zum Glücke des Wegs gekommen wäre. Da steht er!
Seht die Wunden an ihm, dem frommen Manne, den keinerZu beleidigen denkt. Und will es unser Gebieter,
Wollt ihr Herren es leiden, daß so des Königes Friede,
Sein Geleit und Brief von einem Diebe verhöhnt wird,
O so wird der König und seine Kinder noch spätenVorwurf hören von Leuten, die Recht und Gerechtigkeit lieben.
Isegrim sagte darauf: So wird es bleiben, und leiderWird uns Reineke nie was Gutes erzeigen. O! läg' erLange todt; das wäre das Beste für friedliche Leute.
Aber wird ihm dießmal verziehen, so wird er in kurzemEtliche kiihnlich berücken, die nun es am wenigsten glauben.
Reinekens Neffe, der Dachs, nahm jetzt die Rede, und muthigSprach er zu Reinekens Bestem, so falsch auch dieser bekannt war.Alt und wahr, Herr Isegrim! sagt' er, beweis't sich das Sprich-wort:
Feindes Mund frommt selten. So hat auch wahrlich mein OheimEurer Worte sich nicht zu getrosten. Doch ist es ein Leichtes.Wär' er hier am Hofe so gut als ihr, und erfreut' erSich des Königes Gnade, so möcht' es euch sicher gereuen,
Daß ihr so hämisch gesprochen und alte Geschichten erneuert.Aber was ihr Uebels an Reineken selber verübet,
Uebergeht ihr; und doch es wissen es manche der Herren,
Wie ihr zusammen ein Bündniß geschloffen und beide versprochenAls zwei gleiche Gesellen zu leben. Das muß ich erzählen;Denn im Winter einmal erduldet' er große GefahrenEuretwegen. Ein Fuhrmann, er hatte Fische geladen,
Fuhr die Straße; ihr spürtet ihn aus und hättet um allesGern von der Waare gegessen. doch fehlt' es euch leider amGelde.
Da beredetet ihr den Oheim, er legte sich listig
Grade für todt in den Weg. Es war beim Himmel ein kühnes
Abentheuer! Doch merket, was ihm für Fische geworden.
Und der Fuhrmann kam und sah im Gleise den Oheim,
Hastig zog er sein Schwert, ihm eins zu versetzen; der KlugeRührt' und regte sich nicht, als wär' er gestorben; der FuhrmannWirft ihn auf seinen Karren, und freut sich des Balges im voraus.Ja das wagte mein Oheim für Isegrim; aber der FuhrmannFuhr dahin, und Reineke warf von den Fischen herunter.Isegrim kam von ferne geschlichen, verzehrte die FischeReineken mochte nicht länger zu fahren belieben; er hub sich,Sprang vom Karren und wünschte nun auch von der Beute zuspeisen.
Aber Isegrim hatte sie alle verschlungen; er hatteUeber Noth sich beladen, er wollte bersten; die GrätenLieß er allein zurück, und bot dem Freunde den Nest an.
Noch ein andres Stückchen! auch dieß erzähl' ich euch wahrhaft.Reineken war es bewußt, bei einem Bauer am NagelHing ein gemästetes Schwein, erst heute geschlachtet; das sagt' erTreu dem Wolfe: sie gingen dahin, Gewinn und GefahrenRedlich zu theilen. Doch Müh' und Gefahr trug jener alleinc.Denn er kroch zum Fenster hinein und warf mit Bemühen
Die gemeinsame Beute dem Wolf herunter; zum UnglückWaren Hunde nicht fern, die ihn im Hause verspürten,
Und ihm wacker das Fell zerzausten. Verwundet entkam er;Eilig sucht' er Isegrim aus und klagt' ihm sein Leiden,
Und verlangte sein Theil. Da sagte jener: Ich habeDir ein köstliches Stück verwahrt; nun mache dich drüber,
Und benage mir's wohl; wie wird das Fette dir schmecken!
Und er brachte das Stück; das Krummholz war es, der SchlächterHatte daran das Schwein gehängt; der köstliche BratenWar vom gierigen Wolfe, dem ungerechten, verschlungen.Reineke konnte vor Zorn nicht reden, doch was er sich dachte,Denket euch selbst. Herr König, gewiß, daß hundert unddrüber
Solcher Stückchen der Wolf an meinem Oheim verschuldet!Aber ich schweige davon. Wird Reineke selber gefordert,
Wird er sich besser vertheidigen. Indessen, gnädigster König,Edler Gebieter, ich darf es bemerken! Ihr habet, es habenDiese Herren gehört, wie thöricht Jsegrim's RedeSeinem eignen Weibe und ihrer Ehre zu nah tritt,
Die er mit Leib und Leben beschützen sollte. Denn freilichSieben Jahre sind's her und drüber, da schenkte mein OheimSeine Lieb' und Treue zum guten Theile der schönenFrauen Gieremund; solches geschah beim nächtlichen Tanze;Isegrim war verreist, ich sag' es, wie mir's bekannt ist.Freundlich und höflich ist sie ihm oft zu Willen geworden.
Und was ist es denn mehr? Sie bracht' es niemals zur Klage,Ja sie lebt und befindet sich wohl: was macht er für Wesen?Wär' er klug, so schwieg' er davon; es bringt ihm nur Schande.Weiter! sagte der Dachs. Nun kommt das Mährchen vomHasen!
Eitel leeres Gewäsche! Den Schüler sollte der MeisterEtwa nicht züchtigen, wenn er nicht merkt und übel bestehet?Sollte man nicht die Knaben bestrafen, und ginge der Leichtsinn,Ginge die Unart so hin, wie sollte die Jugend erwachsen?
Nun klagt Wackerlos, wie er ein Würstchen im Winter verlorenHinter der Hecke; das sollt' er nur lieber im Stillen verschmerzen;Denn wir hören es ja, sie war gestohlen; zerronnen,
Wie gewonnen; und wer kann meinem Oheim verargen,
Daß er gestohlenes Gut dem Diebe genommen? Es sollenEdle Männer von hoher Geburt sich gehässig den DiebenUnd gefährlich erzeigen. Ja hätt' er ihn damals gehangen,
War es verzeihlich. Doch ließ er ihn los, den König zu ehren;Denn am Leben zu strafen gehört dem König alleine.
Aber wenigen Danks kann sich mein Oheim getrösten,
So gerecht er auch sey und Uebelthaten verwehret.
Denn seitdem des Königes Friede verkündiget worden,
Hält sich niemand wie er. Er hat sein Leben verändert,
Speiset nur einmal des Tags, lebt wie ein Klausner, kasteit sich,Arägt ein härenes Kleid auf bloßem Leibe und hat schonLange von Wildpret und zahmem Fleische sich gänzlich enthalten,Wie mir noch gestern einer erzählte, der bei ihm gewesen.Malepartus, sein Schloß, hat er verlassen, und baut sichEine Klause zur Wohnung. Wie er so mager geworden,
Bleich von Hunger und Durst und andern strengeren Bußen,Die er reuig erträgt, das werdet ihr selber erfahren.
Denn was kann es ihm schaden, daß hier ihn jeder verklaget?Kommt er hieher, so führt er sein Recht aus und macht sie zuSchanden.