Rcincke Fuchs.
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Stille schweigen; sie sollten in's Gras nach Stand und Geburt sichNiederlassen. Und Reineke stand an der Königin Seite;
Aber der König begann mit großem Bedachte zu sprechen:
Schweiget und höret mich an, zusammen Vogel und Thiere,Arm' und Reiche, höret mich an, ihr Großen und Kleinen,Meine Baronen und meine Genossen des Hofes und Hauses!Reineke steht hier in meiner Gewalt; man dachte vor kurzemIhn zu hängen, doch hat er bei Hofe so manches GeheimnißDargethan, daß ich ihm glaube und wohlbedächtlich die Huld ihmWieder schenke. So hat auch die Königin, meine Gemahlin,Sehr gebeten für ihn; so daß ich ihm günstig geworden,
Mich ihm völlig versöhnet und Leib und Leben und GüterFrei ihm gegeben: es schützt ihn fortan und schirmt ihn meinFriede.
Nun sey allen zusammen bei Leibesleben geboten:
Reineken sollt ihr überall ehren mit Weib und mit Kindern,
Wo sie euch immer bei Tag oder Nacht hinkllnftig begegnen.Ferner hör' ich von Reinekens Dingen nicht weitere Klage;
Hat er Uebels gethan, so ist es vorüber; er wird sichBessern, und thut es gewiß. Denn morgen wird er bei ZeitenStab und Ränzel ergreifen, als frommer Pilger nach Rom gehn,Und von dannen über das Meer; auch kommt er nicht wieder,Bis er vollkommenen Ablaß der sündigen Thaten erlangt hat.
Hinze wandte sich drauf zu Braun und Isegrim zornig:
Nun ist Mühe und Arbeit verloren! so rief er. O wär' ichWeit von hier! Ist Reineke wieder zu Gnaden gekommen,Braucht er jegliche Kunst, uns alle drei zu verderben.
Um ein Auge bin ich gebracht, ich fürchte für's andre!
Guter Rath ist theuer, versetzte der Braune, das seh' ich.Isegrim sagte dagegen: Das Ding ist seltsam! wir wollenGrad zum Könige gehn. Er trat verdrießlich mit BraunenGleich vor König und Königin auf, sie redeten vielesWider Reineken, redeten heftig; da sagte der König:
Hörtet ihr's nicht? Ich hab' ihn auf's neue zu Gnaden empfangen.Zornig sagt' es der König und ließ im Augenblick beideFähen, binden und schließen; denn er gedachte der Worte,
Die er von Reineke hatte vernommen, und ihres Verrathes.
So veränderte sich in dieser Stunde die SacheReinekens völlig. Er machte sich los, und seine VerklägerWurden zu Schanden: er wußte sogar es tückisch zu lenken,
Daß man dem Bären ein Stück von seinem Felle herabzog,
Fuß lang, Fuß breit, daß auf die Reise daraus ihm ein RänzelFertig würde; so schien zum Pilger ihm wenig zu fehlen.
Aber die Königin bat er, auch Schuh' ihm zu schaffen, und sagte:Ihr erkennt mich, gnädige Frau, nun einmal für eurenPilger; helfet mir nun, daß ich die Reise vollbringe.
Isegrim hat vier tüchtige Schuhe; da wär' es wohl billig,
Daß er ein Paar mir davon zu meinem Wege verließe;
Schafft mir sie, gnädige Frau, durch meinen Herren den König.Auch entbehrte Frau Gieremund wohl ein Paar von den ihren;Denn als Hausfrau bleibt sie doch meist in ihrem Gemache.
Diese Forderung fand die Königin billig. Sie könnenJedes wahrlich ein Paar entbehren! sagte sie gnädig.
Reineke dankte darauf und sagte mit freudiger Beugung:Krieg' ich doch nun vier tüchtige Schuhe, da will ich nicht zaudern.Alles Guten, was ich sofort als Pilger vollbringe,
Werdet ihr theilhaft gewiß, ihr und mein gnädiger König.
Auf der Wallfahrt sind wir verpflichtet für alle zu beten,
Die uns irgend geholfen. Es lohne Gott euch die Milde!
An den vorderen Füßen verlor Herr Isegrim alsoSeine Schuhe bis an die Knorren; deßgleichen verschonteMan Frau Gieremund nicht, sie mußte die hintersten lassen.
So verloren sie beide die Haut und Klauen der Füße,
Lagen erbärmlich mit Braunen zusammen und dachten zu sterben;Aber der Heuchler hatte die Schuh' und das Ränzel gewonnen,Trat herzu und spottete noch besonders der Wölfin:
Liebe, Gute! sagt' er zu ihr: da sehet, wie zierlichEure Schuhe mir stehn; ich hoffe, sie sollen auch dauern.Manche Mühe gabt ihr euch schon zu meinem Verderben,
Aber ich habe mich wieder bemüht; es ist mir gelungen.
Habt ihr Freude gehabt, so kommt nun endlich die ReiheWieder an mich; so pflegt es zu gehn, man weiß sich zu fassen.Wenn ich nun reise, so kann ich mich täglich der lieben Ver-wandten
Dankbar erinnern; ihr habt mir die Schuhe gefällig gegeben,Und es soll euch nicht reuen; was ich an Ablaß verdiene,
Theil' ich mit euch, ich hol' ihn zu Rom und über dem Meere.
Und Frau Gieremund lag in großen Schmerzen, sie konnteFast nicht reden, doch griff sie sich an und sagte mit Seufzen:Unsre Sünden zu strafen, läßt Gott euch alles gelingen.
Aber Isegrim lag und schwieg mit Braunen zusammen;Beide waren elend genug, gebunden, verwundet,
Und vom Feinde verspottet. Es fehlte Hinze, der Kater;
Reineke wünschte so sehr, auch ihm das Wasser zu wärmen.
Nun beschäftigte sich der Heuchler am anderen Morgen,Gleich die Schuhe zu schmieren, die seine Verwandten verloren,Eilte dem Könige noch sich vorzustellen, und sagte:
Euer Knecht ist bereit den heiligen Weg zu betreten;
Eurem Priester werdet ihr nun in Gnaden befehlen,
Daß er mich segne, damit ich von hinnen mit Zuversicht scheide,Daß mein Ausgang und Eingang gebenedeyt sey, so sprach er.Und es hatte der König den Widder zu seinem Caplane;
Alle geistliche Dinge besorgt' er, es braucht' ihn der KönigAuch zum Schreiber, man nannt' ihn Bellyn. Da ließ er ihnrufen,
Sagte: Leset sogleich mir etliche heilige WorteUeber Reineken hier, ihn auf die Reise zu segnen,
Die er vorhat; er gehet nach Rom und über das Wasser.Hänget das Ränzel ihm um, und gebt ihm den Stab in die Hände.
Und es erwiederte drauf Bellyn: Herr König, ihr habet.Glaub' ich, vernommen, daß Reineke noch vom Banne nichtlos ist.
Uebels würd' ich deßwegen von meinem Bischof erdulden,
Der es leichtlich erfährt, und mich zu strafen Gewalt hat.
Aber ich thue Reineken selbst nichts Grades noch Krummes.