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Was wir bringen.
Ich grüße sie, bevor ich sie betrete,
Und huldige der herrschenden Gewalt,
Dem alten Recht an seinem deutschen Platz.
Wir danken Denen, die auch uns zusammtMit Kennerblick, mit Freundeshuld begegnet,
Und unsrer Kunst so gleichen Werth als WürdeMit andern Musenschwestern zugestehn.
Ich sprech' es aus, ich sprech' es ungeheuchelt:
Zufrieden fühl' ich — fühle mich geschmeichelt.
Wie war es sonst für mich entehrend,
Wenn jedermann die Duldung pries,
Und mich als thöricht und bethörendHinaus ach! vor die Schwelle wies.
Und freilich zogen die CamönenSo stattlich damals nicht einher;
Doch war zu Zeiten der HellenenDes Thespis Karren auch nicht mehr.
Nun aber andre Zeiten, andre Sitten!
Wir sehen uns nicht nur gelitten,
Sogar wir sehn uns hochgeehrt:
Das ist es, was den Eifer mehrt.
Wir haben unser Mögliches gethan,
Und kommen festlicher einhergeschritten,
Uns der Versammlung würdiger zu nahn.
Zuvörderst hat Sarastro höchst großmüthigDen Löwenzug, den er nur selbst regiert,
Und obendrein, wie er gewohnt, großgütigDen goldnen Wagen bestens offerirt,
Und von der Dienerschaft, der großen, reichen,
Sein ganzes Mohrenvolk und ihres Gleichen.
Doch möchte sich der Prunk zu viel vermessen,
Wofern er nicht Gehalt im Schilde führt.
Drum hab' ich zwei Begleiter nicht vergessen,
Sie sind antik als Genien costümirt;
Denn, was man so Genie kurzweg genannt,
Nicht immer ist's, wenn man es braucht, zur Hand,
Auch wohl, wie das so geht, nicht grad im Gange;
Die beiden aber, froh und klug gewandt,
In ihrer Mitte wird mir gar nicht bange.
(Indessen sind die Kinder aus dem Wagen gestiegen und stellen ihrzur Seite, die Kunst rechts und die Natur links; sie legt der erstendie Hand auf die Schulter.)
Denn stockt einmal der ernsten Kunst Getriebe,
(Sie legt der andern die Hand auf die Schulter.)
Dann wirkt Natur mit ihrem eignen Triebe.
Nun hoffen wir, da sich vor allen DingenDer Himmel frei und wolkenlos erheitert,
Sich Geist und Brust und Sinn und Herz erweitert,
Nur um so besser werd' es uns gelingen,
Euch durch den Reichthum unsrer KunstgestaltenNoch manchen Abend froh zu unterhalten.
(Nacht.)
Siebenter Auftritt.
Mercur
(der indessen einigemal hereiugcsehcn, ob sie noch nicht fort sind).
Nicht zum Entsetzen, nur zur Lust! Soll dießmal sich der Tag verdunkeln;
Nun möge jedes Auge funkeln,
Und froh sich fühlen jede Brust!
Entfesselt die gebundnen Triebe!
Bekannte Töne hör' ich fern;
Ihr wißt, ich bin der Gott der Diebe,
Doch heut' entsag' ich euch zu LiebeDem schlauen Wesen herzlich gern.
Ich will mich nicht vom Schauplatz stehlen;
Ihr lobt mich wohl: Ich führe lautes KlangesDie Oper her; mit Fülle des GesangesHofft sich auch die euch zu empfehlen.
Achter Austritt.
(Der Hintere Vorhang erhebt sich. Das bekannte iltuminirte Schiffdes Baffa Selim steht schon. Der Chor, anstatt sich gegen das Schiffzu wenre». tritt vor in's Proscenium.)
Singt dem großen Tage Lieder!
Töne feuriger, Gesang!
Saale, bring' der Elbe wiederFrei entbundnen Jubelklang!
Laßt sie sich regen, frische Gesänge,
Segnen die kühle, die friedliche Fluth;
Nie so in Einigkeit tönte der MengeKräftiger Sang und so herzliche Gluth.
(Indessen ist der Baffa und Constanze ausgestiegen, affistirt von Blon-den und Pedrillo. Belmonte und Osmin sind auch zugegen DasChor hat sich gerheiit; obige Personen treten vor.)
Lelniontc.
So half der Himmel uns, den Kühnen,
Aus einer schnöden Sklaverei;
Nun aber sind wir froh und frei,
Nun wollen wir es auch verdienen.
Chor.
Wem solches Glück sich aufgethan,
Der fängt ein neues Leben an.
Constanze.
Genuß der Liebe, Glück der Treue,
Die freie Gabe sind sie nun;
Das ist das Walten, ist das Thun,
Daß nun sich auch ein jeder freue!
Chor.
Wem solches Glück sich aufgethan,
Der fängt ein neues Leben an.
Sassa.
Der Baffa selbst gewinnet Stimme,
Eröffnet hoch die tiefe Brust:
Er ruft euch an zu Glück und Lust,
Und nie ergrimmt er mehr im Grimme.